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Norwegen gedenkt Opfer des 22. Juli

Stoltenberg: Böses und tragisches Geschehen "Teil unserer Identität geworden". Stoltenberg: Böses und tragisches Geschehen "Teil unserer Identität geworden". - © EPA
Mit Gottesdiensten im ganzen Land, Kranzniederlegungen und einem Konzert gedenkt Norwegen am Sonntag (22. Juli) dem 1. Jahrestag der Anschläge von Oslo.

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Die Gedenkveranstaltungen beginnen mit einem Besuch von Überlebenden und Angehörigen von Opfern auf der Insel Utöya. Sie haben auch später während des Tages die Möglichkeit, auf die Insel zu fahren, um ihrer dort getöteten Freunde und Verwandten zu gedenken.

Norwegische Musiker geben Konzert

Der Jahrestag klingt am Abend mit einem Konzert mit zahlreichen norwegischen Musikern, darunter die Sami-Sängerin Mari Boine und die Rap-Band Karpe Diem, auf dem Rathausplatz aus. In den Medien wurde zudem über einen Auftritt von Bruce Springsteen spekuliert, der am Vorabend ein Konzert in Oslo hat.

Breivik tötete 77 Menschen

Am 22. Juli 2011 hatte der Rechtsterrorist Anders Behring Breivik im Osloer Regierungsviertel mit einer Autobombe acht Menschen getötet und anschließend in einem Jugendlager der sozialdemokratischen Jugendorganisation AUF auf der Insel Utöya 69 Menschen, vorwiegend Jugendliche, erschossen. Am Sonntag, ein Jahr nach dem Massenmord, organisiert die AUF erneut Gedenkveranstaltungen auf der Insel. Wie in den Tagen nach dem Angriff wolle die Organisation zeigen, dass “wir uns nicht durch Einschüchterung mundtot machen lassen. Und Utöya holen wir uns zurück”, sagte AUF-Vorsitzender Eskil Pedersen.

Für den norwegischen Ministerpräsidenten Jens Stoltenberg war der Anschlag vor einem Jahr “die schlimmste Katastrophe, die das Land seit dem Zweiten Weltkrieg erlebt hat”. Den Terroranschlag empfanden die Norweger weithin als mehr als einen Angriff auf die sozialdemokratische Nachwuchsorganisation; vielmehr als einen gegen die gesamte Gesellschaft des skandinavischen Landes.

Angriff, den das Land nicht vergisst

Ein Angriff, den das Land nicht vergessen werde, sagte Stoltenberg kürzlich der schwedischen Nachrichtenagentur TT. “Keine Nation und kein Volk kann ein derart böses und tragisches Geschehen, wie wir es am 22. Juli erlebten, ohne Veränderung durchmachen. Es ist bereits ein Teil unserer Identität geworden.” Der Anschlag habe jedoch auch das Gemeinschaftsgefühl gestärkt und die Bereitschaft gefördert, sich politisch zu engagieren.

Gemeinschaftsgefühl gestärkt

Erste Zahlen scheinen dies zu belegen. Die AUF, aber auch Hilfsorganisationen wie das Norwegische Rote Kreuz und die Nationale Volkshilfe, verzeichneten einen kräftigen Mitgliederzuwachs. Aber es gibt auch Zweifel am neu entstandenen Gemeinschaftsgefühl. Der Feuerwerkskörper-Angriff auf ein Romalager in der Nähe von Oslo am Wochenende und die seit über einer Woche geführte, hitzige Debatte um den Aufenthalt von rund 200 osteuropäischen Roma in der Hauptstadt haben einige Kommentatoren daran erinnert, dass es auch in Norwegen in puncto Gemeinschaftsgefühl Grenzen gibt. Rechtspopulisten-Chefin Siv Jensen, die sich vor einem Jahr unter dem Schock der Anschläge für ihre frühere Rhetorik gegen Ausländer und Muslime entschuldigt hatte, reagierte in der Roma-Debatten klassisch rechtspopulistisch und forderte die Ausweisung der Roma.

Breivik-Urteil soll am 24. August fallen

Ende Juni wurden im Mammutprozess gegen Breivik nach 43 Verhandlungstagen die Schlussplädoyers gehalten. Die Opfer und Angehörigen des Anschlags warten nun auf die Urteilsverkündung, die für den 24. August geplant ist. Der enorme Druck in den vergangenen Monaten habe einen normalen Trauerprozess verhindert, glaubt Trond Henry Blattmann vom Unterstützungskomitee für die Überlebenden und Hinterbliebenen. “Die Trauerarbeit ist nur aufgeschoben. Sie beginnt, wenn die Scheinwerfer ausgehen und es ruhiger wird”, sagte er in einem Interview.

(APA)

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