„Man weiß, wofür man es macht“

„Man weiß, wofür man es macht“
Vor sechs Jahren wagte Daniel Ender gemeinsam mit zwei Kollegen den Schritt in die Selbstständigkeit.

Wir trafen ihn zum Gespräch über Anfänge, Entwicklungen und Zukunftsvisionen.

Sie haben Ihr Unternehmen Webgears 2010 gegründet. Wie kam es dazu?
Ender: Im Grunde ist die Firma aus einem Hobby entstanden. Alexander Bitsche, Tobias Klien und ich haben zusammen als Testingenieure gearbeitet. Dabei ist die Idee Preisjäger entstanden, ein Schnäppchenportal, das wir seit 2008 nach Feierabend betreut haben. 2010 haben wir dann den Schritt gewagt, obwohl er damals noch höchst risikoreich war. Aber ich denke, dass in uns einfach eine Art Gründergen gesteckt hat. Es hat uns nicht genügt, einen Nine-to-five- Job zu machen. Wir wollten etwas Eigenes aufbauen und uns selber mehr beweisen.

Wie waren die Anfänge?
Ender: Die ersten Tage waren schon hart und intensiv, aber auch interessant. Wir konnten uns bei meiner Großmutter im Dachgeschoß einmieten. Da saßen wir dann Tag und Nacht und haben unser Gutscheinportal entwickelt.

Ein Portal, das sich enorm entwickelt hat.
Ender: Ja. Mittlerweile ist es einer der größten Online- Couponing-Portale weltweit, speziell in Deutschland, in Großbritannien und in den USA. Wir haben zwei Standorte in Götzis und Berlin, 54 Mitarbeiter und einen Umsatz von elf Millionen Euro. Schon eine rasante Entwicklung, wobei diese trotzdem hinter den Erwartungen steht. Unsere Ziele sind deutlich höher gesteckt. Aber in Summe sind wir schon stolz, dass wir das erreicht haben.

Warum Berlin?
Ender: Wir wussten immer, dass wir international erfolgreich sein wollen. Ab einem gewissen Punkt haben wir daher begonnen, das gleiche Konzept auf andere Länder zu fahren. Dazu braucht es jedoch internationales Personal. Und in Berlin ist es ziemlich einfach, Native- Mitarbeiter mit Erfahrung im Onlinebereich zu finden.

Stichwort Mitarbeiter. Wie ist die Lage diesbezüglich in Vorarlberg?
E
nder: Eher schwierig. Weil wir halt auch Fachgebiete brauchen, die hier nicht so stark ausgebildet werden. Beispiel Onlinemarketing oder Webentwicklung – das findet man noch kaum. Dabei gibt es in Vorarlberg viele motivierte Leute, man muss sie aber halt ausbilden.

Mitarbeiter finden, einstellen – auch etwas, das man als Gründer lernen muss?
Ender: Ich glaube, da muss man durch. Es war nicht immer einfach. Gerade die ersten Angestellten sind ja die wichtigsten, da darf man sich eigentlich keinen Fehltritt erlauben. Ist uns aber auch passiert. Es hängt schon davon ab, welche Unternehmenskultur man definiert und welche Strukturen man festlegt. Das haben wir auch erst lernen müssen.

Gab es auch Phasen, in denen Sie dachten: jetzt lassen wir’s?
Ender: Eher wenig. Aber ein Beispiel: Im Jahr 2014 steckten wir in einem immensen Wachstum, hatten allerdings nicht die Strukturen, um so viel Arbeit abzudecken. Das war eine Zeit, in der wir teilweise 80 Stunden in der Woche gearbeitet haben. Da hast du in stillen Momenten schon mal die Gedanken: lohnt sich der Stress überhaupt? Wir haben uns dann auch überlegt, welche Situation wir privat erreichen möchten. Letztendlich kamen wir zu dem Schluss, nicht nur im, sondern auch am Unternehmen zu arbeiten und ein Umfeld zu schaffen, in dem sich Mitarbeiter entwickeln und Verantwortung tragen können. Somit bleibt auch nicht alles an den Gründern hängen.

Ein wichtiger Tipp für potenzielle Gründer. Gibt es weitere?
Ender: Meine Sichtweise fokussiert sich natürlich stark auf Onlineunternehmen, denn da kann man mit geringstem Risiko erfolgreich sein. Ich würde raten, nichts Neues zu erfinden, sondern sich mit einem Problem zu befassen, mit dem man sich selber identifizieren kann – und zum Beispiel eine ansatzweise Lösung noch zu verbessern. Diese Idee sollte man dann pitchen, erfahrenen Leuten vorstellen und Feedback sammeln. Fällt das positiv aus, lohnt es sich, in die Richtung zu starten. Ich würde auch nicht alleine gründen, sondern mindestens mit einem Partner.

