28. Oktober 2008 09:18; Akt.: 28.10.2008 09:18

Medikamentensucht meist weiblich

Medikamentensucht meist weiblich © Bilderbox
Die auch als “heimliche Sucht” bezeichnete Medikamentenabhängigkeit ist meist weiblich. Zweidrittel der Betroffenen seien Frauen.

Dies gab Univ.-Prof. Christian Haring vom Tiroler Vereins BIN (Beratung, Information und Nachsorge) an. Diese Sucht erscheine oberflächlich als unproblematischer, unter anderem weil sie sich leichter verstecken lasse. Vor allem Beruhigungs-, Schlaf- und Schmerzmittel stehen ganz oben auf der Liste von Arzneien mit hohem Suchtpotenzial, erklärte er.

Allein in Tirol seien von diesem Problem zwischen 12.000 bis 15.000 Menschen betroffen, besonders Frauen. Gründe dafür sah Haring auch darin, dass Alkohol unter der weiblichen Bevölkerung häufig verpönt ist. Medikamente seien für sie eine “konformere” Lösung.

Schließlich machen Tabletten keine Fahne. Vor allem Beruhigungs-, Schlaf – und Schmerzmittel bestehe bei längerer Einnahmedauer die Gefahr der Gewöhnung, Toleranzbildung und schließlich einer Abhängigkeitsentwicklung. “Auch bei bestimmungsgemäßen Gebrauch kann die Einnahme unbemerkt in einen Dauerkonsum übergehen, der mit dem ursprünglichen therapeutischen Zweck nicht mehr viel zu tun hat. Vorrangig geht es nur mehr um individuelle Befindlichkeitsmanipulation”, sagte Haring.

Die wichtigsten Zeichen für die Abhängigkeit von Medikamenten seien die zunehmende Dosissteigerungen sowie starke körperliche und psychische Entzugserscheinungen beim Absetzen der Tabletten. “Die Medikamentensucht hat ihre eigenen Tücken. Der Körper braucht länger um die Giftstoffe auszusondern. Der Entzug dauert länger und die Rückfälligkeit ist häufiger”, Carolin Zeller-Schneider, ärztliche Beraterin des Vereins.

Abruptes Absetzen der Substanzen berge erhebliche Risiken. Das könne Schlafstörungen, starker Erregung mit innerer Unruhe sowie schwere Angst- und Spannungszustände bis hin zu einer erhöhten Suizidneigung hervorrufen.

Kritik kam vom Vereinsobmann an den Beipackzetteln von Medikamenten mit hohem Suchpotenzial. Zu wenig deutlich werde auf die Risiken einer Abhängigkeit hingewiesen. Unter der Telefonnummer 05223/53636 können sich Personen mit Medikamentenmissbrauch oder -abhängigkeit und deren Angehörige telefonisch an den Verein BIN wenden.


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