GroupGroupCombined ShapePage 1Page 1Combined ShapePage 1Triangle Fill 1BitmapFill 1Fill 1 Rectangle 9 Combined ShapeCombined ShapePage 1Page 1Page 1Page 1Page 1AAAA Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1

Die Schule kann kommen

Für die Volkschüler stand vor allem Rechnen und Schreiben auf dem Stundenplan der ehrenamtlichen Sommerschule.
Für die Volkschüler stand vor allem Rechnen und Schreiben auf dem Stundenplan der ehrenamtlichen Sommerschule. ©Marktgemeinde
30 Kinder, 14 Tage, sechs Betreuer, drei Nationen, zwei Klassen - so weit die Eckdaten eines engagierten Projektes des Lustenauer Netzwerkes für Flüchtlinge.

Lustenau. Ende August wurde in der Mittelschule Kirchdorf in Mathematik und vor allem Deutsch durchgestartet, Ziel der Sommerschule für die Flüchtlingskinder in Lustenau war ein sanfter Wiedereinstieg in die Schule.

Stolz zeigt Abudi eine Karte, die ihm von seiner Sommer-Lehrerin Gertraud Sucher zum Zeugnis gelegt wurde. „Sei weiter so fleißig”, steht dort in Schreibschrift, die den 14jährigen Syrer einige Anstrengung beim Lesen kostet, und “du kannst sicher einmal einen tollen Beruf erlernen”. Was er einmal werden möchte, weiß der aufgeweckte Junge ganz genau, Zahnarzt. Zwischen den zahlreichen Fußballspielern, Polizisten und Feuerwehrmännern eine Ausnahme, die sich allerdings durch das erklärt, was Abudi an Österreich am liebsten mag – Schokolade. “Ein wiffes Kerlchen und bei weitem nicht der einzige”, meint der ehrenamtliche Lehrer Herbert Eisen, dem man ansieht, dass ihm die letzten zwei Wochen sehr gut gefallen haben. „Es tut einfach gut, wenn man die Begeisterung der Kinder sieht.” In den Heimatländern Syrien und Afghanistan war der Schulbesuch oft nicht mehr möglich, jetzt ist der Schulbesuch für Groß und Klein ein geschätztes Privileg.

Zwei Welten in einer Klasse

Die zehnjährige stille Kamar weiß noch nicht so genau, ob sie Friseurin oder Lehrerin werden will. Schüchtern und leise erzählt sie, dass die Lehrer in Syrien nicht so nett waren wie hier. Plötzlich wird es laut im Sitzkreis, von allen Seiten und aus unterschiedlichsten Ländern kommen traurige Geschichten von Rohrstöcken, Kopfnüssen, Ohrfeigen und harten Strafen. Geschichten, die nicht nur von sehr verschiedenen Schulsystemen erzählen, sondern auch Generationen verbinden. Sigi Härle, einer der ehrenamtlichen Helfer, erzählt, wie es damals bei ihm in der Schule war, dass die Kinder die Hände ausstrecken mussten für die Tatzen mit einem dünnen Stock und dass er lieber heute in die Schule gegangen wäre. Mit großen Augen hören die oft durch Krieg und Flucht traumatisierten Kinder zu und der 14jährige Hamid aus Afghanistan spricht wohl vielen aus der Seele. “Ich mag Schokolade auch, aber in Österreich mag ich lieber Schule.” In der Pause erzählt er noch, dass er Lustenau liebt, weil er in der Nacht ohne Angst schlafen kann, aber das sollen die Kleinen nicht hören.

Erstklässler im Lesefieber

Die “Kleinen” sind in der Klasse nebenan und gerade am Rechnen, Schreiben oder Lesen. Vor allem Letzteres macht den Schülern zwischen sechs und zehn Jahren großen Spaß. Geschichten von Drachen, Hexen und Prinzessinnen begeistern Kultur übergreifend, weiß Isabelle Bodemann, die auch im Herbst wieder als Lehrerin in Dornbirn arbeiten wird, weil sie ihren Job als Berufung und weniger als Beruf sieht. Es ist das Mittelding zwischen Geben und Erhalten, das sie an der Sommerschule besonders gereizt hat. “Die Kinder sind so dankbar, dass sie lernen dürfen, sie wollen unbedingt und sind fleißig, was mir wiederum das Gefühl gibt, am richtigen Platz zu sein.” Latife ist ebenfalls am richtigen Platz. Sie ist 10 Jahre alt, kommt aus Afghanistan und ihre Antwort auf die Frage, was denn an Österreich schön ist, ist klar und deutlich: Alles.

Einmaleins und Integration

Auch für Schulärztin Gabriele Metzler waren die zwei Wochen als ehrenamtliche Lehrerin eine wertvolle Erfahrung, in der sie viel mehr sieht als nur eine Auffrischung des Lernstoffes. “Was wir hier machen, ist gelebte Integration. Wir helfen nicht nur beim Rechnen und der Rechtschreibung, sondern auch beim Sprechen.” Gerade der Smalltalk im Alltag ist für die kleinen Neo-Lustenauer eine Hürde, da sie mit dem Dialekt quasi eine zweite neue Fremdsprache lernen müssen. Doch auch das ist zu schaffen. Als der Bürgermeister zum Zeugnis verteilen gekommen ist, zeigen die Kinder, was sie können. Da wird munter drauf los gezählt, zumindest verbal „houo” gegangen und natürlich darf das „Äuoli” nicht fehlen. Die Stimmung ist ausgelassen, lachende Kinder, wohin man schaut. Zum letzten Mal werden Radiergummis gesucht, Schultaschen vertauscht, Jacken vergessen und Lehrerinnen umarmt. Beim Bürgermeister geht es förmlicher zu, per Handschlag verabschieden sich die Kinder schüchtern. “Als Vater will man sich gar nicht vorstellen, was die Kleinen zum Teil erlebt haben”, bringt Kurt Fischer die Traumata vieler Kinder auf den Punkt und gibt Abudi lachend noch eine Botschaft mit auf seinen Nachhauseweg: „Nicht zu viel Schokolade essen!”
Wer gerne ehrenamtlich Nachhilfe und Unterstützung im Schulalltag geben möchte:
Flüchtlingskoordination der Marktgemeinde
Anya Fleischmann
T +43 5577 8181-3007
anya.fleischmann@lustenau.at

 

Fill 1Created with Sketch. zurück zur Startseite
  1. VOL.AT
  2. Lustenau
  3. Die Schule kann kommen
Kommentare
Noch 1000 Zeichen