13. August 2009 08:21; Akt.: 13.08.2009 08:21

Matschiner packt in ARD-Interview aus

Matschiner packt in ARD-Interview aus © EPA
In einem ARD-Film zur Leichtathletik WM, “Geheimsache Doping”, schildert auch Sportmanager Stefan Matschiner seine Doping-Aktivitäten.

 (8 Kommentare)

alt Korrekturen melden

Die 12. Leichtathletik-Weltmeisterschaften in Berlin könnten eine große Bühne für Betrüger werden. In dem ARD-Film “Geheimsache Doping”, der am Mittwoch um Mitternacht ausgestrahlt wird, berichten hochkarätige Insider vor der Kamera, was sich hinter der schillernden Fassade der olympischen Kernsportart und in der vermeintlich effektiven Dopingbekämpfung wirklich abspielt: Wie sie Athleten bis zur Perfektion dopen, Dopingkontrolleure austricksen, kriminelle Netzwerke spinnen, das große Geld machen – und dabei jahrelang nicht erwischt werden.

“Es gibt saubere Athleten – werden wir aber auch saubere Siege sehen?”, sagte Angel Heredia, einst einer der größten Doping-Dealer im Weltsport, der als Kronzeuge vor der US-Justiz auspackte. “Ich hatte 45 Athleten, von denen 32 zur Weltklasse zählten”, berichtete der Mexikaner den ARD-Reportern Hajo Seppelt und Rolf Kempe. Er lieferte seinen Kunden nicht nur verbotene Mittel von Anabolika bis zum Wachstumshormon, sondern auch detaillierte Wochenpläne für Anwendung und Medikation – mit dem Ziel, dass sie stärker wurden und nicht positiv getestet werden konnten. “Es ist ein Kinderspiel”, sagte Heredia, der vor laufender Kamera Doping-Mittel mixte.

Heredia belastet den österreichischen Athletenmanager Robert Wagner, der den Kontakt zu dem Mittelamerikaner in den Jahren 2004/05 gesucht haben soll. “Wir haben über nichts anderes als Doping geredet”, sagte Heredia. Wagner habe Doping-Mittel bei ihm gekauft und bezahlt: “Ja, in bar.”

Die APA – Austria Presse Agentur erreichte Wagner und konfrontierte ihn mit den Anschuldigungen: “Ich hatte mit Angel Heredia nie etwas zu tun. Ich habe nie mit diesem Menschen geredet, weder telefonisch, noch persönlich. Und ihn nie persönlich getroffen – auch nicht über Mittelsmänner”, sagte Wagner, der erwähnte, dass der Leichtathletik-Weltverband (IAAF) ihm angeraten habe, keine Kommentare zu der Sache abzugeben.

Wagner, der u.a. Manager der rot-weiß-roten Topathleten Stephanie Graf und Elmar Lichtenegger war, wird immer wieder mit Doping in Zusammenhang gebracht. In einem Interview mit der APA im April 2009 sagte Wagner: “Ich stehe auf der anderen Seite der Geschichte. Wenn ich in einem Netzwerk drinnen wäre, würde mich die IAAF keine Meetings mehr veranstalten lassen. Ich arbeite seit Jahren eng mit der Anti-Doping-Abteilung der IAAF zusammen, ich gebe Informationen.”

Ausführlich schilderte in dem ARD-Film auch der österreichische Sportmanager Stefan Matschiner, zu dessen Schützlingen der Radprofi Bernhard Kohl zählte, seine Doping-Aktivitäten. “Ich habe meine Athleten mit bestem Wissen und Gewissen versorgt, dass sie zur rechten Zeit das Richtige hatten und nicht positiv wurden”, sagte Matschiner, der neben Radfahrern und Triathleten auch Leichtathleten managte. “Ich hatte auch einen deutschen Leichtathleten, einen Topläufer, den ich nie getroffen habe, aber über einen Mittelsmann mit einer Designerdroge versorgte”, berichtete der Oberösterreicher.

Nach ARD-Recherchen soll dieser Läufer in diesem Jahr deutscher Meister geworden sein. “Ich finde so etwas nicht produktiv, sondern auch dem Athleten gegenüber unfair”, sagte Clemens Prokop, Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV). “Wenn man so einen Verdacht äußert, sollte man auch Ross und Reiter nennen.”

