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MMO für Solisten: Kingdoms of Amalur

Kingdoms of Amalur Reckoning (KOA) spricht eine zuweilen recht blutige Bildsprache Kingdoms of Amalur Reckoning (KOA) spricht eine zuweilen recht blutige Bildsprache
von VOL.AT/Alf Waibel - Für gewöhnlich beginnt ein Spiel nicht gerade mit dem Tod der Hauptfigur. Aber in Kingdoms of Amalur bricht der Hersteller ohnehin mit vielen Gewohnheiten – und schafft ein MMO-Erlebnis ganz ohne Massive und Multiplayer und Online. Böse Zungen würden behaupten, der Ausnahmetitel sei ein missglücktes MMO, an dem man noch ein wenig Geld verdienen wollte. Aber damit tut man KOA Reckoning ganz und gar unrecht.

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Eines vorweg – die bunte Fantasyoptik mag täuschen, aber von den Inhalten her spricht Kingdoms of Amalur Reckoning, kurz KOA, eine sehr deutliche und zuweilen sehr blutige Bildersprache und gehört nur in die Hände reiferer Gamer. Diesen Eindruck vermittelt der Titel auch schon in den ersten Minuten, als die frisch erstellte Spielfigur auf einem offenbar schon ziemlich verwesten Leichenhaufen zwischen nicht mehr ganz taufrischen Gefallenen erwacht. Für die erfolgreiche Reanimation zeichnet eine geheimnisvolle Maschine verantwortlich, was so per se nicht unbedingt in das klassisch mittelalterlich angehauchte Rollenspiel passen will. Das übrigens für den Rechenknecht, Xbox 360 und PS 3 erschien.

Der einstigen Leiche sind durch die Wiedergeburt auch sämtliche Fähigkeiten, Kenntnisse und auch dessen Schicksal abhanden gekommen – der Charakter ist, wie es sich gehört, ein unbeschriebenes Blatt. Somit offenbaren sich schon zwei Besonderheiten von KOA: Zum einen die freie Entwicklungsmöglichkeit des Spielecharakters in drei Disziplinen, zum anderen die Bedeutung von „Schicksal“ – im englischen Fate – im Spiel. Die Auswahlmöglichkeiten des Editors sind ausreichend, wenn auch nicht überragend. Drei Rassen, zwei Geschlechter, und eine relativ gute Anzahl von Möglichkeiten, den Char optisch anzupassen. Die eigentliche optische Anpassung erfolgt ohnehin erst im Spiel mit den vielen Ausrüstungsteilen, die zwar polygonarm aber erstaunlich schick texturiert daher kommen. 

Womit wir schon beim Look und auch bei der Technik von KOA sind: Dieser wird nicht jedermanns Sache sein, ist durchaus konsolentauglich programmiert, will heißen, mit reduzierter, wenn auch stilvoller und vor allem quietschbunter Grafik erstellt. Word of Warcraft Fans fühlen sich jedenfalls gleich einmal ziemlich heimisch. Das Spielgeschehen steuert sich durch eine riesige, liebevoll designte relativ offene Spielwelt. Wobei der Begriff Open World etwas irreführend ist, so viele Freiheiten hat der Spielecharakter dann nun doch nicht. Der Weg des Helden führt über eine Unzahl von teilweise recht lustigen und stimmigen Haupt- und Nebenquests, die zudem recht schick in voll vertonten und toll animierten Dialogen mit Questgebern vermittelt werden. Der Originalitätsgrad schwankt wie ein Volltrunkener zwischen durchaus kreativen und witzigen Quests bis hin zu drögestem Grinding a la „Töte 10 hiervon und bring mir 20 davon“. Auch sind die Questgeber während der Dialoge !
 eher dürftig animiert – schade eigentlich. Außerdem bleibt der Held durchwegs stumm – vielleicht auch eine Folge der Reanimation? Wer weiß. Aber die deutsche Synchro der NPCs weiß zu überzeugen.

Übrigens bleibt das Handeln des Helden nicht folgenlos, wirkt sich sogar auf die Spielwelt aus, wenngleich nicht immer so dauerhaft, wie es glaubwürdig wäre. Wer ein ganzes Dorf ausrottet, hat zwar die Dorfwachen auf dem Hals – nach einiger Zeit in der Wildnis – oder im Kittchen, sofern man sich von den Wachen umkloppen lässt – steht die gesamte Dorfpopulation wieder auf den Beinen. Da scheint die Reanimationsmaschine aber ganze Arbeit geleistet zu haben. Die erzählte Hauptgeschichte bedient jegliche Rollenspiel-Klischees um Elfen, Gnome und Menschen, der Gesamteindruck ist aber durchaus stimmig mit einem schelmischen Augenzwinkern. Die Questführung durchs riesige Amalur ist dank einer übersichtlichen Karte recht gut gelungen, wenn man sich anfangs auch erst mal ins Spiel fuchsen muss.

