2. November 2008 08:13; Akt.: 2.11.2008 08:13

Ex-Sahara-Geiseln in "guter Verfassung" wieder in der Heimat

Ex-Sahara-Geiseln in "guter Verfassung" wieder in der Heimat
Die im Februar in der Sahara entführten Salzburger Touristen Andrea Kloiber und Wolfgang Ebner sind nach achtmonatiger Geiselhaft am Samstag wieder nach Österreich zurückgekehrt. Ankunft in Bamako | Lösegeld bezahlt? | Unterwegs nach Österreich | Die ersten Bilder  | Plassnik: Ex-Geiseln “wohlbehalten zurück in der Heimat” | Ex-Geiseln laut Arzt “in überraschend guter Verfassung”

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Gegen 18:00 Uhr abends landete die Maschine aus der malischen Hauptstadt Bamako am Sonder-Terminal General Aviation Center (GAC) auf dem Flughafen in Wien-Schwechat. Von dort wurde das Salzburger Paar in einem Hubschrauber direkt in das Heeresspital nach Wien-Stammersdorf für medizinische Untersuchungen geflogen. Die ehemaligen Geiseln seien in “ganz guter Gesamtverfassung”, erklärte Außenministerin Ursula Plassnik (V) vor Journalisten am Flughafen.

“Ihre Gefasstheit hat mich beeindruckt”, sagte Plassnik, die die Ex-Geiseln auf dem Flug heimbegleitet hatte. “Wir haben gelacht, sie sind guter Dinge.” Man sei froh und dankbar, dass sie wieder nach Österreich zurückgekehrt sind. Wie lange die Untersuchungen im Heeresspital Stammerdorf dauern werden und wann die beiden, die aus Hallein stammen, nach Salzburg heimkehren können, konnte Plassnik nicht sagen. Ebner und Kloiber seien jetzt angespannt und erschöpft wie Sportler nach einer großen Leistung.

Die Befreiung der Geiseln sei ein “Werk der Beharrlichkeit, Teamarbeit und Diplomatie” gewesen, wobei Mali nach den Worten Plassniks der wichtigste Partner war. Sie sei in Bamako mit dem Präsidenten von Mali, Amadou Toumani Toure, zusammengetroffen und habe sich bei ihm bedankt. Das afrikanische Land habe Wort gehalten, die Freilassung “mit breitgefächerten Kontakten” zu erwirken. “Wir haben ihm (dem malischen Präsidenten, Anm.) vertraut”, sagte Außenamts-Generalsekretär Johannes Kyrle in einem ORF-Interview.

Die Außenministerin schloss erneut aus, dass Lösegeld gezahlt wurde, und sprach von einer “humanitären Lösung”. In Österreich habe der Krisenstab in 144 Sitzungen unter der Leitung des Außenamts-Generalsekretärs für die Freilassung der Geiseln getagt. In Mali waren laut Kyrle drei bis vier österreichische Beamte laufend an Ort und Stelle für die Geiseln im Einsatz.

Die Nachrichtenagentur AFP hatte unter Berufung auf “informierte Kreise in Mali” gemeldet, dass für die Freilassung der beiden Salzburger Lösegeld bezahlt worden sei. Die Entführer hätten weniger Geld bekommen, als sie wollten. Der mit der Geiselaffäre befasste österreichische Sondergesandte Anton Prohaska betonte gegenüber AFP in Bamako ebenfalls, dass kein Lösegeld bezahlt wurde. Laut dem pensionierten österreichischen Botschafter spielten bei der Geiselfreilassung wichtige Persönlichkeiten aus dem Norden von Mali eine “essenzielle Rolle”. Sie hätten Druck auf die Entführer ausgeübt.

Plassnik gab keine direkte Stellungnahme der Ex-Geiseln wieder und nannte auch keinen Wunsch, den die Freigelassenen geäußert hätten. Die Betroffenen würden bei gegebener Zeit selbst Auskunft geben. Ob die Angehörigen bereits mit ihren Familienangehörigen zusammengetroffen sind, konnte die Ministerin nicht sagen. Der Sohn von Wolfgang Ebner und der Pressesprecher der Angehörigen seien aus Salzburg nach Wien angereist, um mit den Freigelassenen zusammenzutreffen, erfuhr die APA aus informierten Kreisen.

Über die Gefangennahme der beiden Salzburger habe sie keine Gespräche geführt, sagte die Außenministerin. Es werde noch Zeit geben, die Hintergründe aufzuklären. Die genauen Umstände der Freilassung sind bis dato unbekannt. “Wir wissen über die Befreiung derzeit noch nichts”, hatte Kyrle in einem Interview gesagt.

Kloiber und Ebner waren am 22. Februar während eines Urlaubs in der Wüste von Tunesien vermutlich von der “Al-Kaida im Islamischen Maghreb” entführt und später offensichtlich nach Mali verschleppt worden. Die Entführer hatten ursprünglich die Freilassung von Gefolgsleuten gefordert. Später stellten sie Forderungen “regionaler Natur” wie den Zugang zu Wasser, die Nutzung von Bodenschätzen und Wegerechte, sowie mutmaßlich auch Lösegeld. Die Lage in der Region schilderte Kyrle folgendermaßen: Es herrsche dort eine Bürgerkriegssituation zwischen den Tuaregs (Nomaden berberischer Abstammung; Anm.) und Regierungstruppen. Dieses “Vakuum” benutze das Terrornetzwerk Al-Kaida, “um hier Geiseln zu halten”.

Ebner und Kloiber wurden an diesem Donnerstag, nach 252 Tagen in Geiselhaft, freigelassen. Das Salzburger Paar wurde am Samstagvormittag in Bamako vom malischen Präsidenten in die Obhut der österreichischen Delegation unter Außenministerin Plassnik übergeben. In der Nacht vor dem Rückflug hatte bereits eine erste medizinische Untersuchung der Freigelassenen stattgefunden.

Über den Ankunftsort in Österreich hatte lange Zeit Rätselraten geherrscht. Die beiden Salzburger wünschten eine Rückkehr unter Ausschluss von Öffentlichkeit und Medien. Es sei “ihr ausdrücklicher Wunsch, sich nach den Strapazen der vergangenen Monate zunächst zu erholen und der entsprechenden medizinischen Betreuung unterziehen zu können”, hieß es aus dem Außenministerium. Plassniks Sprecher Alexander Schallenberg bestätigte am Samstag, dass die Landung der Maschine mit den Salzburgern auf dem Wiener Flughafen in einem “uneinsehbaren Bereich” geplant war.


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