Machtkampf um Syrien stürzt Iran und Türkei in kalten Krieg

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Glory Days: Von trauter Einigkeit scheint nichts mehr übrig. Glory Days: Von trauter Einigkeit scheint nichts mehr übrig. - © EPA
Das Blutvergießen in Syrien verschärft auch die Spannungen zwischen der Türkei und dem Nachbarland Iran. Vertreter beider Staaten liefern sich einen Krieg der Worte, bei dem sie sich gegenseitig Kriegshetze und Waffenhilfe für ihre Verbündeten vorwerfen.

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An die Stelle der in den vergangenen Jahren beschworenen Kooperation ist ein offener Machtkampf von zwei Rivalen getreten. Es geht um die Gestaltung der künftigen politischen Landkarte in der Region.

"Türkei als nächstes dran"

Wenn Ankara weiter eine kriegshetzerische Politik der USA in Syrien unterstütze, sei die Türkei "als nächstes dran", sagte der Leiter des iranischen Militärstabs, Hassan Firouzabadi, Anfang der Woche. "Für das Blutvergießen auf syrischem Boden sind Saudi-Arabien, Katar und die Türkei verantwortlich", sagte er. Vizeaußenminister Hussein-Amir Abdollahian machte die Türkei mitverantwortlich für die Verschleppung von 47 Iranern und einem Afghanen in Syrien, weil Ankara die bewaffnete syrische Opposition unterstützt. Parlamentssprecher Ali Larijani machte deutlich, dass die USA und "einige Staaten der Region" die Reaktion auf die Verschleppung noch zu spüren bekommen.

Ankara reagierte scharf, obwohl der iranische Außenminister Ali Akbar Salehi die Äußerungen herunterspielte. Die Drohungen gegen die Türkei seien unbegründet und außergewöhnlich unangemessen, erklärte das Außenministerium in Ankara.

Massive Vorwürfe gegen Teheran

Türkische Politiker werfen der Führung in Teheran aber nicht nur ihre eisern formulierte Unterstützung für das bröckelnde Regime des syrischen Präsidenten Bashar al-Assad vor. Die jüngsten Großangriffe der PKK auf der türkischen Seite des Dreiländerecks mit dem Iran und dem Irak seien aus Teheran und Damaskus unterstützt worden. Unter den getöteten kurdischen Kämpfern seien iranische und syrische Staatsbürger. Insgesamt etwa die Hälfte der Getöteten seien keine türkischen Kurden gewesen, sagte Innenminister Idris Sahin dazu. Türkische Medien berichteten, PKK-Kämpfer seien zu den Angriffen auch aus dem Iran in die Türkei eingedrungen.

Für die Türkei zeichnen sich Umrisse des "Flächenbrandes" ab, den Ankara so fürchtet. Gleichzeitig droht Syrien - sollten die Kämpfe weitergehen - Schauplatz eines Stellvertreterkrieges zu werden, bei dem sich sunnitische und schiitische Blöcke gegenüberstehen.

Erdogan wirft Iran Undankbarkeit vor

Die Strategie des türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan, der sich in den vergangenen Jahren immer wieder schützend vor den Iran gestellt und damit westliche Verbündete mehrfach vor den Kopf gestoßen hat, gerät ins Wanken. Immer hat er die Brüderlichkeit der Muslime beschworen, als ließe sich auf dieser Grundlage auch Politik machen. In dieser Woche erinnerte Erdogan die Führung in Teheran an seine Unterstützung im Atomstreit, "als niemand zum Iran stand". Er fragt, ob die Unterstützung des syrischen Regimes, das tausende Brüder getötet habe, mit islamischen Werten zu vereinbaren sei.

Die türkisch-iranischen Flitterwochen waren von kurzer Dauer. Als Vermittler taugt die Türkei deswegen in dem Konflikt auch nur noch bedingt. "Die USA und andere Länder, die die Rebellen unterstützen, versuchen, den Iran direkt in den syrischen Konflikt hineinzuziehen und ihn auf Konfrontationskurs mit den arabischen Staaten zu bringen", erklärte der iranische Außenamtssprecher Ramin Mehmanparast.

(APA)

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