Roter Planet voraus: Sechs entscheidende Minuten nach langer Reise

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Die Marsmission der ESA geht in die entscheidene Phase.
Die Marsmission der ESA geht in die entscheidene Phase. - © AP
Sieben Monate dauerte die Reise, am Ende aber entscheiden sechs Minuten: Vor allem in Europa und Russland fiebern Raumfahrtexperten der ersten Landung einer europäischen Sonde auf dem Mars entgegen. Die Landung gibt es bei uns im Livestream.

Mit 21.000 Stundenkilometern soll die Testsonde “Schiaparelli” am Mittwochnachmittag in die Mars-Atmosphäre eintauchen – um nach einem ruppigen Abstieg sechs Minuten später, um 16.48 Uhr (MESZ), auf der Oberfläche aufzusetzen. “Schiaparelli” wurde seit ihrer erfolgreichen Trennung von der Atmosphärensonde TGO, mit der sie bis Sonntag huckepack zum Roten Planeten gereist war, in einen “Tiefschlaf” versetzt. Aus ihm soll sie ihrer Programmierung zufolge erst um 15.37 Uhr und damit 75 Minuten vor Beginn des Landesmanövers aufwachen.

Danach beginnt für die kleine Sonde der Höllenritt. Da die Signale erst mit 9,5 Minuten Verzögerung auf der Erde eintreffen und zurück noch einmal diese Zeit benötigen, ist “Schiaparelli” bei Abstieg und Landung ganz allein auf sich gestellt, denn ein Eingreifen der Bodenstation wäre nicht möglich. Während dieser Phase können zahlreiche Problemen auftreten.

Aufsetzen kompliziert

Das Aufsetzen auf der Oberfläche nach dem Flug durch die dünne, kohlendioxidhaltige Atmosphäre des Roten Planeten zählt zu den schwierigsten Raumfahrtmanövern überhaupt. Bisher gelang es nur den USA, funktionierende Forschungsrover auf dem Mars zu platzieren.

“Schiaparelli” ist kein hochgerüsteter Rover, sondern nur ein Testlandegerät – es soll Technologien ausprobieren, die für die spätere Landung eines ersten europäischen Rovers benötigt werden. Diesen will die europäische Weltraumagentur ESA in vier Jahren auf dem Mars absetzen. Ein erster Versuch mit dem Mini-Landegerät “Beagle 2” war vor 13 Jahren missglückt.

Höchstspannung bei der ESA

Auch für den kleinen Testlander ist das Abbrems- und Landmanöver hochkomplex und dürfte für Höchstspannung im Europäischen Raumflugkontrollzentrum der ESA in Darmstadt sorgen. 121 Kilometer über der Marsoberfläche wird der 600 Kilo schwere Lander in die Atmosphäre eintreten und dann von 21.000 auf zehn Stundenkilometer heruntergebremst – eine ungeheure Belastung für die mit Fallschirm und Schutzschild ausgerüstete Sonde.

Die letzten zwei Meter bis zur Oberfläche legt die Sonde im freien Fall zurück – dann sollte sie in der Nähe des fast 13 Jahre alten NASA-Rovers Opportunity auf dem Boden aufsetzen. Da “Schiaparelli” seine Daten nicht direkt zur Erde funken kann, müssen sie von der Schwestersonde TGO aufgefangen werden, die unterdessen in eine Umlaufbahn um den Mars eingeschwenkt sein sollte. Während der Lander aufsetzt, wird die Atmosphärensonde den Plänen zufolge über “Schiaparellis” äquatornahen Landeplatz hinwegziehen und dessen ausgesandten Datenstrom auffangen.

“Meilenstein für Raumfahrt”

“Schiaparelli” ist unter anderem mit einer kleinen Wetterstation ausgerüstet, die neben Temperatur, Druck und Windgeschwindigkeit auch elektrische Felder auf der Mars-Oberfläche messen soll. Die Batterie des Testlandegeräts lässt sich nicht aufladen, deshalb wird seine Mission schon nach wenigen Tagen beendet sein.

TGO dagegen wird dagegen noch eine Weile aktiv sein. Die Sonde soll die Gase in der Mars-Atmosphäre untersuchen und dabei nach Spuren einfachen Lebens auf dem Roten Planeten suchen.

“Das ist ein Meilenstein für die europäische Raumfahrt”, sagte Verkehrs- und Technologieminister Jörg Leichtfried (SPÖ). Sein Ressort beteiligt sich mit rund 15,5 Millionen Euro an der Mission. “Wie bei allen wichtigen europäischen Weltraummissionen ist auch bei ExoMars österreichische Technologie mit an Bord. In Wien entwickelt und gefertigt wurde etwa eine Hülle, die die Muttersonde vor den extremen Temperaturen im Weltraum schützt “, sagte Leichtfried. Bei ExoMars lieferte RUAG Space Österreich die Thermalisolierung für die Satellitenplattform sowie optische Oberflächenreflektoren und Teile des Steuerungssystems. Siemens Convergence Creators entwickelte Testgeräte zur Überwachung der Satellitensignale.

(APA)

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