Rätselraten über Friedensnobelpreisträger 2012

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Nobelpreisverleihung 2009. Nobelpreisverleihung 2009. - © EPA
Vor der Bekanntgabe des diesjährigen Friedensnobelpreises am kommenden Freitag (12. Oktober) herrscht wie immer Hochspannung. Die begehrte Auszeichnung könnte diesmal an russische Regierungskritiker gehen, so die Spekulationen.

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Unter den Favoriten sind außerdem wie bereits im Vorjahr der frühere US-Präsident Bill Clinton, der deutsche Ex-Bundeskanzler Helmut Kohl und die EU. Nominiert - wenn auch wohl mit weniger Chancen auf Erfolg - sind Medienberichten zufolge auch die inhaftierte frühere ukrainische Regierungschefin Julia Timoschenko sowie Bradley Manning, der US-Soldat, der von Washington für die Weitergabe Hunderttausender Botschaftsdepeschen an die Enthüllungsplattform Wikileaks verantwortlich gemacht wird.

Bislang nur Spekulationen

Insgesamt gibt es 231 Nominierungen für den Friedensnobelpreis, 43 davon sind Organisationen. Das ist auch schon alles, was das Nobelkomitee in Oslo an Informationen preis gibt. Der Rest sind Spekulationen.

Amerikanischer Politikwissenschaftler Top-Favorit

Für den erfahrenen Friedensnobelpreis-Auguren Kristian Berg Harpviken vom Osloer Friedensforschungsinstitut PRIO gehört der amerikanische Politikwissenschaftler Gene Sharp zu den Top-Favoriten. Gene Sharp, dem vor wenigen Tagen bereits den alternativen Nobelpreis ("Right Livelihood Awards" - Preis für richtige Lebensführung) zugesprochen wurde, gilt als weltweit führender Experte für gewaltlose Revolutionen. Die Schriften des 84-jährigen US-Politikwissenschaftlers zu gewaltfreiem Protest wurden von sozialen Bewegungen auf der ganzen Welt angewandt.

Gute Chancen für russische regierungkritische Organisationen

Sehr gute Chancen auf den Friedensnobelpreis werden heuer allgemein zwei russischen regierungskritischen Organisationen zugesprochen. Svetlana Gannuschkina und die von ihr mitbegründete renommierte russische Menschenrechtsorganisation Memorial wurden bereits in den vergangenen Jahren mehrfach nominiert und als aussichtsreiche Anwärterin gehandelt. Memorial war 1988 als erste unabhängige Menschenrechtsorganisation der damaligen Sowjetunion gegründet worden und kämpft unter anderem für eine Rehabilitierung der Opfer des Stalinismus und die Lage der Menschenrechte im Kaukasus. Die renommierte Bürgerrechtsgruppe wurde bereits wiederholt mit internationalen Preisen ausgezeichnet. In Russland selbst steht sie immer wieder unter Druck und wehrt sich derzeit gegen ein Gesetz, wonach vom Ausland unterstützte Nichtregierungsorganisationen künftig als "Auslandsagenten" eingestuft werden. Auch Alexej Wenediktow, der Chefredakteur des bekannten kremlkritischen Radiosenders Echo Moskwy, findet sich auf der Shortlist Haprvikens. Es wäre das erste Mal, dass Medien den begehrten Friedensnobelpreis zugesprochen bekämen.

Nobelpreis nicht nur für Heilige

Möglich wäre auch, dass die Auszeichnung wie im Vorjahr erneut nach Afrika geht. Der nigerianische Erzbischof der Hauptstadt Abuja, John Onaiyekan, und der liberale muslimische Sultan von Sokoto im Norden Nigerias, Alhaji Muhammad Sa'ad Abubakar, könnten für ihren Einsatz für den interreligiösen Dialog in Nigeria geehrt werden.
Für gut denkbar hält Harpviken auch, dass die Auszeichnung der stets umstrittenen Friedens-Kategorie gar an Burmas Staatschef Thein Sein geht. Eine solche Entscheidung würde zweifelsohne zahlreiche Kontroversen auslösen, weil der Friedensprozess in Burma noch sehr fragil ist. Aber das Nobelpreiskomitee hat immer wieder betont, dass der Preis nicht nur etwas für Heilige sei. Auch frühere Entscheidungen wie etwas jene an US-Präsident Barack Obama zu Beginn seiner Amtszeit 2009, waren umstritten. Thein Sein, der als Regierungschef der Militärjunta einst das Böse verkörperte, ist im vergangenen Jahr zum Reformer geworden. Er söhnte sich mit den Rebellen fast aller ethnischen Minderheiten aus, ließ Hunderte politische Gefangene frei und demokratische Grundrechte und Wahlen zu. Medienangaben zufolge sind auch die kubanische Organisation Frauen in Weiß ("Las Damas de Blanco"), sowie der ebenfalls kubanischen Oppositionelle Oscar Elias Biscet nominiert.

Preisgeld wurde heuer gekürzt

Die Entscheidung des Nobelkomitees wird am Freitag bekanntgegeben. Verliehen wird der Preis am 10. Dezember in Oslo. Der Gewinner erhält ein Preisgeld von acht Millionen Schwedischen Kronen (rund 900.000 Euro), nachdem die Dotierung heuer um 20 Prozent gekürzt wurde. Bisher wurden auch zwei Österreicher geehrt, das ist allerdings mehr als hundert Jahre her: 1905 Bertha von Suttner und 1911 Alfred Hermann Fried.

(APA)

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