Anhaltender Trend im Ländle: Robi machts

Von Gemeindereporter Bandi Koeck
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Die Einrichtung eines Rasenroboters, vom Verlegen der Führungskabel bis zur Programmierung, ist recht aufwendig.
Die Einrichtung eines Rasenroboters, vom Verlegen der Führungskabel bis zur Programmierung, ist recht aufwendig. - © B. Koeck
Nüziders. (BK) In immer mehr Gärten in Vorarlberg steht ein Rasenmähroboter und verrichtet dort Dinge, welche noch vor Jahren für unmöglich gehalten wurden und den Besitzern ein hohes Maß an Freizeit bescheren.

Die Problematik ist bekannt: Nach einem stressigen Arbeitstag trübt das hohe Gras im eigenen Garten die Aussicht auf einen unbeschwerten Feierabend. Der Partner erinnert erneut, dass längst schon gemäht hätte werden sollen, doch die Wetteraussichten stehen auf Regen und das Gesetz verbietet Lärm zu solch fortgeschrittener Stunde. Und wohin mit all dem Rasenschnitt nach getaner Arbeit, wenn der Bauhof zu hat? Und auch keines der Kinder lässt sich zum Ausscheren der Bäume motivieren. Abhilfe für derartige Sorgen schaffen Mähroboter, welche seit geraumer Zeit im ganzen Land boomen.

Für Gerold Vonblon aus Nüziders, der seit über zwanzig Jahren mit Mährobotern zu tun hat, ist dieser Trend leicht nachvollziehbar: „Vorarlberg hat die größte Rasenroboterdichte in Österreich und zusammen mit der Schweiz die größte in ganz Europa“ weiß der erfahrene Husqvarna-Händler, der seit 30 Jahren im Familienbetrieb mitarbeitet. „Vorarlberger sind moderne, technisch affine Menschen, die in ihrer Freizeit gerne Dinge machen, die ihnen Spaß bereiten.“ Rasenmähen gehöre ganz sicher nicht dazu, auch wenn so mancher einen schönen, gepflegten Rasen favorisiere, aber selber Rasenmähen wäre für viele eine richtige Qual. Sein Mitarbeiter fügt hinzu, dass durch diesen Trend eine neue Klientel entstanden wäre: „Seit wir Mähroboter verkaufen, haben wir sehr viele zufriedene Kunden, die ihren Robotern Namen wie ‚Henry’ oder ‚Fiffy’ geben, auf ihr Gehäuse ein Gesicht mit Tischtennisballaugen machen und sie wie ein Familienmitglied behandeln.

 

Die Rasenroboter der neuesten Generation schaffen sogar spielend eine Steigung von 45 Prozent, was sie gerade auch für Hanggrundstücke attraktiv machen. Birgit und Daniel Bertsch aus Frastanz haben vor zwei Jahren einen Rasenroboter angeschafft, da ihre große, ebene Fläche prädestiniert wäre und dadurch eine enorme Zeitersparnis erfolgen würde. „Uns gefällt es, gemeinsam unserem Robi beim Arbeiten zuzuschauen ohne selber arbeiten zu müssen“ sagen sie unisono.

Auch Miro Bodracic hat seit über vier Jahren einen Mähroboter: „Das war eine der besten Entscheidungen meines Lebens und ich würde es jederzeit wieder machen“ sagt er mit einem breiten Grinsen an seinem Arbeitsplatz, während sein Husqvarna zuhause das Gras mäht. „Zuvor hat mich meine Frau immer gestresst, wenn ich nach Hause kam, heute ist das kein Thema mehr und ich habe mehr Zeit für meine Leidenschaft Fußball.“

