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Plastikdeutsch & Herzilein

Ulrich Gabriel
Ulrich Gabriel
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Eine Vielzahl von „deutschen“ Fachsprachen halten durchschnittlich gebildete LeserInnen auf Abstand. „Hochdeutsch“ verdickt und formuliert sich ins etablierte Eck. Große Teile des Standarddeutsch, vom Volk als Hoch-Deutsch, Deutsch der Hohen, empfunden, bewegen sich mit dem Fremdwörter-, Soziologen- und Medienphilosophendeutsch ins elitäre Eck und grenzen den Volk zunehmend aus. Der Mundart hingegen, aus der sich die Standardsprache vor 400 Jahren geboren hat, wird von „soziobesorgten“ AltideologInnen vorgeworfen, sie wirke ausgrenzend. Es verhält sich genau umgekehrt.

Manche postmoderne SelbstverwirklicherInnen vergessen dabei, dass der Sinn einer Sprache nicht nur im Senden sondern auch im Empfangen besteht. „ JungdiskurslerInnen“ finden Gefallen an der Fremdwörterisierung ihrer Texte. Sie finden Gefallen an der Abschottung und senden ihre irgendwo aufgelesenen „Okkasionismen und Neologismen“ des „Neodeutschismus“ in Büchern mit Niedrigstauflagen, Zeitschriften oder in (a)sozialen Medien ins Volk, wo sie wegen Botschaften-Überfüllung immer weniger Empfänger finden. Kostproben: „Kapazitätsverordnung, Cluster-Strategien, Wissenschaftszeitvertrag, Netflixer, adressieren, netzwerken, Kopfkino, Kryptogeld, Chantalismus, Infotainment, Innovationstransfer, Anglizismenfanatik ….“. Es wird Einiges getan, um schlecht verstanden zu werden.

„Das Deutsch der Wissenschaftspolitik ist nicht besonders schön. Wie schützen Sie sich gegen dieses Plastikdeutsch?“ fragt DIE ZEIT u.a. den Germanisten Peter Strohschneider, Präsident der DFG (Deutsche Forschungsfördergorganisation): „Ich versuche kürzere Sätze zu bauen, ich spiele auch gerne mit Formen der uneigentlichen Rede. Dann wechsle ich in Sitzungen in den Dialekt, ich kann Schwäbisch, Sächsisch und Bayerisch. Wänn Sie des braucha. No schwätz i schwäbisch. Man kann mit Dialekt entspannen. Das erzeugt in schwierigen Situationen eine andere Kommunikationslage“. (DIE ZEIT, Nr. 18)

Die Verklausung der Intelligenz macht die verlorenen Empfänger zur Beute des Brutalokommerz. Wissenschaftliche Vertreibung des Volk vom Kopf zum Herz(ilein). Die Klugen verlieren sich im Fremdwörterdeutsch, die Profitgeier stürzen sich auf die verwaisten Empfänger zur profitablen Verblödung. Ein Beispiel liefert der ORF: Nicht „Bildung und gute Information“ sondern „Herz und gute Laune“ sind die neuen Ziele des “Ländläradio“. Siehe www.laendle-radio.at .Radio Flach mach! Der kürzliche Protest der IG Kultur brachte nicht mehr als die (musikalisch nett umrahmte) Rückverlegungsforderung der Kultursendung von 20 auf 18 Uhr, mehr nicht. Der Eindruck „Wasch mir den Pelz aber mach mit nicht nass“ schwang dabei mit. Was tut eigentlich Wallners Mann im ORF-Stiftungsrat?

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