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Ovationen für "Under Siege" von Yang Liping in St. Pölten

Mit "Under Siege" hat die chinesische Starchoreografin Yang Liping den bemerkenswerten Versuch unternommen, chinesische Tradition und zeitgenössische Ausdrucksmittel zu einer humanitären Message zu verknüpfen. Im Festspielhaus St. Pölten ist die Aufführung als Premiere im deutschsprachigen Raum am Sonntagabend mit Standing Ovations bejubelt worden. 

Vieles mag den Zusehern an diesem Abend sehr exotisch vorgekommen sein, vieles fremd und unverständlich, und doch folgte man gespannt den Geschehnissen auf der Bühne, die von einer sagenumwobenen Schlacht erzählen, aus der vor zwei Jahrtausenden die Han-Dynastie siegreich hervorgegangen ist. Wesentlichen Anteil an dieser Spannung hat zweifellos die ans Akrobatische reichende, dramaturgisch ausgeklügelte Choreografie mit den effektvollen Kampfszenen, die zwischendurch ein wenig an Kung-Fu-Filme erinnern, aber ebenso die in farbige Opulenz getauchte Ausstattung des Oscar-Preisträgers Tim Yip (“Tiger and Dragons”), dessen Bühnenbild von originellen Scherengehängen und professionellem Lichtdesign dominiert wird. 

Scheren spielen überhaupt eine bedeutsame Rolle. So sitzt schon vor Beginn der Vorstellung und bis zum Schluss verweilend eine Scherenschnitt-Künstlerin am Bühnenrand und verfertigt unentwegt ihre Arbeiten. Manchmal hält sie Schriftzeichen ins Publikum wie Kapitelüberschriften. Was sich auf der Bühne hinter ihr zuträgt, schert sie ansonsten offenbar nicht. 

Die mit ihren 59 Jahren immer noch mädchenhaft wirkende Yang Liping war selbst bei der Aufführung zugegen und erläuterte im Einführungsgespräch ihre Intentionen. Unterschiedliche Elemente der chinesischen Kunst wie Peking-Oper und Bildhauerei, aber auch Vorbilder wie Pina Bausch fließen ein. “Ich wünsche mir, dass die Botschaft von der Grausamkeit des Krieges und von der Sinnlosigkeit der Machtkämpfe zwischen Individuen, denen Tausende zum Opfer fallen, das Publikum erreicht”, so die Choreografin. Ein schöner Anspruch, der jedoch durch die kunstvolle Ästhetisierung von Gewalt, Kampf und Krieg zu einer effektvollen Martial-Arts-Bühnenshow sich selbst nicht unwesentlich infrage zu stellen scheint. 

(APA)

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