2. März 2011 05:55; Akt.: 2.03.2011 05:55

PR-Experte spricht über den Fall des Bürgermeisters Berchtold

Roland Binz war auf Einladung des PR-Verbands Austria in Lustenau. Roland Binz war auf Einladung des PR-Verbands Austria in Lustenau.
von Gerold Riedmann (VOL.AT) - Lustenau (VN) -  Anhand hochaktueller Krisenfälle aus der Welt der Öffentlichkeitsarbeit illustrierte der Schweizer Krisen-PR-Experte Roland Binz auf Einladung des PR-Verbands Austria (PRVA) am Montag in Lustenau seine Sicht von richtiger Kommunikation. Das Hauptaugenmerk legte Binz auf die Causa Wilfried Berchtold.

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Nur wenige Tage vor dessen Prozess verfolgten neben Pressesprechern und PR-Beratern auch Journalisten und Berchtolds Anwalt Karl Rümmele den Vortrag mit Interesse.

„Ein großer Irrtum ist, dass stets geglaubt wird, man könnte solche Vorwürfe wieder aus der Welt schaffen“, erläuterte Binz und verwies im selben Atemzug auch auf den Fall des Wettermoderators Jörg Kachelmann und die Plagiatsvorwürfe gegen Karl Theodor zu Guttenberg. „So ein Fall wird nie mehr aus der Welt geschafft, damit muss man sich abfinden.“ Daran würde auch ein Freispruch im Zweifel für den Angeklagten nichts ändern, ist der Krisen-PR-Experte überzeugt: „Der Vorwurf bleibt aufrecht und im konkreten Fall wird das Bild des untreuen Ehemanns zementiert.“

Damit werde im öffentlichen Bild die Reputation nachhaltig geschädigt. Dabei die Medien ins Visier zu nehmen, greife zu kurz. „Mir fällt beim Studium der Berchtold-Berichte in den Medien - vor allem in den mir vorliegenden Artikeln der VN - auf, dass die Unschuldsvermutung stets stark betont wird - und die Medien sich fair verhalten“, so der Kommunikationsprofi, der lange als Konzernsprecher der Schweizerischen Bundesbahnen SBB tätig war und sich als Berater für Krisenkommunikation selbstständig gemacht hat.

Doch wie verhält man sich im Krisenfall richtig? Binz plädierte dafür, aktiv und rasch zu kommunizieren und nicht zuzuwarten, bis die Wellen über dem Betreffenden zusammenbrechen. „Aussitzen, vertuschen, herunterspielen, Schuldzuweisungen oder Gegenangriffe sind die falsche Taktik“, sagt Binz.

Wichtig sei, persönlich als Ansprechpartner Rede und Antwort zu stehen, kritisierte er beispielsweise die Verlesung einer Erklärung durch die Vizebürgermeisterin. Generell seien Selbstkritik, Transparenz und Einsicht angebracht, spielte Roland Binz auf den deutschen Ex-Verteidigungsminister zu Guttenberg an, der am Montagabend noch in Amt und Würden war. „An einem Rücktritt wird kein Weg vorbeiführen“, wagte Binz eine klare Prognose, die schon am nächsten Morgen von den Geschehnissen bestätigt wurde.

Zur Person

Roland Binz ist Berater für Krisenkommunikation, Rechtskommunikation, Winterthur twitter.com/RolandBinz.

Laufbahn: Konzernsprecher SBB AG, Bern (2001-2009), Information Officer Schweizer Friedenstruppen im Kosovo (2000), Freier Mitarbeiter und Redakteur „Der Bund“ (1993-2000)


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