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Nicht jeder ist gleich dement

Nicht jeder ist gleich dement
Wichtig bei Verdacht auf Demenz ist eine möglichst genaue Abklärung.

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Albert Lingg, Leiter der Psychiatrie II im LKH Rankweil, verhehlte dem Publikum sympathischerweise auch seine eigenen Unzulänglichkeiten nicht. Zweimal, erzählte Lingg, habe er an diesem Morgen zurück ins Haus müssen, um vergessene Sachen zu holen. „Und du willst einen Vortrag über Demenz halten”, scherzte daraufhin seine Frau. Womit er aber schon beim Thema war. „Nur hin und wieder etwas verlegen oder vergessen ist noch keine Demenz”, stellte Lingg klar. Erst, wenn die Bewältigung des Alltags deutlich erschwert wird und die Dauer der Störungen über sechs Monate hinausgeht, muss an mehr als nur eine Alterserscheinung gedacht und eine Abklärung veranlasst werden.

Gespräch mit Angehörigen

Das Wesentlichste in diesem Zusammenhang ist laut Lingg das Gespräch mit den Angehörigen. Betroffene selbst würden ihre Probleme nämlich eher herunterspielen. Die persönliche Anamnese, eine psychologische Testung und die Untersuchung des Gehirns mittels bildgebender Verfahren erlauben eine sehr sichere Diagnose. Eine hausärztliche bzw. internistische Abklärung ist wichtig, um andere, die Hirnfunktion beeinträchtigende Krankheiten bzw. Einflüsse auszuschließen. „Entzündungen oder eine Blutung, die aufs Hirn drückt, können sich ebenso negativ auf das Gedächtnis auswirken wie Medikamente”, zählte der Psychologe auf. Selbst eine Depression kann eine Pseudo-Demenz verursachen. Und: Es gibt Demenzen, die heilbar sind. Das alles sei zu berücksichtigen.

Die häufigste und bekannteste Form der Demenz ist die Alzheimerkrankheit. Dabei häufen sich in jenem Hirnareal, in dem unser lexikalisches Gedächtnis sitzt, zu viele Eiweißkörper an, die in der Folge die Hirnfunktion zerstören. Einzig das Altgedächtnis funktioniert, sofern der Betroffene in seiner ursprünglichen Umgebung bleiben kann. Auch Gefäßverkalkungen können Demenz begünstigen.

Bewegung als Prävention

Die Medizin unterscheidet bei der Demenz drei Stadien: Es beginnt mit Vergesslichkeit, geht über in Verhaltensauffälligkeiten und endet in der absoluten Pflegebedürftigkeit. „Das kann schnell oder langsam gehen”, so Albert Lingg. Doch je früher eine Demenz auftritt, umso heftiger verläuft sie, was vor allem bei erblich bedingten Demenzen der Fall ist. Der größte Risikofaktor für eine Demenz stellt zwar das Alter dar. Aber auch mangelnde geistige und körperliche Aktivität gelten als Ursache. „Es ist nie zu spät, mit Bewegung anzufangen”, legte der Arzt den Mini-Med-Besuchern ans Herz. Das ist eine Möglichkeit der Prävention. Eine andere besteht darin, Vorschädigungen des Gehirns zu verhindern. Nur müsse das schon in jungen Jahren geschehen. Ebenso sollte alles vermieden werden, was die Gefäße belastet, wie Rauchen, Bluthochdruck oder ein schlecht eingestellter Diabetes.

Auch Humor hilft

Von beworbenen Pulvern und Säften rät Albert Lingg ab. Bei keinem dieser Mittel sei der Nachweis einer Wirksamkeit erbracht. „Dieses Geld könnte man besser investieren”, meinte er. Etwa in dementengerechte Heime, an denen es überall noch fehlt. „Wie wir alt werden, können wir uns nicht aussuchen. Aber man sollte jemanden haben, der lieb zu einem ist. Deshalb räumen Sie Konflikte frühzeitig aus”, lautet der abschließende Ratschlag des Psychiaters. Auch Humor helfe über vieles hinweg.

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