30. Oktober 2012 06:32; Akt.: 30.10.2012 12:32

Mindestens 16 Tote durch Wirbelsturm “Sandy”

New Yorker warten auf "Sandy". New Yorker warten auf "Sandy".
Der Sturm “Sandy” hat an der Ostküste der USA und in Kanada bis zum frühen Dienstagmorgen mindestens 16 Menschen das Leben gekostet. Die Todesopfer wurden aus New Jersey, New York, Maryland, North Carolina, West Virginia, Pennsylvania und Connecticut gemeldet.

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Einige der Opfer wurden von umstürzenden Bäumen erschlagen. In Toronto wurde eine Frau von einem herabstürzenden Schild tödlich verletzt.

Mindestens 6,2 Millionen Menschen waren in der Region ohne Strom. Nach Angaben des Stromversorgers Consolidated Edison könnte es bis zu einer Woche dauern, bis alle Verbraucher wieder am Netz sind.

Im New Yorker Universitätsspital Tisch mussten mehr als 200 Patienten in andere Kliniken verlegt werden, nachdem dort das Notstromaggregat ausgefallen war.

AKW von “Sandy” bedroht

In New Jersey wurde das älteste Atomkraftwerk der USA, Oyster Creek, wegen des bedrohlich gestiegenen Wasserpegels abgeschaltet. Auch der Meiler Nine Mile One im Staat New York wurde deaktiviert, nachdem es zu Problemen bei der Übertragung des Stroms gekommen sei, hieß es.

Verteilt über Nordamerika forderte der Sturm Opfer, meist durch umstürzende Bäume: So starben nach Behördenangaben zwei Kinder in Westchester nahe New York, als ein Baum durchs Dach ihres Wohnhauses einschlug. Weitere Tote gab es von North Carolina über New Jersey bis nach Kanada, wo eine Frau in Toronto im Unwetter umkam.

Bereits schwere Flut-Schäden

Schwere Schäden gab es an der Infrastruktur in US-Küstengebieten: Etwa wurden ganze U-Bahn-Stationen und der Tunnel unter dem East River in New York überschwemmt, die betreffenden Abschnitte könnten nun für längere Zeit außer Betrieb sein. Die Behörden evakuierten zudem die Umgebung der Baustelle eines 90-stöckigen Wolkenkratzers in der Nähe des Central Parks: Nachdem die Spitze eines riesigen Krans in dem starken Wind zusammenbrach, bestand die Gefahr, dass sein Ausleger abstürzen könnte. Die Spielermetropole Atlantic City im US-Staat New Jersey wurde laut CNN-Berichten schwer überflutet – mehr als 30.000 Einwohner wurden evakuiert.

Der New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg forderte die Einwohner der Stadt auf, auf keinen Fall auf die Straße zu gehen. “Wo immer Sie gerade sein mögen: Bleiben Sie da!”, sagte Bloomberg am Montagabend im Rathaus. Zugleich solle der Notruf nicht wegen Sachschäden oder leichten Verletzungen genutzt werden: “Rufen Sie nur an, wenn es um Leben und Tod geht.”

“Sandy” macht die Börse dicht

“Sandy” gilt als einer der schwersten Stürme in der Geschichte der USA. Tausende Geschäfte bleiben auch am Dienstag geschlossen. Busse und Bahnen blieben vielerorts schon seit Sonntagabend in den Depots, mehr als 15.000 Flüge wurden gestrichen. Versicherungsanalysten zufolge könnte sich der Schaden auf bis zu 20 Milliarden US-Dollar belaufen, wovon nur die Hälfte versichert ist. Die Börsen an der Wall Street machten erstmals seit 27 Jahren wetterbedingt dicht. Auch am Dienstag bleiben sie geschlossen. Zuletzt war der gesamte Handel nach den Anschlägen vom 11. September 2001 gestoppt worden.

“Sandy” wird noch heftiger

Die Wetterbehörde sagte für Dienstag ein lebensbedrohliches Anschwellen des Sturmes, Böen in Hurrikan-Stärke an der Künste und heftige Schneefälle in den Appalachen voraus. Neun US-Staaten riefen den Notstand aus. Insgesamt dürften rund 50 Millionen Amerikaner von dem Sturm betroffen sein. Der Sturm soll nordwestlich weiter ziehen und auch über die Großstädte Washington, Baltimore und Philadelphia fegen.

Obama übernimmt das Ruder

Das Katastrophenwetter wirkte sich auch bereits auf den Endspurt zur US-Wahl am 6. November aus. Sowohl Präsident Barack Obama als auch sein Herausforderer Mitt Romney sagten mehrere Termine ab.

Obama mahnte seine Landsleute, den Sturm ernst zu nehmen. “Dies ist ein ernster und großer Sturm”, sagte Obama, der eine Woche vor der Präsidentschaftswahl auf Kundgebungen verzichtete, um das Krisenmanagement zu übernehmen. Das Land müsse gewappnet sein, sagte er und forderte die Bürger auf, den Evakuierungsanweisungen der örtlichen Behörden Folge zu leisten. Obama stimmte die Amerikaner zudem auf tagelange Stromausfälle ein. Die Aufräumarbeiten würden länger dauern.

Romney kündigte inzwischen an, am Dienstag im besonders umkämpften Bundesstaat Ohio einem Sturmhilfe-Event beizuwohnen. Die Veranstaltung werde in einer Sportarena in Kettering nahe der Stadt Dayton stattfinden.

Die “Bounty” ist gesunken

Die US-Küstenwache rettete mit Helikoptern am Montagabend 14 von 16 Besatzungsmitgliedern des Dreimasters “Bounty”, eines Nachbaus der für die historische Meuterei berühmte “HMS Bounty”. Später fischte die Küstenwache eine 42-jährige Frau aus dem tosenden Meer, sie verstarb kurz darauf im Krankenhaus. Der 63-jährige Kapitän wurde immer noch vermisst. Das Schiff, auf dem der Film “Die Meuterei auf der Bounty” gedreht wurde, sank kurz nach der Rettungsaktion.

Super-Sturm Sandy ist einmalig

Vor Eintreffen in den USA hatte der Sturm in der Karibik mindestens 66 Menschen den Tod gebracht. Meteorologen zufolge handelt es sich bei “Sandy” um einen sehr seltenen Super-Sturm, bei dem arktische Luftströme sich um den aus den Tropen kommenden Wirbelsturm wickeln würden. Die Kombination dieser beiden Wetterphänomene an sich ist schon gefährlich genug. Doch droht über dem Festland der Zusammenschluss mit einem dritten Sturm, der sich aus dem kalten Norden von Kanada aus nähert. Dadurch würde der Sturm sich nur noch langsam bewegen und relativ lange über der Region toben. Die Folge können unter anderem sintflutartige Regenfälle mit bis zu 30 Zentimetern Niederschlag sein. In den Höhenzügen kann bis zu einem Meter Schnee fallen. Vom Auge des Sturms bis zu seinen entferntesten Ausläufern liegen mehr als 800 Kilometer – ein enormes Ausmaß, für das “Sandy” als einmalig eingestuft wird.

Spezialseite von Google zu “Sandy”

(APA)



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