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Premiere für "Professor Bernhardi" in der Josefstadt

Josefstadt-Direktor Föttinger bringt Arthur Schnitzler auf die Bühne
Josefstadt-Direktor Föttinger bringt Arthur Schnitzler auf die Bühne ©APA
Arthur Schnitzlers "Professor Bernhardi", 1912 in Berlin uraufgeführt, durfte in Österreich bis zum Ende der Monarchie "wegen der tendentiösen und entstellenden Schilderung hierzuländischer öffentlicher Verhältnisse" nicht gezeigt werden. Umso aktueller wirkt es heute. Für Theater in der Josefstadt-Direktor Herbert Föttinger ist es "ein Lehrstück des Dirty Campaigning". Premiere ist am Donnerstag.

Tatsächlich ist es faszinierend, wie in dem Stück über Vorkommnisse in der Privatklinik Elisabethinum Politik und Standespolitik, Karrierestreben und persönliche Feindschaft ineinandergreifen, wie gut begründete Entscheidungen zum Ausgangspunkt von Intrigen, Verleumdungen und Rufmordkampagnen werden können. “Das Stück hat ja so viele Lesarten. Man kann es auf ganz unterschiedliche Weise erzählen: der Jude Bernhardi; der Arzt Bernhardi; der Gott Bernhardi. Mich interessiert aber ein Stück am meisten: ‘Der Direktor Bernhardi'”, sagt Föttinger im Gespräch mit der APA. “Es geht auch um die Selbstherrlichkeit, um die Hybris eines Direktors. Er glaubt, in seiner Position unverwundbar zu sein. Das kann ich sehr gut nachvollziehen.”

Zum Verhängnis wird Bernhardi, dass er einem katholischen Priester aus humanitären Gründen den Zutritt zu einer in finaler Euphorie befindlichen, doch dem Tod geweihten Patientin verweigert. Rasch wird daraus eine Religionsstörung konstruiert, die vor Gericht kommt. Da hilft es auch nichts, dass der zuständige Unterrichtsminister (gespielt von Bernhard Schir) ebenfalls Mediziner und ein Studienkollege Bernhardis ist.

Der an der Josefstadt viel beschäftigte Regisseur Janusz Kica, der vor einem Jahr Hugo von Hofmannsthal “Der Schwierige” und zu Saisonbeginn Ernst Lothars Roman “Der Engel mit der Posaune” auf die Bühne gebracht hat, inszeniert das personenreiche Stück mit dem kompletten Männerensemble von Florian Teichtmeister über Michael König und Christian Nickel bis zu Martin Zauner und Matthias Franz Stein. Auf zeitgemäße weibliche Einsprengsel wie 2011 am Burgtheater, wo Caroline Peters als Professorin Cyprian das ansonsten rein männliche Kollegium ergänzte, wird verzichtet. Möglich aber, dass Alma Hasun als Krankenschwester Ludmilla auch noch einen Touch von #MeToo in das Ränkespiel der Anzugträger und Götter in Weiß im nüchtern-modernen Büroambiente (Ausstattung: Karin Fritz) bringt.

Mit Interesse und mit Schrecken hat Föttinger in den vergangenen Jahren verfolgt, wie rasch andere, erfolgreiche Leiter von Kulturinstitutionen abmontiert wurden. “Du kannst wegen fünf Euro stolpern. Es reicht eine einzige ‘blede G’schicht’, eine Nachlässigkeit. In den zwölf Jahren meiner Direktion hab’ ich gelernt: Hast du Erfolg, mögen dich die Politiker. Da sind sie froh, dass du ihnen keine Probleme machst. Ihr Interesse an der Kunst hält sich in Grenzen.”

Seine eigene Maxime “Du darfst dich nicht in die Nähe der Politik begeben” hält der 56-Jährige, der seit 2006 das Theater in der Josefstadt leitet, freilich nicht immer durch. In der Werbekampagne zu Saisonbeginn produzierte man selbst satirische Fake News. Neben Schlagzeilen wie “Direktor verzweifelt: Jetzt lässt Merkel hier alle rein!” und “Unfassbar: Nordkoreas Diktator droht der Josefstadt mit einem Atomschlag wegen Eckplatz” fand sich auch die Meldung “Strache macht 1 Jahr Bildungskarenz”. Die Wiener FPÖ fand das gar nicht lustig, ortete “zweckwidrig verwendete Fördermittel” und protestierte dagegen, dass die Freiheit der Kunst missbraucht werde, “um unter dem Deckmantel der Kunst politisch zu agitieren, insbesondere um Stimmung gegen einen Politiker zu machen”.

Das politische Klima wird rauer. Föttinger reagiert auf seine Weise. Am 25. Jänner wird er mit “Fremdenzimmer” das neue Stück von Peter Turrini zur Uraufführung bringen: Ein 16-jähriger syrischer Flüchtling versteckt sich in der Wohnung eines Donaustädter Ehepaares. Im selben Bühnenbild wird er die Saison 2018/19 mit einer Dramatisierung des 1976 mit Oskar Werner verfilmten Buchs “Reise der Verdammten” durch Daniel Kehlmann eröffnen. Es geht um die Irrfahrt des deutschen Schiffs St. Louis, das im Mai 1939 mit 937 Juden an Bord von Hamburg aus Kuba ansteuerte. Nach der Reihe verweigerten die kubanische, die US-amerikanische und die kanadische Regierung die Aufnahme der Migranten, die wieder nach Europa zurück mussten. “Ein großartiger Stoff, mit dem sich die Brücke ins Heute wie von selbst schlagen lässt.”

(S E R V I C E – “Professor Bernhardi” von Arthur Schnitzler, Regie: Janusz Kica, Bühnenbild und Kostüme: Karin Fritz. Mit Herbert Föttinger – Bernhardi, Florian Teichtmeister – Ebenwald, André Pohl – Cyprian, Michael König – Pflugfelder, Christian Nickel – Filitz, Bernhard Schir – Minister Flint, Martin Zauner – Hofrat Winkler, Matthias Franz Stein – Pfarrer Reder, u.v.m.; Theater in der Josefstadt, Premiere: 16.11., 19.30 Uhr, Weitere Aufführungen: 17., 22.-24.11., 2., 3., 11., 12., 16., 17., 28., 29.12., Karten: 01 – 42700-300, josefstadt.org )

(APA)

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