"Müssen ihre Frechheit rauslassen"

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Altach und die Austria treffen sich im Ländle-Derby der zwei besten Vorarlberger Teams. Altach und die Austria treffen sich im Ländle-Derby der zwei besten Vorarlberger Teams. - © VOL.AT/Klaus Hartinger
Altachs Verteidiger Aytac Sulu fordert für das Derby Leidenschaft und Unbekümmertheit.

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Knappe elf Kilometer sind es vom beschaulichen Nussloch nach Heidelberg. Im fußballverrückten Deutschland eher eine ruhige Ecke, dennoch zog der runde Ball Aytac Sulu wie ein Magnet an. Seine ersten fußballerischen Akzente setzte der 26-jährige Deutsch-Türke in der Nachwuchsabteilung des deutschen Zweitligaklubs SV Sandhausen. Ein Trainer namens Rainer Scharinger sollte den 185 cm großen und kopfballstarken Verteidiger in die Kampfmannschaft holen. Eine fast schicksalhafte Begegnung, denn die Wege der beiden sollten sich in weiterer Folge immer wieder kreuzen. Ob in Hoffenheim, das die Fußballbegeisterung in den Rhein-Neckar-Kreis brachte, oder dann in Aalen und nun in Altach. „Er kennt mich und ich weiß genau, was er als Trainer will“, bringt Sulu die „Fußballverbundenheit“ auf den Punkt.

Heute (20.30 Uhr) spielt der Verteidiger mit Altach sein erstes Vorarlberger Derby. Die Freude darüber ist ihm anzusehen, wenn die Frage nach dem Duell mit der Austria aufkommt. „Du gehst einfach anders in ein Spiel rein, wenn mehr als 5000 Zuschauer im Stadion sind. Dann weißt du als Fußballer genau, wofür du spielst.“ Dass die Altacher aufgrund der vielen verletzungsbedingten Ausfälle als krasse Außenseiter gelten und vor allem die jungen Spieler im Team zuletzt Nerven zeigten, ist ihm natürlich nicht verborgen geblieben. Deshalb nimmt er sich selbst in die Pflicht, wenn er sich als Führungstyp bezeichnet, der schon mal laut werden kann. „Da kommt schon mal mein türkisches Temperament durch“, schmunzelt Sulu. „Es kann passieren, dass ich es in der Pause krachen lasse.“

Die „zwei Gesichter“, die die Mannschaft in den bisherigen Spielen in Horn und zu Hause gegen Grödig gezeigt hat, passen ihm gar nicht. „Es kann nicht sein, dass keine Leidenschaft am Platz spürbar wird.“ Diesbezüglich ist auch er heute in Lustenau gefordert, das ist ihm klar. „Vom Typ her bin ich einer, der gerne vorausgeht. Als erfahrener Spieler muss ich all dies vorleben, damit sich die Jungen orientieren können.“ Aus seiner Sicht heißt das auch, mehr reden auf dem Platz. „Die Kommunikation bei uns muss besser, die Emotionen müssen spürbarer sein.“ Für die vielen jungen Spieler im Team hat er auch den einen oder anderen Ratschlag parat. „Sollen sie doch unbekümmert drauflosspielen, einfach ihre Frechheit rauslassen. Das ist doch ihre Stärke. Mit ihrer Unbekümmertheit können wir auch den jetzt sicherlich gegebenen Qualitätsverlust gut kompensieren.“

Persönlich verspürt Sulu nach seiner Rückkehr aus der Türkei (Genclerbirligi), wo er kaum zum Zug kam, richtig die Lust am Fußballspielen. Und der Zuzug seiner Lebenspartnerin in den kommenden Tagen sollte sein Wohlgefühl zusätzlich fördern. Dass schon im September die Geburt des ersten Kindes bevorsteht, sollte das private Glück im Hause Sulu vervollständigen.

Austria im Derby wohl mit Boller

Robert Schellander (29) absolvierte seine erste Einheit mit der Mannschaft, Pierre Boya (28) ist nur noch ein Spiel gesperrt – und Sascha Boller (28) ist zurück. Austria-Trainer Helgi Kolvidsson kann für das Derby und im Hinblick auf die englische Woche aus dem Vollen schöpfen. So ist es durchaus möglich, dass Boller für den leicht angeschlagenen Gerald Krajic (30) aufläuft. Bei Altach nimmt Louis Ngwat-Mahop (24) bereits am Trainingsbetrieb teil.

„Die Marschrichtung stimmt“

FC Lustenau hat gegen St. Pölten Selbstvertrauen getankt und will bei BW Linz punkten. Die Chancenauswertung des FC Lustenau im Heimspiel gegen St. Pölten war zwar verheerend, doch Trainer Damir Canadi hat auch viel Positives gesehen: „Entscheidend ist doch, dass wir uns in viele Torsituationen gebracht haben“, so der FCL-Coach. Und für den 42-Jährigen ist wichtig, dass er bei seinem Team stetig Verbesserungen erkennt.

Systemumstellung gelungen

Er habe nun die richtigen Spieler, um ein 4-2-3-1-System zu spielen. „Die Mannschaft hat in dieser Woche im Training gezeigt, dass sie für die nächste Aufgabe bereit ist. Ich persönlich mache mir erst nach sechs oder sieben Meisterschaftsrunden ein Bild über unseren Saisonstart.“

Im heutigen Auswärtsmatch auf der Gugl erwartet Canadi mit BW Linz eine der besten Kontermannschaften der Liga. „Wir müssen unsere beiden Seiten gut zustellen und viel Geduld haben. Zudem müssen wir schnell umschalten und selbst frech nach vorne spielen.“

Canadi wird gegenüber dem letzten Spiel nur eine Umstellung vornehmen. Er wird sich entweder für Florian Zellhofer oder Daniel Luxbacher im offensiven Mittelfeld entscheiden.

(VN/Christian Adam/Dieter Alge)

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