Kernthema Kundenservice „Die Nähe zu unseren Kunden und die Nachhaltigkeit wird bei uns groß geschrieben“ erklärt Gerold Vonblon in Anspielung auf das Thema Kundenservice und erklärt, dass sehr viele Automower/Rasenroboter seit mehr als 10 Jahren in Betrieb sind, die Lebensdauer jedoch stark nach Handling und Fläche variiere. In Nüziders haben sie alle Ersatzteile lagernd. Kann das Gerät nicht binnen einer Woche repariert werden, wird ein Leihgerät zur Verfügung gestellt. Ein Roboter ohne Service funktioniert nicht.“ Zum Service zählt er die Vor-Ort-Begutachtung zusammen mit dem Kunden, die Empfehlung des richtigen Geräts, die Verlegung und Programmierung und Wartung. Vonblon und sein Automower Team haben allein in Vorarlberg über 3.500 Mähroboter in den letzten Jahren verkauft. Auf Nachfrage bei zwei anderen Händlern aus dem Walgau, welche aufgrund hoher Arbeitsauslastung nicht namentlich genannt werden wollten, sieht es in Punkto Service gleich aus.

Auch sie betonen, dass ein Rasenroboter ohne Fachhandel mit Kundendienst nur die halbe Miete wäre und in der Regel nicht funktioniere. Kabelverlegungsmaschine entwickelt Vonblon ist stolz darauf, dass sie als nachhaltiger Fachhandel auch die Kabel selbst verlegen. „Vor vier Jahren haben wir gemeinsam mit unserem kanadischen Partner Portable Winch eine Kabelverlegungsmaschine entwickelt, welche das Kabel von Rasenroboter markenungebunden verlegt“ so der Experte, der Vertriebspartner von ganz Europa ist und bereits mehr als 2.000 solcher Geräte verkauft hat.

„Die ersten Mäher habe ich noch mühsam mit der Motorsäge von Hand verlegt“ lacht Vonblon und freut sich über diese hohe Zeitersparnis. Neben dem Ländle Robotertrend würde diese Großhandelsnische auch ständig wachsen. Bei Vonblon werden auch gebrauchte Mower angeboten mit Gewährleistung für die gesamte Mähsaison. Zu den vielen Privaten würden die Roboter laut Händler vermehrt bei Großflächenkunden wie in Industriegeländen, Schwimmbädern, auf Friedhöfen oder auch bei Elektrizitätsumspannwerken Verwendung finden. Aufgrund der milden Winter verlängert sich auch die Saison für die Roboter drastisch. (K)ein Thema für Umweltschutz Doch bei all der Euphorie um diesen Trend gibt es auch einige kritische Stimmen im Ländle.

Auf Nachfrage bei Dr. Erik Schmid, Tierschutzbeauftragter im Landhaus, sieht dieser einen massiven Eingriff und steht dem ganzen kritisch gegenüber: „Die spanische Wegschnecke tut mir weniger leid als die Weinbergschnecke oder die Blindschleiche.“ Bienen sieht er weniger in Gefahr, da durch das ständige Mähen der Klee erst gar nicht mehr zum Blühen käme, es sich aber um einen toten Rasen handle. „Ich habe den Eindruck, dass alles, was den Kopf über 2 cm rausstreckt permanent abgesäbelt wird.“

Laut Gerold Vonblon, der aufgrund des Trends 2014 eine Filiale im Unterland und 2017 in Lustenau eröffnete, besteht für Igel überhaupt keine Gefährdung durch Automower, weil diese ihre Messer einklappen und der Mäher sofort stoppt, wenn dieser durch ein Hindernis angehoben wird. Billigere Modelle haben diese Sicherheitsvorkehrungen nicht. Maximilian Albrecht von der Abteilung Umwelt- und Klimaschutz fürs Land Vorarlberg besteht bei Rasen die höchstmögliche Kunstform der Vegetation. „Für mich spielt es keine Rolle ob Motormäher oder Roboter, das macht keinen Unterschied“ so der Experte, der Rasenflächen weit von einer Biodiversität sieht und sie als im höchsten Maße eintönig und ohne jegliche Vielfalt sieht.

Die meisten Wiesen im Rheintal würden von Landwirten fünf bis sechs Mal gemäht und dazwischen mit Gülle gedüngt werden – einzig der Wiesenlöwenzahn bilde eine Ausnahme und biete ein wenig Blühaspekt. „Ein Roboter ist für mich der letzte Grad der Störung.“

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