4. September 2010 06:04; Akt.: 4.09.2010 06:04

Rüffel für Rankweiler Polizisten

RA Mennel: Bei der Verfolgung vermeintlich Krimineller wurden die Polizisten selbst zu Kriminellen. RA Mennel: Bei der Verfolgung vermeintlich Krimineller wurden die Polizisten selbst zu Kriminellen. - © VOL Live/Hofmeister
(VN) Rankweil, Bregenz - Hausdurchsuchung und Festnahme von einem Waffennarr waren laut UVS “rechtswidrig”. (31 Kommentare)

Es schien ein ganz normaler Routineeinsatz zu werden, als zwei Beamtinnen der Sektorstreife Rankweil I in den frühen Morgenstunden des 8. Juli 2007 zu einer Schlägerei gerufen wurden. Doch dann fiel ein Schuss, und die Ereignisse überschlugen sich. Es kam zur Festnahme eines Rankweilers und seiner beiden Söhne, ihr Haus wurde durchsucht, mehrere Waffen wurden beschlagnahmt. Drei Jahre nach einer Maßnahmenbeschwerde der Familie stellte der Unabhängige Verwaltungssenat (UVS) des Landes Vorarlberg nun fest, dass der Polizeieinsatz „rechtswidrig“ war. Es wäre notwendig und möglich gewesen, die Frage der gerichtlichen Anordnungen abzuklären, heißt es in dem Erkenntnis zusammenfassend.

Mit Schrotflinte geschossen

Rückblende: Als die Beamtinnen vor dem Einfamilienhaus in Rankweil eintreffen, finden sie einen am Boden liegenden Verletzten. Ein 16-jähriger Bursch aus Klaus wurde übel zugerichtet, blutet aus dem Mund und am Kopf. Ein ausländerfeindlicher Hintergrund wird vermutet. Die beiden Tatverdächtigen - ein damals 19-jähriger Rankweiler und dessen Bruder - sind zu diesem Zeitpunkt schon zu Hause. Während die Beamtinnen das Opfer vor Ort befragen, kommt plötzlich der Vater mit seinen Söhnen aus dem Haus und ballert mit einer Schrotflinte in den Nachthimmel. Nachdem sich die Polizistinnen zu erkennen gaben, kehren die Männer wieder ins Haus zurück. Sofort werden alle verfügbaren Patrouillen zusammen gezogen, auch das Sondereinsatzkommando „Cobra“ fährt vor. Die Exekutivbeamten ersuchen bei der Staatsanwaltschaft dringend um die Erlassung des Haftbefehls. Da die Männer jedoch kurze Zeit später auf einen Anruf der Polizei reagieren und aus dem Haus kommen, beantragt der diensthabende Staatsanwalt keinen Haftbefehl. Trotzdem werden die drei Rankweiler sofort festgenommen, zwei sogar in Handschellen gelegt. Bei der Hausdurchsuchung entdecken die Polizisten dann ein regelrechtes Waffen­arsenal: Jagd- und Luftruckgewehre, Schrotflinten - insgesamt 14 Langwaffen sowie große Mengen Munition werden beschlagnahmt. Die drei Männer müssen mit auf den Polizeiposten und werden erst zwei Stunden später auf freien Fuß gesetzt.

Keine Gefahr in Verzug

In dem den VN nun vorliegenden Erkenntnis spricht der UVS aus, dass die Festnahmen und die nachfolgende Anhaltung der Männer sowie die Hausdurchsuchung und die Beschlagnahmung der Waffen „rechtswidrig“ erfolgt seien. Die Festnahme sei nicht „unmittelbar nach der vermeintlichen Straftat“ ausgesprochen worden und es wäre „genügend Zeit gewesen, die Einholung eines Haftbefehls durch einen U-Richter abzuklären“, begründet der UVS. Auch für die Hausdurchsuchung bestand laut Erkenntnis keine Rechtsgrundlage, da keine Gefahr in Verzug war und kein richterlicher Befehl vorlag. Dasselbe gelte für die Beschlagnahmung der Waffen. Der richterliche Befehl sei erst eingeholt worden, als sich die Waffen schon in Gewahrsam der Polizei befanden, wie es heißt.

„Völlig überzogen reagiert“

„Die Beamten waren einfach nicht in der Lage, die Situation richtig zu beurteilen“, kritisiert Rechtsanwalt Martin Mennel den nächtlichen Polizeieinsatz. Die Polizei hätte nicht nur ohne gesetzliche Grundlage, sondern auch völlig überzogen reagiert. Auch in der Anzeige gegen seine Mandanten hätten die Beamten den Sachverhalt dramatisiert, so Mennel. Die Verfahren wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt, gefährlicher Drohung und des Vergehens nach dem Waffengesetz endeten jeweils mit einem Freispruch. Hängen blieb die Körperverletzung. Und die 14 Waffen sind bis heute beschlagnahmt.


Jörg Stadler

Artikel weiterempfehlen
  • 0

Ihre Meinung Kommentare filtern  | 
KOMMENTARE FILTERN Optionen ausblenden  X


 
Sie müssen eingeloggt sein oder sich registrieren um einen Kommentar abzuschicken.
Please enter a title and content
 

HTML-Version von diesem Artikel

Mehr auf VOL.at
Eisberg Rotes Tor mit Rekordwerte
Rankweil. Ein wahres Paradies von winterlicher Kunst und das mit Höchstwerten bildet derzeit den Rahmen beim „Roten [...] mehr »
Feldkirch war Narrenhochburg
Feldkirch, Lochau - Trotz klirrender Kälte waren Tausende Zuschauer auf den Feldkircher Straßen mit dabei. mehr »
U-Ausschuss: Aussage von Gorbach-Sekretärin
Wien, Schwarzach - Am kommenden Dienstag nimmt der parlamentarische Korruptions-U-Ausschuss nach einer Woche Pause [...] mehr »
“Whitney lag in der Badewanne”
Los Angeles, Höchst - Der Höchster Maler-Manager Günter Palaoro ist in Los Angeles in dem Hotel zu Gast, in dem [...] mehr »
“Ich habe kein Mitleid”
Bregenz - Im Faschingsfinale erhöht sich traditionell die Anzahl der alkoholisierten Autofahrer. Eine Bestandsaufnahme [...] mehr »
Mehr Meldungen »
Psst... Box

Anmelden

Facebook-Benutzer?

Sie können Ihren Facebook-Account zum Anmelden verwenden:

Mit Facebook verbinden



Passwort vergessen?
Neuen Nutzer registrieren

Anmelden oder Registrieren
um Profile zu verknüpfen

{username} registrieren Sie sich jetzt neu auf VOL, um Ihr Facebook-Profil mit einem neuen Benutzer zu verknüpfen ODER klicken Sie auf Anmelden wenn Sie bereits einen VOL-Benutzer haben.


muss eine gültige E-Mail-Adresse sein


Bitte max. 32 Zeichen verwenden


Mindestens 6 Zeichen





Sie haben bereits einen VOL-Benutzer? Anmelden

Bestehendes VOL-Profil verknüpfen

melden Sie sich mit Ihrem VOL-Benutzer an ODER klicken Sie auf Neu Registrieren .


Passwort vergessen

Sie haben noch keinen VOL-Benutzer? Neuen Benutzer registrieren