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Mönch, Kellner und nun auf dem Weg zum Star

Marcos Auer verdient sich seine Brötchen als Kellner in der "Reblaus" in Bregenz-Vorkloster. Marcos Auer verdient sich seine Brötchen als Kellner in der "Reblaus" in Bregenz-Vorkloster. - © VOL.AT/Hofmeister
von NEUE/Heidrun Joachim - Er kennt Einsamkeit, Entbehrung. Lebte neun Jahre als Hindu-Mönch. Jetzt will er die Musikwelt erobern. In Salzburg hat er das erste Casting zur Supertalent-Show DSDS mit Erfolg überstanden. Am 3. Oktober geht es zum Recall nach Berlin: Marcos Auer (29) aus Dornbirn.

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Groß, schlank. Mal in geschmeidiger Bewegung, mal schlaksig kommt er daher. Immer eine Schildkappe auf dem Kopf, mal in Schwarz, mal in Weiß. Und stets umspielt ein freundliches Lächeln seine Lippen. So kennen die Gäste der kleinen feinen Gaststätte „Reblaus“ in Bregenz-Vorklos­ter den Kellner Marcos.

Er ist Neu-Vorarlberger. Erst seit drei Monaten lebt der junge Mann in Dornbirn, ist aber bereits Ländle-Fan: „Vorarlberg ist nicht Österreich, sondern etwas ganz Besonderes. Die Menschen sind herzlich, offen. Manchmal auch ein bisschen verrückt, aber immer zugänglich. Ich fühle mich zu Hause.“ Nur die Eltern, die wohnen in der Steiermark, fehlen dem sympathischen Burschen ein wenig.

Ins Ländle gekommen ist er durch seinen guten Freund Thomas Rusch, bei dem wohnt er und durch ihn hat er auch die Kellner-Stelle gefunden. Der Job bereitet ihm Spaß. Weil er so noch schneller mit den Menschen in Kontakt kommt. Marcos ist gebürtiger Steirer, aufgewachsen im oststeirischen Waißenegg bei Birkfeld. „Mit drei Jahren bin ich adoptiert worden von einer gutsituierten Familie und wohlbehütet aufgewachsen.“ Eine ganz normale Geschichte? Nein.

Begabung erkannt

Zum einen erkannten die Eltern wohl sehr früh die musische Begabung des Buben. So besuchte er die Musikhauptschule und übte sich fünf Jahre lang im Gitarrenspiel. Dann entschied der Vater: Der Bursche muss was ordentliches Lernen. Also wurde dem 16-Jährigen eine Lehre zum Baustofffacharbeiter „verordnet“. Das ging nur ein Jahr gut. „Ich konnte dann nicht mehr und habe die Lehre abgebrochen.“

Seine Eltern waren nicht amüsiert über diesen Schritt des Juniors. Und noch skeptischer, als Marcos mit seinem Wunsch, nach Indien zu gehen, herausrückte. „Ich wollte weg von dieser Gesellschaft, das Abenteuer suchen und das Leben finden“, erzählt der 29-Jährige. Die Wurzeln für diesen „Weg“ lagen in der Kinderzeit. „Weil ich eine dunklere Hautfarbe habe, bin ich oft regelrecht ins Abseits gedrängt worden. Auch weil meine Interessen mehr in die musikalische Richtung gingen hatte ich keine Freunde. War meist allein unterwegs.“

Warum aber nun Indien? „Ich hatte einiges darüber gelesen, war neugierig, wollte Neues erleben.“ Die Eltern ließen ihn schließlich auf die Suche nach seinem Weg gehen. „Schlussendlich haben sie gesagt: Solange du glücklich bist, sind wir das auch. Sie haben mich kräftig unterstützt bei meinem Indienabenteuer.“

Eine andere Welt

Und so flog der 17-Jährige in diese Welt, deren Beschreibung ihn faszinierte und magisch anzog. Von Neu-Delhi führte ihn der Weg nach Varanasi: Diese Stadt liegt in Nordindien am Ganges, 780 Kilometer östlich der indischen Hauptstadt. Es ist eine der ältesten Städte Indiens und eine der heiligsten Stätten des Hinduismus. „Die Hindu-Lehren sind für mich einfach und logisch gewesen, aber ich wollte dieses Wissen vertiefen. Darum bin ich dann in Vrindavan, eine Stadt im gleichen Bezirk wie Varanasi, in ein Kloster eingetreten.“ Der Überlieferung nach ist diese Stadt der Ort des einstigen Waldes von Vrindavana. In dessen Umgebung soll die hinduistische Gottheit Krishna in einem Dorf von Kuhhirten aufgewachsen sein.

„Drei Monate prüfen die Mönche: Sie beobachten, ob der ,Kandidat‘ dem Tagesablauf und den Anforderungen des Klosterlebens überhaupt gewachsen ist. Ob dieser bestimmten Dingen – wie Fleisch, Rauchen und anderem – entsagen kann. Ob er den Willen zum Lernen und Studieren hat.“ Marcos bestand und wurde zum Baba (Mönch) Gopal sharan maharaj.

Hinter Klostermauern

Sechs Jahre verbrachte er hinter den Mauern, meditierte, um sich selbst zu erkennen. Erlernte die Sprache. Erfuhr, das Verzicht Gewinn ist, erlebte Zufriedenheit, beschäftigte sich mit vedischen Weisheiten und Erkenntnissen. Schöpfte aus den Schriften Wissen über gesundes Leben, über die Mathematik, Astronomie, Astrologie und vieles mehr. „Ich war glücklich. Nur – ich hatte auch Heimweh. In den sechs Jahren habe ich meine Eltern nur einmal gesehen.“ Also ging es zurück in die Steiermark, wo er weitere vier Jahre in einer hinduistischen Glaubensgemeinschaft lebte, aber die Eltern regelmäßig besuchen konnte.

„Hindu bin und bleibe ich aus voller Überzeugung. Trotzdem wollte ich noch ein anderes Leben ausprobieren.“ Singen, musizieren auf den Bühnen dieser Welt – das ist ein Kindheitstraum von Marcos. Und genau den will er sich nun erfüllen. „DSDS ist eine Show, die mir gefällt, darum habe ich mich im Jänner beworben.“ Drei Songs hatte er vorbereitet – beispielsweise „Jessy paint a picture …“ von Joshua Kadison. Präsentiert hat er zwei Songs. Und auch gezeigt, dass er sich rhythmisch bewegen kann. „Das Schwierigste war dabei, über den eigenen Schatten zu springen und so natürlich als möglich rüberzukommen“, sagt der 29-Jährige. Er kam wohl super rüber. Denn immerhin war der junge Mann einer der wenigen Bewerber, die in Salzburg gecastet wurden, denen der Sprung nach Berlin zum Recall gelungen ist.

Ja, und welches Leben ist nun besser, das hinter Klostermauern oder das auf der Bühne? Ruhig und gelassen schaut Marcos, als er antwortet: „Es gibt kein gutes oder schlechtes. Aber: Zufriedenheit, Glück – das ist das beste Leben.“ Die Zeit im Kloster hat ihn auch gelehrt, dass nichts selbstverständlich ist im Leben und der Mensch dankbar sein soll für das, was er hat.

„Das Lächeln, das du aussendest, kehrt zu dir zurück“, sagt eine Hindu-Weisheit. Marcos lacht oft und gern. Vielleicht ist das ein Mosaiksteinchen auf dem Weg zum Bühnenerfolg.

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