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10. März 2010 10:29;  Akt: 10.03.2010 10:30

Latein in aller Öffentlichkeit

Latein in aller Öffentlichkeit Reinhard Peter - ©Matt
von Thomas Matt - Bregenz – Ein Bregenzer Lateinlehrer verpasst seinem Fach moderne Manschetten.  4 Kommentare
Was ist das für ein verrückter Lehrer, der seine Schülerinnen während der Schularbeit per Handy Telefonjoker um Rat fragen lässt? Der mit einer großen Glocke aus Erz feierlich die Prüfung einläutet, dann aber begütigend durch die Reihen schreitet und da und dort hilfreich zur Seite steht? Der das japanische Fernsehen nach Bregenz bringt und von einem „examen publicum“ in der Sixtinischen Kapelle träumt? Was ist das für einer? Ein gemütlich dreinschauender Mitfünfziger, den man in den Straßen einer fremden Stadt gut und gerne um ein empfehlenswertes Speiselokal um Rat bitten würde. Dem bei genauer Betrachtung freilich ein ungeheurer Schalk in den Augenwinkeln sitzt. Und wie es bei wirklich gediegenem Humor der Fall ist, geht er einher mit Klugheit und Belesenheit. So einer ist das.

Ursprünglich Gesang als Ziel

Dabei wollte der gebürtige Hohenemser Reinhard Peter, der heute mit Familie in Altach lebt, gar nicht Lateinlehrer werden. Gewiss, er war ein guter Schüler. „Aber weil ich Angst hatte.“ Schon damals dachte er insgeheim, während er Vokabeln büffelte – „puer“ hin, „puella“ her – „das kann man doch ganz anders machen“. Und doch wollte er eigentlich erst Sänger werden. Trat zur Aufnahmeprüfung im Salzburger Mozarteum an. Und ist „mit Pauken und Trompeten durchgerasselt“. Also doch Latein. Aber eben anders. Bei Peter gibt es wenig Frontalunterricht. Die Schülerinnen müssen selber arbeiten. Er lockert den Unterricht mit Präsentationen auf. Oder mit seinem Hobby, lateinischen Zitaten. Gleich hat er eines parat: „Minima non curat praetor“, was so viel heißt wie: Um Kleinigkeiten kümmert sich der Chef nicht. Der Prätor war einer der höheren Beamten der römischen Verwaltung und hatte auch richterliche Aufgaben wahrzunehmen. Im heutigen Rechtsgebrauch bedeutet das, dass sich das Gericht nicht um Kleinigkeiten kümmert. Das ist auch Peters Lebensmotto. Die großen Zusammenhänge im Auge behalten. Der Rest findet sich schon.

Beliebter Professor

Der gewieften Lateinschülerin aber sagt das, dass da einer nicht Vokabeln und Grammatik auf Punkt und Komma wissen will, und das zaubert das reizendste Lächeln in die Gesichter seiner Riedenburgerinnen. Das Bregenzer Privatgymnasium, das seit Jahren einen kontinuierlichen Aufschwung nimmt, wird ja nun dank Reinhard Peter auch im japanischen Fernsehen bekannt. Kyodo- TV wird die öffentliche Lateinschularbeit, in deren Verlauf 26 Schülerinnen der 5. und 7. Klasse Telefonjoker zurate zogen, am 26. März vor Millionenpublikum ausstrahlen. Am 14. April wiederholt sich das öffentliche Examen im Musensaal der Wiener Albertina. Und dann ist Schluss? Da verklärt sich das Antlitz des Magisters, denn ein Examen hat er noch in Planung. In Rom, im Vatikan, in der Sixtinischen Kapelle würde er seine Schülerinnen gerne einer öffentlichen Lateinschularbeit unterziehen. „Papst Benedikt XVI. ist ja ein großer Lateiner“, sagt Peter. Und so verrückt die Idee scheinen mag, wenn’s einer hinkriegt, dann Reinhard Peter vom Sacre Coeur Riedenburg in Bregenz. Da möchte man dann Kirchenmaus sein, wenn die Füllfedern im Angesicht von Michelangelos Jüngstem Gericht über die Prüfungsseiten sausen. Fehlt nur noch der Papst als Telefonjoker.



 
 
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Es gibt 4 Beiträge zu diesem Thema
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bei uns...
bei uns gab bze gibt es immer noch diese hässlichen gelben Trennwände die auf beiden seiten voll geschmiert sind ^^

aber es gibt immer die Möglichkeit zu spicken, man muss sich nur schlau genug verhalten ;)
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Meinst du das Handy-System ?
Da hatte doch letztes Jahr im BG Bregenz B. ein Lateinlehrer den Vogel abgeschossen, als er die 8-Klässler per Handy sich von außerhalb den Schularbeitentext durchsagen ließ. Als fast alle den gleichen Fehler hatten, behauptete er als Ausrede, "Nachhilfelehrer hätten das falsch vorübersetzt".
Da scheint mir doch ein etwas lockerer Unterricht wie bei Professor Peter lieber als dieses scheinheilig Schwindelnlassen durch den Lateinlehrer.
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Professor Peter ...
... zeigt, dass es Lehrer gibt, die neue Wege beschreiten. Er ist sicher nicht der einizige, der gute Ideen hat und Leben in den Unterricht bringt. Es gibt viele Lehrer, die das können, aber Peter ist geschickt genug, seine Verbindung zu den Medien zu nutzen.
Das ist auch goldrichtig so.
Es zeigt auch, dass das Herumgemaule an den Lehrern teilweise ungerechtfertigt ist. Ideen und Ideenumsetzungen gibt es genug.
Wir sollten bloß die ideenreichen Lehrer stärker öffentlich bewusst machen.
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Großartig, dieser Professor Peter
Da können sich die anderen Latein-Lehrer in den Gymnasien etwas abschauen. So wird das heute gemacht. Die Mädchen lieben Latein durch ihren Lateinleher und sind glücklich, nicht in Beamtenmanier von griesgrämigen Lateinbeamten unterrichtet zu werden.
Die durchwegs guten Noten der Schülerinnen zeigen zudem das hervorragende Können dieses hochbegabten Pädagogen.
LateinlehrerInnen: Holt euch Rat bei Professor Peter !
PS.: So schafft man es auch global ins TV, nicht mit Stubenhocker-Unterricht und lästigem Formenlernen für den Uhu.
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