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Schottland  -  nur im Kleinformat

Schottland   -  nur im Kleinformat
Grüne Vulkanberge, Hochmoore, schroffe Klippen und dunkle Seen prägen das Bild der Hebrideninsel Mull.

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Mull, das ist Schottland im Kleinformat. Gerade mal 3000 Bewohner verlieren sich entlang der zerklüfteten, fjordartigen Küste. Trotz der vielen Sommergäste hat sich die nur wenige Kilometer vom schottischen Festland entfernte Insel ihre Ursprünglichkeit bewahrt. Das Innere der Insel ist nahezu unbewohnt. Hier können Wanderer tagelang unterwegs sein, ohne eine Menschenseele zu treffen. Häufiger sind Begegnungen mit Hirschen, die abseits der Küste zu Tausenden äsen.

5000 Pflanzensorten

Durch die reichlichen Niederschläge und das milde Klima gedeiht eine üppige Flora mit über 5000 Pflanzensorten. Das Frühjahr kommt zeitig und taucht die Insel in ein Blütenmeer. Der Waldboden ist dann ein einziger Blumenteppich aus Anemonen, Schlüsselblumen, Veilchen und Hyazinthen. Auf sumpfigen Flächen wachsen Orchideen, von denen einige nur auf Mull beheimatet sind. In der einsamen Meeresbucht Loch Buie im Süden der Insel säumen baumhohe Rhododendren die schmalen Wege, am traumhaften Strand unterhalb einer Burgruine wachsen bis zu einem Meter hohe Schwertlilien. Bunt zeigt sich auch der Herbst, wenn sich die Blätter der vom Wind zerzausten Eichen und die mannshohen Farne verfärben. Wer die Insel mit dem Auto umrundet, muss mindestens einen Gang herunterschalten. Die kurvenreichen Straßen sind zumeist nur einspurig zu befahren und zwingen zu häufigen Stopps. Die einheimischen Fahrer nehmen dies jedoch gelassen. An den Ausweichstellen winken sie einander zu und schenken sich ein freundliches Lächeln. Ein wohltuendes Ritual, an das sich auch Fremde rasch gewöhnen.

Tiere haben Vorfahrt

Tiere, die häufig die Verkehrswege kreuzen, haben immer Vorfahrt. Die schwarzköpfigen Schafe lassen sich durch Hupen nicht sonderlich beeindrucken. Auch die zotteligen, rotbraunen Hochlandrinder haben die Ruhe weg, wenn sie gemächlich über die Straßen trotten. Im Vergleich zu ihren südeuropäischen Verwandten wirken die sanften Riesen wie Kuscheltiere.

Einen Kontrast zu der fast unberührten Natur bietet das malerische Städtchen Tobermory, das im Sommer täglich Tausende von Touristen anzieht. Dicht an dicht drängen sich farbenfrohe Häuschen aus dem 18. Jahrhundert um den kleinen Hafen, in dem Fischkutter und Segelboote ankern. Vor 200 Jahren wohnten mehr als dreimal so viele Menschen auf der Insel. Die brutale Vertreibung durch die Grundbesitzer sowie Hungersnöte zwangen im 19. Jahrhundert viele Bewohner, nach Übersee auszuwandern.

Duart Castle als Drehort

Das im Süden gelegene Duart Castle ist die meist besuchte Attraktion der Insel. Die Burg diente als Drehort für mehrere Kinofilme mit hochkarätigen Schauspielern wie Anthony Hopkins und Catherine Zeta-Jones. Das gewaltige Bauwerk zeugt von der mittelalterlichen Macht und dem Wohlstand der MacLeans. Heute residiert Sir Lachlan, das 28. Oberhaupt des Clans, in der restaurierten Festung. Gegen vier Pfund Eintritt gewährt der einstige Leibwächter der Queen einen faszinierenden Einblick in den Stammsitz seiner Vorfahren.

Touristen können den prächtigen Bankettsaal bestaunen, vor dem finsteren Verlies mit vier Meter dicken Mauern erschaudern oder einen Blick in das Himmelbett werfen, in dem Lady und Lord MacLean 1941 die Flitterwochen verbrachten. Weniger liebevoll behandelte dessen Vorfahre seine Ehefrau Catherine. Da sie ihm keine Kinder gebar, setzte er die Gattin 1521 auf einem Fels im Meer ab, der seither „Ladys Rock” genannt wird. Bevor die Flut kam, retteten Fischer die todgeweihte Frau, die dem Clan der Campbells of Argyll entstammte. Die Rache ließ nicht lange auf sich warten: Kurz darauf erstach Catherines Cousin den herzlosen Ehemann in seinem Bett.

Jahrhundertelange Fehden

Die nächsten Jahrhunderte herrschte Feindschaft zwischen den beiden Familien. Erst vor 70 Jahren versuchte der Duke of Argyll sich mit den MacLeans zu versöhnen. Er schlug Sir Fitzroy, dem Urgroßvater des heutigen Clanchefs, an dessen 100. Geburtstag vor, die Fehde zu beenden. Der Greis versprach, den Frieden zu wahren - so lange er lebt …

 

REISEINFOS

Anreise: Zum Beispiel mit einem Flug nach Glasgow. Weiterfahrt mit Mietwagen, Bus oder Bahn zur Hafenstadt Oban. Die Autofähre nach Craignure auf Mull benötigt etwa 40 Minuten (1000 Passagiere, 100 Autos) und fährt in der Hauptsaison alle zwei Stunden. Zwischen Lochlaine und Fishnish verkehrt eine weitere Fähre (15 Minuten Überfahrt).

Währung: Währung ist das Pfund Sterling. Man kann in den Wechselstuben, Reisebüros und Hotels Geld umtauschen.

Beste Reisezeit: Mai bis September.

Tipps: Walbeobachtung (Abfahrt in Tobermory); Ausflüge mit dem Schiff nach Iona, Staffa, Ulva und zu den Thresnish Islands (Vogelbeobachtung); Besichtigung von Duart Castle (von Mai bis Oktober geöffnet).

Weitere Informationen: Visit Britain, Britische Zentrale für Fremdenverkehr, Dorotheenstraße 54, D-10117 Berlin, Internet: www.visitbritain.at.

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