24. September 2012 14:15; Akt.: 24.09.2012 14:15

Requiem auf einen toten Sohn: Wolfgang Hermanns “Abschied ohne Ende”

Der gebürtige Vorarlberger Autor Wolfgang Hermann Der gebürtige Vorarlberger Autor Wolfgang Hermann - © VOL.AT/Hofmeister
Es ist ein schmales Buch, doch es trifft den Leser mit der Wucht eines Keulenschlags. Selten wurde der unsagbare Schrecken, den der unvermittelt ins Leben einbrechende Tod auslöst, derart in Worte gefasst wie in Wolfgang Hermanns “Abschied ohne Ende”.

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Der gebürtige Vorarlberger, der mit den Abenteuern seines tollpatschigen Anti-Helden Faustini viele Fans gewann, verarbeitet darin den Tod seines Sohnes – und findet Bilder für das damals Erlittene, die tief beeindrucken. Sie führen in eine Welt, in der alles sinn- und ausweglos ist. In der jeder Schritt, jeder Atemzug unendliche Anstrengung bedeutet.

Ein Vater, der Ich-Erzähler, findet eines morgens seinen Sohn, der mit harmloser Grippe schlafen gegangen war, tot im Bett. Ab diesem Augenblick steht die Zeit still. Ein Blitz reißt den Vater aus seinem bisherigen Leben. “Ich war nicht da, ich war nicht mehr. Ich war schon fortgerast hinauf mit einem grausamen Lichtstrahl, der mich aus den Schuhen nahm, hinauf in ein hohes atemloses ichloses Stockwerk. Es schrie mich weg vom Bett meines toten Fabius und hinauf ins Leere.” Er bricht zusammen und fleht vergeblich um “Unwirklichkeit”: “Die Oberfläche dieses Körpers war aufgelöst, verströmt ins Nirgendwo, von wo alles nun eindrang. Er krümmte sich, er winselte, er kroch zum Telefon und rief den Notarzt, was sagt er, er sagt: Mein Sohn ist tot.”

Tränen vorprogrammiert

Wer die ersten zwei, drei Dutzend Seiten von “Abschied ohne Ende” lesen kann, ohne Tränen in den Augen zu haben, ist aus Stein. So wie alles angesichts des Todes zur toten Materie, zur tonnenschweren Last wird. “Es waren Tage ohne Licht. Die Luft war keine Luft, es gab keinen Atem, der den gefrorenen Stein in mir in Bewegung bringen konnte.” Ein Freund und die schon lange vom Erzähler getrennt lebende Mutter des toten 17-Jährigen stehen dem Vater bei, doch sein Herz scheint buchstäblich gebrochen. Wieder wird der Notarzt alarmiert. Während die Ärzte versuchen, die lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörungen unter Kontrolle zu bringen, scheint die Aussicht auf ein baldiges Wiedersehen mit dem Sohn durchaus tröstlich. Auch hier schreibt Hermann, der am Donnerstag (27.9.) seinen 51. Geburtstag feiert, aus eigener Erfahrung. Auch hier weicht er mit größter Sensibilität und sprachlicher Klarheit allen Gefahren von Kitsch und Pathos aus.

Hoffnung auf Neuanfang

Begegnungen mit Schulfreunden und der Freundin des Sohnes geben dem Vater allmählich die Möglichkeit, Trauerarbeit zu leisten, zärtliche Fürsorge der Ex-Frau holt ihn ganz langsam aus dem tiefen, finsteren Schacht zurück. Und so findet der “Abschied ohne Ende” vorsichtig zur Hoffnung auf einen möglichen Neuanfang. Das Leben geht weiter. Selten hat ein Buch diese simple, banale Aussage so gekonnt mit schmerzlicher Wahrhaftigkeit belegt.



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