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Olga Neuwirths “American Lulu” wird 2013 in Bregenz gezeigt

euinszenierung von John Fulljames auf Werkstattbühne euinszenierung von John Fulljames auf Werkstattbühne - © Bregenzer Festspiele
Bregenz – Nach der Premiere am Sonntagabend in der Komischen Oper Berlin wird Olga Neuwirths neuestes Werk “American Lulu” im kommenden Jahr auch in der österreichischen Heimat der Komponistin zu sehen sein.

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Die Bregenzer Festspiele planen für 2013 eine eigene Inszenierung durch Regisseur John Fulljames für die Werkstattbühne, bestätigte Sprecher Axel Renner der APA einen Bericht der “Vorarlberger Nachrichten” (Dienstagsausgabe). Die Inszenierung werde in Kooperation mit der Londoner Opera Group erarbeitet. Laut “Kurier” soll “American Lulu” 2014 auch am Theater an der Wien zu sehen sein. Hierfür war vom Haus auf APA-Anfrage noch keine Bestätigung zu erhalten. Man werde aber jedenfalls nicht die Bregenzer Inszenierung übernehmen, unterstrich eine Sprecherin.

In Berlin erntete Neuwirth jedenfalls gemischte Reaktionen: Während die Musik, die Inszenierung und die Stimmen großteils gut ankamen und “frische Farbigkeit” in die Partitur Alban Bergs brachten, wurde der Kontext des amerikanischen Kampfs um Bürgerrechte überwiegend als zu “konstruiert” empfunden.

Neuer dritter Akt hinzugefügt

Für “American Lulu” adaptierte Neuwirth die unvollständige Oper”Lulu” von Alban Berg, fügte einen völlig neuen dritten Akt hinzu und transferierte das Geschehen in das von Bürgerrechtsbewegung und Rassismus geschwängerte Klima der Südstaaten in den 1950er-Jahre. Für ihre neue, amerikanische “Lulu” erntete Neuwirth durchaus positive Kritiken. In der “Neuen Zürcher Zeitung” feierte das Publikum die Komponistin zu Recht begeistert, auch wenn der dritte Akt gegen die beiden ersten ein wenig abfalle. Die Neuschöpfung bringe eine “frische Farbigkeit” in die Partitur, das Orchester sei in Richtung Jazzkapelle akzentuiert.

Die “Süddeutsche Zeitung” sieht die Handlung “nahezu unberührt”, dafür das “Klangtableau erneuert”. Der Wunsch, die Konflikte Lulus in die Gegenwart zu holen, sei zwar nachvollziehbar, aber die Einfügungen am Ende dramaturgisch zusehends aufgesetzt. “Neuwirth hat politisch wie ästhetisch allzu weit ausgegriffen.” Der dritte Akt zeige das Anliegen Neuwirths, das Frauenbild in “Lulu” zu korrigieren deutlich, auch wenn er am Ende etwas lang werde. Im “Deutschlandfunk” heißt es, Neuwirth dampfe das Stück ein, statt es wie frühere Bearbeitungen aufzublähen – “das Ergebnis darf man als über weite Strecken gelungen nennen.”

“Wohlfeile ästhetische Adaption”

Der österreichische “Standard” attestiert dem neuen dritten Akt dagegen durchaus “atmosphärische Dichte”, wenn sich auch der Text zu sehr in der Streiterei zwischen Lulu und der Bluessängerin Eleanor, die an die Stelle der Gräfin Geschwitz tritt, verzettle. Vorsichtig sei Neuwirth bei ihrem Ergänzungsversuch nicht umgegangen, dabei sei vor allem die “wohlfeile ästhetische Adaption” gelungen. Auch anderen Kritikern gefiel das schwarz-weiße Bühnenbild und die Inszenierung des russischen Regisseurs und Filmemachers Kirill Serebrennikov.

Der “Kurier” hörte “mehr als nur wohlwollenden Beifall”, Neuwirths Umgang mit dem Material Bergs sei “heftig, aber einfühlsam”. Die Spannung zwischen Handlung und Musik halte bis zum Schluss an. Hauptsächlich positiv fiel der Tenor zur Besetzung der “American Lulu” aus: Vor allem Marisol Montalvo als “Lulu” und Della Miles als “Eleanor” konnten überzeugen.

“Denkbar zahm, ja zahnlos”

Weniger begeistert zeigte sich “Die Welt” aus Berlin. Die Komponistin gehe mit der Vorlage “denkbar zahm, ja zahnlos” um, die Figuren ließen aufgrund von fehlender Zeit für Emotion und Atmosphäre völlig kalt. Damit und dem “spießigen Schluss” habe sie die Chance einer feministischen Neudeutung der Lulu verpasst. Auch “der spezifische Neuwirth-Ton mag sich so nicht einstellen.” Der “Tagesspiegel” fasst “American Lulu” folgendermaßen zusammen: In der Frauenthematik sei Neuwirths Schöpfung “so etwas wie eine Neudefinition”, in der Rassismusthematik sei es mit den Einblendungen des Bürgerrechtlers Martin Luther King jedoch “überkonstruiert”.

Klänge von Olga Neuwirth werden in Österreich das nächste Mal am 22. Oktober im Zuge der Eröffnung des Festivals für Musik der Gegenwart “Wien Modern” zu hören sein. “Wien Modern” widmet der Komponistin dieses Jahr einen Schwerpunkt. Der Eröffnung mit “Kloing!” und “Hommage a Klaus Nomi” folgen unter anderem “Olga Neuwirth: Music for Films” im Wiener Konzerthaus sowie “Construction in Space” im Odeon.

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