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Mit dem Taxi durch Athen

Mit dem Taxi durch Athen © Thomas Murauer/TT
Wirtschaftsforscher Sutter untersucht menschliches Verhalten in der Praxis.

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Auch das noch. Griechenland versinkt im Schuldenchaos, und jetzt beweist ein Vorarlberger: Athener Taxifahrer hauen Fremde übers Ohr. - Bei einem Viertel aller Taxifahrten werden Umwege genommen bzw. einfach höhere Fahrpreise verlangt, weist die Studie „What drives Taxi Drivers“ der Universität Innsbruck nach. „Man kann es aber auch umgekehrt sehen, dass nämlich drei Viertel der Taxifahrer korrekt sind“, relativiert Studienautor Matthias Sutter die Ergebnisse. Interessant ist jedenfalls, wie das Verhalten der Fahrer beeinflusst werden kann: Je einheimischer und je legerer gekleidet die Testpersonen waren, desto seltener waren die „Umwege“. Je touristischer und besser gekleidet, desto häufiger wurde der kürzeste und schnellste Weg vermieden. Ob Taxler in Wien, Bregenz oder Tokio genauso handeln würden, darüber will Sutter (42) nicht spekulieren: „Darüber gibt es keine validen Studien.“ Experimentelle Ökonomik nennt sich das Fach, in dem der gebürtige Harder das menschliche Verhalten an der Uni Innsbruck erforscht. Was dabei auffällt: Fairness und Vertrauen spielen in Wirtschaftsbeziehungen eine größere Rolle als früher gedacht. Vor allem ein Experiment Sutters spricht dafür: Zwei Partner können 100 Euro unter sich aufteilen. Der erste bestimmt, wer wie viel davon bekommen soll. Ist der Zweite damit einverstanden, nimmt jeder das Geld mit nach Hause. Falls nicht, gehen beide leer aus. „60 Prozent schlagen fifty-fifty vor, ein paar wollen nur 40 Prozent geben. Wenn sie weniger als 25 Prozent abgeben, sagen 70 bis 80 Prozent der Partner: Das lehne ich ab, da gehe ich lieber ganz leer aus - und der andere auch.“ „Soziale Kompetenz zahlt sich einfach aus,“ ist Sutter überzeugt. Deshalb empfiehlt er den Personalchefs in Unternehmen: „Man sollte nicht nur auf Zeugnisse schauen, sondern vor allem auf hohe Teamfähigkeit und Sozialkompetenz.“ Wobei - und hier blitzt wieder der Wissenschafter hervor: „Wie misst man das? Diese Fähigkeiten lernt man tatsächlich erst im Job im Team kennen.“ Ähnliche Schwierigkeiten bei der Umsetzung sieht der Träger des Wissenschafts-Würdigungspreises 2008 des Landes Vorarlberg auch bei einem seiner Lieblingsthemen. In Tests hat sich immer wieder bestätigt, dass sich Mädchen - trotz gleicher oder besserer Leistungsfähigkeit als Buben - zu wenig zutrauen und den Wettbewerb scheuen. Wie kann man also Mädchen befähigen, sich mehr zu trauen? Hier sucht Sutter, Vater zweier Töchter, das Gespräch mit Schulen und Lehrern und stellt fest: „Über die Ursachen dieser Zurückhaltung von Mädchen muss man noch viel forschen.“

Ungeduldige Jugendliche

Nach Vorarlberg kommt Sutter nur ein, zwei Mal im Jahr: „Meine Verwandten leben dort, aber ich bin 100 Tage im Jahr im Ausland.“ Zwei Monate im Jahr ist er außerdem damit beschäftigt, Forschungsanträge zu schreiben. „Ich hätte die Zeit gerne für anderes zur Verfügung, aber es muss eben sein.“ Wird ein Antrag aber genehmigt, dann wird es spannend. So forscht Sutter aktuell über Geduld bei Jugendlichen. Vor drei Jahren wurde 300 15-jährigen die Auswahl geboten, einen bestimmten Betrag gleich zu kassieren oder geduldig zu warten und dann später mehr ausbezahlt zu bekommen. Unlängst wurden dieselben jungen Menschen wieder kontaktiert. Und siehe da: Die Ungeduldigen sind diejenigen, die gleich - ohne Studium - einen Beruf ergriffen haben. Und zwar unabhängig vom Zeugnis. Und sie sind überdurchschnittlich oft Raucher - „für das Humankapital und den Gesundheitszustand ist das schlecht“, diagnostiziert Sutter - ganz Wissenschafter.

(VN-MILL)

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