Russische Geldwäscher eventuell auch in Vorarlberg aktiv

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Ein Recherche-Netzwerk zeigt teils zweifelhafte Überweisungen auf Firmenkonten bei österreichischen Banken auf. In Vorarlberg sind die Raiffeisenlandesbank und die Sparkasse Bludenz betroffen.
Ein Recherche-Netzwerk zeigt teils zweifelhafte Überweisungen auf Firmenkonten bei österreichischen Banken auf. In Vorarlberg sind die Raiffeisenlandesbank und die Sparkasse Bludenz betroffen. - © Bilderbox
Ein internationales Recherche-Netzwerk zeigt teils zweifelhafte Überweisungen auf Firmenkonten bei österreichischen Banken auf – in Vorarlberg sind die Raiffeisenlandesbank und die Sparkasse Bludenz betroffen – beide wehren sich gegen Vorwürfe, bei diesen Überweisungen zu wenig hinsichtlich eines Geldwäsche-Verdachts kontrolliert zu haben.

Ein Bericht der österreichischen Rechercheplattform dossier.at über möglicherweise umfangreiche russische Geldwäscheaktivitäten in Österreich sorgt seit Ende März 2017 für Diskussionen in Bank- und Finanzkreisen. Denn die Plattform hat in Zusammenarbeit mit dem osteuropäischen Investigativ-Recherche-Netzwerk OCCRP (Organized Crime and Corruption Reporting Project) den sehr konkreten Verdacht in den Raum gestellt, wonach Geldwäscher aus Russland ganz gezielt über Bankkonten in Europa und auch in Österreich und dabei auch in Vorarlberg versuchen, Schwarzgeld zu waschen. Das mutmaßliche Schwarzgeld soll dabei in völlig unterschiedlichen Beträgen über einen längeren Zeitraum hinweg an viele verschiedene Banken beziehungsweise an deren zumeist ahnungslose Bankkunden überwiesen worden sein. Denn diese wissen möglicherweise nicht immer, wer genau ihr russischer Geschäftspartner wirklich ist. Häufig stehen reale Geschäfte hinter den Überweisungen.

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Der Bericht verweist auf einschlägiges und offensichtlich korrektes Datenmaterial von Banküberweisungen, das zuvor OCCRP und der russischen Zeitung Novaya Gazeta zugespielt worden sei. In den vorliegenden Unterlagen scheinen auch 17 österreichische Banken auf, die im Zeitraum Juni 2012 bis März 2014 im Zahlungsverkehr 88 Transaktionen in Höhe von insgesamt 4,1 Millionen Euro abgewickelt haben. Das Geld sei auf die Bankkonten diverser österreichischer Firmen überwiesen worden. Immer wieder scheine dabei eine zypriotische Firma namens Crystalord Limited auf, die ihre Überweisungen über die Bank Trasta Komercbanka in Lettland tätigte. Dieser Bank wurde zwischenzeitlich auf Anweisung der Europäischen Zentralbank wegen des wiederholten Verdachts auf Geldwäsche-Aktivitäten die Lizenz entzogen. Aber auch über Banken in Großbritannien würden entsprechende Überweisungen getätigt werden.

Zwei Vorarlberger Banken in den Unterlagen

In den Unterlagen scheinen unter anderen die Raiba Kitzbühel-St. Johann, die UniCredit Bank Austria, die Oberbank, die Meinl Bank, die Bank Gutmann, die Hypo Tirol Bank, die Deutsche Bank in Wien, die Erste Bank, Raiffeisen International, die BAWAG P.S.K, die Sparkasse Kitzbühel, die Allgemeine Sparkasse Oberösterreich, die Volksbank Wien, die Raiba Wattens und Umgebung sowie die Raiffeisenlandesbank Vorarlberg und die Sparkasse Bludenz auf. Hinter den überwiesenen Beträgen scheint kein System zu stecken, denn sie bewegen sich zwischen 1,6 Millionen Euro bei der Raiba Kitzbühel, bei etwas mehr als 200.000 Euro bei der RLB Vorarlberg und bei 2.200 Euro bei der Sparkasse Bludenz.