Matschiner will seine Athleten aber nicht nur mit Doping-Mitteln beliefert haben, sondern will auch Urinproben von seinen Sportlern durch von ihm bezahlte Mitarbeiter in von der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) akkreditierten Doping-Analyselabors illegal testen haben lassen. “Die Mitarbeiter haben 150 oder 300 Euro bekommen. So konnten Athleten perfekt eingestellt werden”, sagte Matschiner. “Es hat einige Jahre funktioniert und es funktioniert immer noch.” Die WADA reagierte empört. “Wenn das stimmt, wäre das skandalös und eine der schlimmsten Regelverletzungen”, sagte WADA-Generalsekretär David Howman.

Ungereimtheiten deckten die ARD-Reporter zudem über die Arbeit der jamaikanischen Anti-Doping-Agentur (JADCO) auf. Nach Angaben des JADCO-Verantwortlichen Herb Elliot testet die Agentur, die 2008 ihre Kontrolltätigkeit aufnahm, die Topathleten um Superstar Usain Bolt “alle fünf Tage”. Die WADA überraschte diese Aussage. “Ich sehe nicht, dass sie mit dem Programm angefangen haben”, erklärte Howman.



Kommentare 8

Herzlichen Dank für Ihren Kommentar - dieser wird nach einer Prüfung von uns freigeschaltet. Beachten Sie, dass dies gerade an Wochenenden etwas länger dauern kann.

Kommentare von registrierten Usern werden sofort freigeschaltet - hier registrieren!

Neuen Kommentar schreiben

 
1000
/1000 Zeichen übrig
 

HTML-Version von diesem Artikel

Mehr auf vol.at
Campbell-Brown unter Dopingverdacht gesperrt
Die unter Dopingverdacht stehende jamaikanische Sprinterin, die amtierende 200-Meter-Weltmeisterin und dreifache [...] mehr »
FIFA rechnete Tahiti noch ein Eigentor zu
Der große Traum von einem Tor für Tahiti beim Confederations Cup in Brasilien hat sich beim 1:6 gegen Nigeria [...] mehr »
Barcas Alcantara schoss Spanien zu U21-EM-Titel
Spanien hat zum vierten Mal die U21-EM gewonnen. Der Titelverteidiger siegte am Dienstag im EM-Finale gegen Italien in [...] mehr »
Venus Williams sagte Teilnahme in Wimbledon ab
Sechs Tage vor Turnierbeginn hat die fünffache Siegerin Venus Williams ihre Teilnahme an den All England Championships [...] mehr »
Dazjuk verlängerte Vertrag bei NHL-Club Detroit
Der russische Ausnahme-Center Pawel Dazjuk hat seinen Vertrag bei den Detroit Red Wings in der National Hockey League [...] mehr »
Mehr Meldungen »
Jetzt meistgelesen auf VOL.AT

Sie sind bei Facebook? Wir haben etwas Besonderes für Sie ...

Wenn Sie jetzt Ihren Facebook-Account mit %s verknüpfen, haben Sie einfachen Zugang zur beliebten Kommentar-Funktion auf %s, können Artikel einfach mit Ihren Freunden teilen - und auch selbst Fotos und Artikel auf %s hochladen.

{username}


Passwort vergessen?
{username}

Bitte max. 32 Zeichen verwenden

Ihren Benutzernamen können Sie hier ändern. Wir schlagen vor, dass Sie Ihren richtigen Namen verwenden, um an Diskussionen teilzunehmen.

Muss eine gültige E-Mail-Adresse sein

Benachrichtigungen und Newsletter (falls gewollt) werden an diese Emailadresse versendet. Ihre Privatsphäre ist uns wichtig

{username}%s antworten

OK, {username} - nun ist alles eingerichtet.

OK

Der Benutzer mit dem Sie sich einlochen wollen ist noch nicht aktiviert. Bitte klicken Sie auf den Aktivierungslink den wir Ihnen an %s gesendet haben. Aktivierungsmail erneut schicken OK

Anmelden

Facebook-Benutzer?

Sie können Ihren Facebook-Account zum Anmelden verwenden:

Mit Facebook verbinden



Passwort vergessen?
Neu registrieren

Anmelden - oder ohne Registrierung diskutieren

Als VOL.AT User anmelden:




Passwort vergessen?

Unregistrierter User:

Bei unregistrierten Benutzern wird der Kommentar erst nach einer Prüfung freigeschaltet. Beleidigende, rassistische, ausfällige oder nicht themenbezogene Kommentare werden nicht veröffentlicht. Kommentare von eingeloggten Usern werden sofort veröffentlicht.

Neu registrieren



Werbung
Werbung
Werbung
Werbung