Mercedes vor Montreal kleinlaut: “Kniffliges Rennen”

Mercedes hat nach wie vor Probleme mit den Reifen
Mercedes hat nach wie vor Probleme mit den Reifen - © APA (AFP)
Mercedes scheint das Selbstvertrauen als dominantes Formel-1-Team endgültig verloren zu haben. “Angesichts des Streckenverlaufs könnte es für uns ein kniffliges Rennen werden”, sagte Motorsportchef Toto Wolff kleinlaut vor der Abreise nach Kanada, das heuer 50-jähriges Formel-1-Jubiläum feiert. Ferraris Sebastian Vettel rief vor dem Grand Prix in Montreal hingegen erneut zu Bescheidenheit auf.

“Wir müssen weiter Vollgas geben, wenn wir vor Mercedes bleiben wollen”, betonte Vettel mit Blick auf den siebenten Lauf der WM-Saison am Sonntag (20.00 Uhr MESZ/live ORF eins, RTL und Sky). Mercedes sieht sich im Zweikampf gegen Ferrari im Hintertreffen. Diese These vertreten Wolff und Aufsichtsratschef Niki Lauda seit dem Pleite-Grand-Prix in Monaco mit Nachdruck.

Im Klassement führt Ferrari-Star Vettel nach drei Siegen in sechs Rennen 25 Punkte vor Dreifach-Champion Lewis Hamilton. Der Brite war in Monte Carlo überhaupt nicht mit seinem zickenden Mercedes zurechtgekommen und rettete nur dank einer starken Aufholjagd von Platz 13 auf 7 noch sechs Punkte.

“Wir müssen unsere Ziele festlegen, mit den vorhandenen Daten arbeiten und dann die richtigen Lösungen finden. Einige dieser Lösungen sind kurzfristig, andere dauern vielleicht etwas länger”, sinnierte Wolff. Im Saisonverlauf hat sich vor allem die Reifen-Thematik als Problem erwiesen, auf das Mercedes bisher keine nachhaltige Lösung gefunden hat.

Hintergrund sind die neuen, breiteren Pirelli-Gummis auf den Autos in diesem Jahr. Die dürften, so entnimmt man den Aussagen aus dem Fahrerlager, ein schmäleres “Fenster” haben, in dem sie optimal funktionieren, als die Vorgängergeneration. Und Ferrari scheint um die Lage dieses Fensters, das vor allem von Temperatur, Gewicht und Untergrund beeinflusst wird, besser Bescheid zu wissen als Mercedes.

Das hat zuletzt sogar schon Verschwörungstheorien entstehen lassen, wonach der italienische Reifenproduzent seine Erzeugnisse speziell auf den italienischen Rennstall abgestimmt haben soll. Pirelli-Firmenchef Marco Tronchetti dementierte dies: “Die Reifen sind für alle gleich”, sagte er in einem Interview mit dem Rai-Radiosender “GR Parlamento”. “Der Grund für die guten Leistungen von Ferrari ist schlicht, dass dieses Team ein hervorragendes Auto gebaut hat. Vielleicht hat dieser Fortschritt einige Leute überrascht.”

Fakt ist, dass die Daten bei der Entwicklung der neuen Reifen allen Teams offen lagen. Vettel soll sich jedoch bei der Testarbeit als besonders fleißig hervorgetan und sich weit über das Plansoll engagiert haben. Das könnte nun ein Puzzleteil der roten Erfolgsgeschichte sein. Der SF70H funktioniert bisher überall. Bester Beleg: Vettel wurde in den sechs Rennen mindestens Zweiter.

In Montreal hat der Deutsche noch Nachholbedarf. Nur einen seiner 45 Grand-Prix-Siege feierte er auf dem kurzen Kurs mit der legendären “Wall of Champions” am Ende der letzten Schikane vor dem Ziel. “Eine komplett andere Bahn”, meinte Vettel im Vergleich zum engen und noch deutlich kürzeren Straßenkurs von Monaco, wo er dank optimaler Strategie vor Teamkollege und Pole-Mann Kimi Räikkönen gewonnen hatte.

Seit 1967 und damit seit 50 Jahren dreht die Motorsport-Königsklasse ihre Runden in Nordamerika. Das erste Rennen fand allerdings auf dem Mosport International Raceway in Clarington in der Provinz Ontario statt, zweimal wurde zudem in Mont Tremblant gefahren. Von 1978 an war dann aber der Circuit Gilles Villeneuve mit zwei Unterbrechungen (1987 und 2009) Schauplatz der Formel 1 in Kanada.

Hamilton hat das Rennen auf der Ile Notre-Dame bereits fünfmal gewonnen, zuletzt in den beiden vergangenen Jahren. Von den aktiven Fahrern war keiner auf dem Kurs auch nur annähernd so erfolgreich.

Montreal ist sein Terrain – und Aufgeben keine Option. “Ich denke an deinen Kampfgeist und alles, was mich heute inspiriert, Champ”, schrieb Hamilton zum ersten Todestag von Box-Legende Muhammad Ali auf Twitter. Zwei Tage später düste er mit seinen Kumpel Neymar zum zweiten Finalspiel der NBA zwischen den Golden State Warriors und den Cleveland Cavaliers in Oakland. Wie sehr ihn die akrobatischen Einlagen der Basketball-Stars beflügelt haben, wird sich am Wochenende zeigen.

(APA/dpa/ag.)

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