Würden Sie selbst es immer wieder machen?
Ender: Hundertprozentig. Man durchtaucht natürlich schwierige Zeiten, man wächst daran aber auch. Ich bin davon überzeugt, dass viele Vorarlberger nicht das Potenzial ausschöpfen, das in ihnen steckt. Sicher, man muss schon den Gründergeist und die Hartnäckigkeit haben – und man muss es sich selbst zutrauen. Da ist Berlin ein gutes Beispiel: dort wird man viel mehr ermutigt, das Selbstbewusstsein ist viel stärker. Alles scheint möglich zu sein. Zurück in Vorarlberg werden neue Ideen und Erwartungen dann aber schnell wieder real gesteckt.

Apropos neue Ideen: welche Zukunftsvisionen gibt es?
Ender: Seit Kurzem sind wir in zehn Ländern aktiv, das war der Plan für 2016. 2015 haben wir das Team dafür aufgebaut, haben viel in Personal und in die Entwicklung investiert. 2017 werden wir darum den Fokus darauf legen, in diesen zehn Märkten zu wachsen. Und sehr viel weiter planen wir gar nicht, weil sich der Markt sofort wieder verändert.

Webgears GmbH
Standorte: Götzis und Berlin
Gründungsjahr: 2010
Gründer: Alexander Bitsche, Daniel Ender und Tobias Klien
Produkt: Smartshopping-Portale wie Gutscheinsammler.de
Jahresumsatz: 11 Mill. Euro
Mitarbeiter: 54

Start-ups sind die Zukunft der Wirtschaft : „Sie sind jung, kreativ und pfeifen sich nichts“

Ein Plädoyer für die jungen Kreativschmieden von der Aufsichtsratschefin der ÖBB, Brigitte Ederer.

Wien. Die ehemalige SPÖ- Spitzenpolitikerin und ÖBBAufsichtsratschefin Brigitte Ederer betonte jüngst die Wichtigkeit von Start-ups in Bezug auf die Zukunft der heimischen Wirtschaft. „Die Rolle der Start-ups wird momentan unterschätzt“, sagte sie. Die großen Neuerungen und bahnbrechenden Lösungen würden wohl eher nicht von großen Konzernen geliefert werden.

Momentan unterschätzt
Die ehemalige SPÖ-Spitzenpolitikerin und ÖBBAufsichtsratschefin Brigitte Ederer betonte jüngst die Wichtigkeit von Start-ups in Bezug auf die Zukunft der heimischen Wirtschaft. „Die Rolle der Start-ups wird momentan unterschätzt“, sagte sie. Die großen Neuerungen und bahnbrechenden Lösungen würden wohl eher nicht von großen Konzernen geliefert werden. Der große Schwung werde vielmehr von Start-ups kommen. „Start-ups sind jung, kreativ und pfeifen sich nichts“, so Ederer. In großen Unternehmen fehle es an Esprit und Kreativität. Zudem dauere es zu lange, eine innovative Idee umzusetzen. Man müsse die großen aber auch mit den kleinen zusammenbringen, um positive Entwicklungen zu erreichen.

Es hapert an Risikokapital
Sie kritisierte, dass Start-ups zu wenig Mittel bekommen, um sich weiterzuentwickeln und beispielsweise Arbeitsplätze zu schaffen. Der erste Schritt, das Fördern der Gründung eines Start-ups, funktioniere zwar, sobald aber Risikokapital nötig werde, hapere es. „Wenn es um Expansion geht, mangelt es an Kapital von Privaten“, unterstrich Ederer. Würde man innovativ nachdenken, gäbe es passende Modelle. Es wäre eine Überlegung wert, über einen Österreich- Fonds zu sprechen, schlug Ederer vor. Beispielsweise könnten Private in einen solchen Fonds 10.000 Euro einlegen, die sie nach drei Jahren garantiert wieder zurückbekämen. „Ob die Rendite 1 Prozent oder fünf Prozent beträgt, kann man nicht sagen“, so Ederer – das hänge vom Erfolg der Beteiligung ab. Auch die öffentliche Hand sollte mutiger werden, was das Anwenden von Innovationen betrifft. Wenn sich innovative Lösungen am Heimmarkt beweisen könnten, „bringt das international einen großen Vorteil“.

Gründerschutz für Start-ups wird einfacher
Wien. Für österreichische Start-ups soll es in Zukunft schneller, leichter und weniger bürokratisch möglich sein, ein Patent oder eine Marke für Erfindungen und Produkte anzumelden. Infrastrukturminister Jörg Leichtfried stellte das „Gründerschutz- Paket“ vor, mit dem er innovativen Jungunternehmen unter die Arme greifen will. Es handle sich dabei um eine „ganz wichtige Initiative“ zur Unterstützung von Start-ups, sagte Leichtfried bei der Vorstellung des Maßnahmenpaketes in Wien. Durch 1000 Start-ups würden 10.000 bis 15.000 Arbeitsplätze entstehen. In Österreich werden jährlich rund 10.000 Patente angemeldet. Startups wüssten oft nicht, wie mit ihren Erfindungen umzugehen sei. Ihre Ideen werden oft geklaut, sie werden oft von Mitbewerbern abgeschossen. „Es gibt immer größere Firmen, die ein Produkt schneller umsetzen können. Solche Fälle sollten nicht mehr passieren.“

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