Eine zypriotische Firma, die regelmäßig über eine Bank in Lettland überwiesen hat

dossier.at wirft den aufgelisteten Banken vor, nicht immer mit der notwendigen Sorgfaltspflicht diverse Überweisungen aus Steuerparadiesen oder Ländern mit laxeren Geldwäsche-Vorschriften zu überprüfen. Gerade bei Überweisungen einer zypriotischen Firma über eine lettische Bank mit einem Auftraggeber in Russland hätte man Verdacht schöpfen müssen, heißt es. Weitergehende Recherchen von dossier.at hätten jedoch auch ergeben, dass zumindest einige der Transaktionen offenbar sehr wohl von den Banken bei der Geldwäschemeldestelle des Bundeskriminalamtes angezeigt worden seien.

Sparkasse Bludenz: “Überweisung zum damaligen Zeitpunkt völlig unverdächtig”

In Vorarlberg wehren sich die beiden erwähnten Banken gegen den Vorwurf, dass man hinsichtlich des medial mittlerweile bekannt gewordenen russischen Geldwäschenetzwerkes in Europa zu wenig sorgfältig einschlägige Überweisungen überprüfe. Christian Ertl, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Bludenz, bestätigte auf wpa-Anfrage, dass die von dossier.at angesprochene Überweisung in Höhe von 2.200 Euro tatsächlich über die zypriotische Firma und die Bank in Lettland angewiesen worden sei. “Die Transaktionen spielten sich alle im EU-Raum ab und zum damaligen Zeitpunkt war die lettische Bank noch zugelassen.” Dazu komme die Tatsache, dass das Geld auf dem Konto eines der Bank seit Jahren bekannten Kunden gelandet sei, der auf Anfrage von einem realen Geschäft mit einem russischen Kunden berichtete. Zudem bewege sich der Betrag mit 2.200 Euro in einer Transaktions-Größenordnung, wie sie die Bank jeden Monat tausendfach abwickle. “Für uns war das zum damaligen Zeitpunkt völlig unverdächtig”, so Ertl.

Ertl stimmte jedoch zu, dass der gewählte Weg der Überweisung für Beträge in dieser Größenordnung zwar nicht illegal, allerdings zumindest etwas seltsam sei. Da man jetzt im Nachhinein wisse, dass auch andere Banken über den gleichen Weg Überweisungen auf Konten ihrer Firmenkunden mit Geschäftsbeziehungen nach Russland erhielten, ergebe sich ein anderes Bild. Allerdings sei nach wie vor nicht geklärt, wie die Geldwäsche konkret funktioniere. Denn wenn das Geld einmal auf dem Konto des Vorarlberger Unternehmens sei und der Überweisung ein reales Geschäft gegenüberstehe, könne er sich nicht vorstellen, wie hier Geld gewaschen werden soll, so Ertl. Auf dossier.at ist zu lesen, dass es sich bei dem Empfänger der 2.200 Euro-Überweisung um ein Vier-Sterne-Hotel in Lech am Arlberg handle.

RLB Vorarlberg: “Bankkunde ist uns seit 30 Jahren bekannt”

In das gleiche Horn stößt Wilfried Hopfner, Vorstandsvorsitzender der RLB Vorarlberg. Auch er bestätigt auf wpa-Anfrage, dass die angesprochene Überweisung in seiner Bank tatsächlich stattgefunden habe. Allerdings sei das Geld in diesem Fall nicht über Zypern und Lettland gekommen, sondern über eine Bank in London, die nach wie vor tätig sei. “Der Firmenkunde, auf dessen Konto das Geld überwiesen wurde, ist uns seit mehr als 30 Jahren bekannt. Er hat auf eine konkrete Lieferung nach Russland hingewiesen, die dieser Überweisung gegenüberstehe. Es gibt also ein reales Geschäft dieser Exportfirma”, so Hopfner. Deshalb habe die Bank in diesem Fall keinen Verdacht geschöpft. “Auch wir wissen nicht, wie sich hier die Geldwäsche abspielen soll”, so Hopfner. Denn das Geld befinde sich ja schlussendlich auf dem Konto des Vorarlberger Unternehmens.

dossier.at liefert unter anderem in einem grafisch aufbereiteten Video eine mögliche Erklärung dazu, wie die Geldwäsche über die “russische Geldwaschmaschine” funktioniere. Zudem verweist die Rechercheplattform anhand eines konkreten Beispiels darauf, dass österreichische Firmen, die auf dieser Transaktionsliste aufscheinen, offenbar doch nicht immer so genau wissen, mit wem sie es bei dem russischen Geschäftspartner tatsächlich zu tun haben und woher dieser sein Geld hat.

(wpa)

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