Akt.:

Monti befürchtet Pleite Siziliens – Krise der “Schlaraffen-Insel”

Regierungschef fordert Rücktritt des Gouverneurs und will die Situation selbst in die Hand nehmen. Regierungschef fordert Rücktritt des Gouverneurs und will die Situation selbst in die Hand nehmen. - © EPA
Italiens Regierungschef Mario Monti befürchtet eine Pleite der hoch verschuldeten Region Sizilien mitten in der Finanz- und Schuldenkrise des Landes. In einem Brief hat er den Gouverneur der Insel, Raffaele Lombardo, deshalb aufgefordert, seinen öffentlich bereits angekündigten Rücktritt zum 31. Juli jetzt zu bestätigen.

 (3 Kommentare)

Korrektur melden

Wie der Mailänder “Corriere della Sera” am Mittwoch berichtete, könnte ein Finanzkollaps der Südregion Montis Spar- und Reformplänen schaden. Die Insel müsste kommissarisch regiert werden. Eine schlagkräftige Politik gegen die Krise auf Sizilien hänge auch von “der Situation der Regierung auf regionaler Ebene ab”, machte Monti die Notwendigkeit eines Wechsels deutlich. Aus römischer Sicht sind nicht zuletzt die regionalen Behörden für die in Sizilien drohende Pleite verantwortlich.

Sizilien als das “Griechenland Italiens”

Lombardo werde zwar möglicherweise in die Geschichte eingehen als der Sizilianer, der der Insel mit seiner Politik den Gnadenstoß gegeben habe, er sei allerdings nicht allein für die Lage verantwortlich, meinte “La Repubblica” zu der “Schlaraffen-Insel”. So sei Palermo jetzt Athen nahe. Andere Medien nannten Sizilien am Mittwoch das “Griechenland Italiens”.

Korruption und Vetternwirtschaft haben Sizilien, Stützpunkt und Heimatinsel der Mafiosi von der “Cosa Nostra”, seit langem im Griff. Die größte italienische Insel, eine der ärmsten Regionen, hat einen aufgeblähten Staatsapparat mit Zehntausenden von Beschäftigten.

Die Turiner “La Stampa” nennt Sizilien “eine Region, die von den Politikern als Geldautomat benutzt wird”. Lombardo etwa sei mit einem Nettogehalt von fast 16 000 Euro monatlich Italiens höchstbezahlter Gouverneur – in Italiens Region mit den meisten Staatsbediensteten.

Exorbitante Überschuldung

Die Verschuldung Siziliens lag nach Angaben des italienischen Rechnungshofes Ende 2011 bei 21 Milliarden Euro. Lombardo, seit 2008 Siziliens Präsident, meinte zu Montis Brief nur, er werde abtreten, die Konten der Region seien in Ordnung. Davon will er Monti in einem Gespräch in der kommenden Woche überzeugen. Gegen den 61-jährigen Lombardo ermitteln Staatsanwälte in Catania wegen möglicher Verstrickungen in Mafia-Geschäfte.

Monti hatte vor kurzem einen strikten Sparplan mit Stelleneinsparungen und Kürzungen für den öffentlichen Dienst und den Staatsapparat Italien auf den Weg gebracht. Der parteilose Technokrat versucht, das hoch verschuldete und in der Rezession steckende Land mit einer ganzen Reihe von Reformen auf Vordermann zu bringen.

Die drittgrößte Volkswirtschaft der Eurozone ist unter dem massiven Druck der Finanzmärkte. Vor diesem Hintergrund steht das “Ultimatum” des früheren EU-Kommissars an den Gouverneur, den Weg für Lösungen “mit wirksameren und angemesseneren Instrumenten” durch seinen Rücktritt jetzt freizumachen.

(APA)

Werbung


Kommentare 3

Herzlichen Dank für Ihren Kommentar - dieser wird nach einer Prüfung von uns freigeschaltet. Beachten Sie, dass dies gerade an Wochenenden etwas länger dauern kann.

Kommentare von registrierten Usern werden sofort freigeschaltet - hier registrieren!

 
noch 1000 Zeichen
 

HTML-Version von diesem Artikel
Verkehr in Vorarlberg

Mehr auf vol.at
20 Tote bei israelischem Angriff auf UNRWA-Schule
Ein Ende des Blutvergießens ist auch zu Beginn der vierten Kampfwoche im Gazakonflikt nicht in Sicht. Die israelische [...] mehr »
Laut Obama kein neuer “Kalter Krieg” mit Russland
Zwischen dem Westen und Russland herrscht nach Angaben von US-Präsident Barack Obama trotz verschärfter Sanktionen im [...] mehr »
Obama kündigt weitere Sanktionen gegen Russland an
Nach der Europäischen Union haben auch die USA ihre Sanktionen gegen Russland verschärft. US-Präsident Barack Obama [...] mehr »
Historiker Clark nennt EU “Modell für ganze Welt”
Der australische Historiker und Buchautor Christopher Clark hält die EU für eine "einmalige historische Leistung" und [...] mehr »
Russland brach laut USA Abrüstungsabkommen
Die US-Regierung wirft Russland die Verletzung eines bedeutenden Abrüstungsvertrages vor. Das Weiße Haus bestätigte [...] mehr »
Mehr Meldungen »
Werbung
Jetzt meistgelesen auf VOL.AT
Werbung

Sie sind bei Facebook? Wir haben etwas Besonderes für Sie ...

Wenn Sie jetzt Ihren Facebook-Account mit %s verknüpfen, haben Sie einfachen Zugang zur beliebten Kommentar-Funktion auf %s, können Artikel einfach mit Ihren Freunden teilen - und auch selbst Fotos und Artikel auf %s hochladen.

{username}


Passwort vergessen?
{username}

Bitte max. 32 Zeichen verwenden

Ihren Benutzernamen können Sie hier ändern. Wir schlagen vor, dass Sie Ihren richtigen Namen verwenden, um an Diskussionen teilzunehmen.

Muss eine gültige E-Mail-Adresse sein

Benachrichtigungen und Newsletter (falls gewollt) werden an diese Emailadresse versendet. Ihre Privatsphäre ist uns wichtig

{username}%s antworten

OK, {username} - nun ist alles eingerichtet.

OK

Der Benutzer mit dem Sie sich einlochen wollen ist noch nicht aktiviert. Bitte klicken Sie auf den Aktivierungslink den wir Ihnen an %s gesendet haben. Aktivierungsmail erneut schicken OK

Anmelden

Facebook-Benutzer?

Sie können Ihren Facebook-Account zum Anmelden verwenden:

Mit Facebook verbinden



Passwort vergessen?
Neu registrieren

Anmelden - oder ohne Registrierung diskutieren

Als VOL.AT User anmelden:




Passwort vergessen?

Unregistrierter User:

Bei unregistrierten Benutzern wird der Kommentar erst nach einer Prüfung freigeschaltet. Beleidigende, rassistische, ausfällige oder nicht themenbezogene Kommentare werden nicht veröffentlicht. Kommentare von eingeloggten Usern werden sofort veröffentlicht.

Neu registrieren



Bitte Javascript aktivieren!