Das eigentliche Potential schöpft KOA dann auch erst bei der Charaktergestaltung und –entwicklung wie auch den rasanten Kämpfen aus. Im Gegensatz zu anderen Rollenspielen sind hier auch Magier in Plattenrüstung oder Krieger, bewaffnet mit Dolchen kein Ding der Unmöglichkeit und durchaus spaßig. Wenngleich Hybriden hier auch das Nachsehen haben und eine Spezialisierung ab einem gewissen Punkt des Spiels lebensnotwendig ist. Der Spielecharakter kann auch seine Ausrüstung und Hilfsmittel craften – heutzutage fast schon Standard in RPGs.

Nun zum eigentlichen Star von KOA: Das Kampfsystem, das sich am besten – die Konsolenverwandschaft lässt grüßen – mit einem angeschlossenen Controller beherrschen lässt. Anschleichen, Angreifen, Ausweichen, Zaubern, Blocken, Finishing Moves. Während der Kämpfe offenbart KOA mehr Parallelen zu Beat em Up´s als zu klassischen Rollenspielen. Bestimmte Gegner und taktisch sehr klug agierende Gegnergruppen lassen tumbe Draufklopper schon zu Beginn sehr schnell den Ladebildschirm sehen. Blocken und Ausweichen ist essentiell, im Kampf gegen dicke Brocken kommt das Schicksalspunkte-System als wichtiges Spielelement zum Tragen: Durch das Töten von Gegnern füllt sich eine Schicksalsleiste unter Mana und Lebensanzeige. Ist diese voll, können Spezialattacken ausgelöst werden, in deren ablaufender Zeit ganze Gegnerhorden und selbst die dicksten Bosse mit einer ungeahnten Lässigkeit vernichtet werden können – inklusive eines extrem coolen, aber zumeist auch fast schon erschreckend brutalen Finishings!
In der Welt von Amalur respawnen übrigens nicht nur die NPCs der Dörfer und Städte, auch alle Gegner stehen nach einiger Zeit wieder an ihren angestammten Plätzen – auch wieder so eine Parallele zu einem Onlinerollenspiel.

Natürlich bedient KOA auch die Sammelwut des Spielers: Coole Waffen – neben Bögen, Dolchen, Schwertern und Schilden sowie Stäben für Magier bietet das Game auch Neues wie Chakras und Feenklingen – und dicke Rüstungen und auch schicke Roben und freizügige Lederoutfits für Ranger und Schurken laden zum Erkunden, Sammeln und Schnetzeln ein. Zudem kann gefundenes zerlegt werden und mit den gewonnenen Rohstoffen bestehendes aufgewertet werden. Entdecke die Möglichkeiten…

Das Ausleveln des Helden gestaltet sich zwar nicht gerade innovativ, aber die freie Entfaltungsmöglichkeit macht Spaß. So investiert man neben Kampffertigkeiten auch in Punkte wie Aufmerksamkeit, was das Entdecken von Fallen und versteckten Schätzen ermöglicht, über Schlossknacken bis hin zu Verbesserungen der Handwerksfähigkeiten. Zudem werden Punkte in klassische Rollenspielattribute gesteckt, der Held somit schneller, stärker oder schlauer gemacht. 

Fazit:
Kingdoms of Amalur macht schon sehr stark den Eindruck eines in der Entwicklung steckengebliebenen Onlinerollenspiels. Aber zum einen ist es für viele MMOler eine coole Sache, auch mal alleine durch eine riesige Welt, voll von Quests, Geschichten und Schätzen zu streifen, zum anderen ist es nur legitim, wenn die Entwickler KOA Reckoning als Testballon auf den Markt loslassen, und noch ein cooleres MMO-Projekt in der Hinterhand haben, das auf diese Welt aufbaut. Vor allem, wenn ein „Abfallprodukt“ derart komfortabel und stimmig durchdesignt daher kommt – mehr als so manches richtige MMO. Mir fehlt eigentlich nur ein (Koop-)Multiplayermodus – gerne auch als Addon – dann bin ich der Ansicht, dass KOA auf Monate hinaus begeistern könnte. So fühle ich mich dann als Social Gamer doch rasch einsam und gelangweilt, der liebevollen Welt zum Trotz. Insgesamt ist das Erstlingswerk der Entwickler ein gelungener Überraschungs-Geniestreich, das auf PC und Konsole gleichermaßen zu begeistern weiß. Ich möchte aber an dieser Stelle noch einmal in aller Eindrücklichkeit darauf hinweisen, dass man sich als Elternteil von der quietschbunten fast cartoonigen Optik nicht täuschen lassen soll. Gerade in den Kämpfen zeigt sich KOA von einer für das Genre ungewohnt brutalen optischen Seite. Cool für Erwachsene – aber nix für Minderjährige. Fazit: Wer Skyrim mochte, sollte auch Kingdoms of Amalur: Reckoning, für das mittlerweile der erste kostenpflichtige DLC veröffentlicht wurde, eine Chance geben.

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