Peschka will sich bei Bachmann-Preis “nichts erwarten”

Die Einladung zu den 41. Tagen der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt erfolgte hoch verdient. Für ihre Romane “Watschenmann” und “FanniPold” hat Karin Peschka viel Lob und einige Preise erhalten. Ihre Lesung wird jedoch zum Fiasko. Als sie beginnen soll, merkt sie, dass sie ihren Text vergessen hat – glücklicherweise nur in einem Angsttraum, der die Autorin kürzlich ereilte.

Sie habe sich natürlich sehr über die von Juror Stefan Gmünder ausgesprochene Einladung zum Bachmannpreis-Wettlesen gefreut, versichert die in Wien lebende Oberösterreicherin im APA-Interview. Über die Gefühle, mit denen sie Anfang Juli nach Kärnten fahren wird, sei sie sich aber noch nicht ganz im Klaren. “Ich versuche mir nichts zu erwarten. Ich habe auch Respekt vor der Situation.” Doch Furcht vor dem öffentlichen Beurteilt-Werden kennt sie ebenso wenig wie die klassische Autoren-Angst vor dem weißen Blatt, das mangels Inspiration leer bleibt. “Ich nehme die Dinge, wie sie kommen.” Was nach Fatalismus klingt, gründet sich auf einer Lebenserfahrung, die von Peschka so zusammengefasst wird: “Alles bei mir war nicht geplant.”

Als Wirtstochter in Eferding musste die 49-Jährige bereits früh im elterlichen Gastbetrieb mitarbeiten. Statt wie beabsichtigt möglichst bald der kleinstädtischen Enge zu entkommen und Theaterwissenschaft zu studieren, ging sie auf die Sozialakademie, wurde schwer krank und bekam früh ein Kind. Sie arbeitete als Sozialarbeiterin mit Alkoholkranken und arbeitslosen Jugendlichen. Nicht erst dort wurde sie mit jenen Geschichten konfrontiert, die, wie man so sagt, das Leben schreibt. Schon als Kind hörte sie bei Stammtischrunden Männer beim Schnapsen von ihren Kriegserfahrungen berichten oder lauschte den Geschichten aus dem Familienkreis. “Meine Oma hat viel erzählt, und auch mein Vater kann unheimlich gut erzählen.”

Der – auch in Peschkas Videoporträt für den Bachmann-Preis im Zentrum stehende – Gasthof “Roter Krebs” ist seit 1998 geschlossen, doch seit einem halben Jahr als “Eferdinger Gastzimmer” () für Seminare, Feiern und Veranstaltungen wieder geöffnet. Der ehemalige Chef steht dagegen mit seinen über 80 Jahren nicht mehr in der Wirtshausküche, sondern freut sich, unterstützt von seinen Kindern, als “ältester Food-Blogger Österreichs” () über Web-Zugriffe aus aller Welt.

Karin, die jüngste Tochter, die nicht nur umgeben von Gästen und Kochtöpfen, sondern auch mit vielen Büchern aufgewachsen ist, hatte “schon immer” den Wunsch, Autorin zu werden, konnte diesen Traum aber lange nicht verwirklichen. “Überall, wo ich war, bin ich mir fehl am Platz vorgekommen. Erst durch das Schreiben weiß ich, dass das alles einen Sinn gehabt hat. Erst jetzt bin ich in einer Lebensphase, in der ich mich nicht fremd fühle.”

Fünf Jahre lang schrieb sie Texte für eine literarische Alltagskolumne von Ö1. “Das war eine großartige Schule.” Ihr im Wien des Jahres 1954 angesiedelter Debütroman “Watschenmann” (2015) wurde mit dem Wartholz, dem Floriana und dem ALPHA Literaturpreis ausgezeichnet. Ihre dort bewiesene Fähigkeit, mittels Sprache eine dichte Atmosphäre entstehen zu lassen und vielschichtige Figuren zu zeichnen, führte sie in der höchst ungewöhnlichen Zweier-Geschichte “FanniPold” (2016) meisterlich fort. Im August folgt nun ein Erzählband, aus dem sie in Klagenfurt lesen wird. “Ich mag dieses Format. Man muss bei einer kurzen Geschichte sehr präzise sein”, sagt Karin Peschka.

“Autolyse Wien – Erzählungen vom Ende” heißt die Sammlung von 30 bis 40 mehr oder weniger kurzen Texten, mit der sie am 27. Juli auch einen Auftritt bei den O-Tönen im Wiener Museumsquartier absolvieren wird. Autolyse ist die wissenschaftliche Bezeichnung für die Selbstauflösung abgestorbener Körperzellen und lässt kein allzu erfreuliches Szenario erwarten. “Alle Geschichten spielen in einem zerstörten Wien. Ich sage aber nicht, was passiert ist. Ich finde, das ist egal. Mir geht es darum zu zeigen, wie wir reagieren, wenn etwas passiert.”

Egal, was in Klagenfurt “passieren” wird, als Autorin habe sie bereits erreicht, wovon sie andere nur träumten, gesteht Karin Peschka “in aller Demut”: “Dass ich vom Schreiben leben kann, empfinde ich als Privileg, denn ich kenne viele, die sehr gut schreiben und nicht davon leben können.”

(APA)

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