Organspende-Debatte: Nieren- und Dialysepatienten melden sich zu Wort

Von Markus Sturn (VOL.AT)
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Entnommene Niere Entnommene Niere - © dpa-Zentralbild/Jan-Peter Kasper
Rankweil – Wie sehen Betroffene die Debatte um Organspenden, die Deutschland seit Tagen beschäftigt? VOL.AT traf drei Vorarlberger Nieren- und Dialysepatienten zum Gespräch.

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Erich Längle zeigt sich erleichtert, dass die deutsche Debatte bisher nicht nach Österreich übergeschwappt ist: „Gottseidank ist die Resonanz in Österreich relativ gering“. Der 69-Jährige ist Präsident der Arbeitsgemeinschaft Niere Österreich und Obmann der Interessengemeinschaft der Dialysepatienten und Nierentransplantierten Vorarlbergs. Einen Skandal wie in Deutschland kann sich der ehemalige technische Leiter nicht vorstellen. Zu verschieden sei das österreichische Zuteilsystem vom deutschen System. So werden hierzulande viel mehr Personen in die Entscheidung eingebunden, wer das Spenderorgan erhalten soll. 

„Ich würde aus allen Wolken fallen“

Lothar Lins und Elmar Giselbrecht sehen das ähnlich. „Die Vorkommnisse in Deutschland lassen sich nicht ohne weiteres auf Österreich übertragen“, mein Lins. Der heute 73-Jährige lebt seit 12 Jahren mit einer Spenderniere. Viereinhalb Jahre musste er auf eine neue Niere warten, seither gehe es ihm „tadellos, abgesehen von kleineren Problemen“. Das kann Giselbrecht nicht von sich behaupten. Drei Abstoßungen hat der Ex-Beamte schon hinter sich, Hoffnungen auf eine neue Niere macht er sich keine mehr. Jeden Tag muss sich der 73-Jährige einer nächtlichen Blutreinigung unterziehen. Vertrauen in die Ärzte hat er nach wie vor. Sollte in Österreich etwas wie in Deutschland passieren, dann würde er „aus allen Wolken fallen“.

Information und Gespräche in der Familie wichtig

Was sich alle drei Herren wünschen würden, ist eine positive Auseinandersetzung mit dem Thema Organspende. Wichtig sei, zu vermitteln, worin der konkrete Wert der Organspende bestehe, meint Längle. Er selbst hat 2001 eine neue Niere erhalten und kann seither „fast alles“ machen, was er will.  Auch Lother Lins hält eine breitere Diskussion für notwendig. Eigentlich sollte in jeder Familie offen über Organspende gesprochen werden, damit jede und jeder weiß, was im Ernstfall zu tun ist. Ein nicht ganz leichtes Unterfangen, wie Längle betont. Gerade gesunde Menschen versuchen, das Thema so lange wie möglich zu meiden. Deswegen besucht er Schulen im ganzen Land, um mit Jugendlichen über seine Erfahrungen zu sprechen.

Längle kennt nicht nur die eine Seite: Noch bevor er selbst Empfänger einer Spenderniere wurde, ist sein Sohn bei einem Verkehrsunfall tödlich verunglückt. Gemeinsam mit der Schwiegertochter und seiner Frau hat er sich für eine Organspende entschieden.

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