Leopold Museum zeigt Retrospektive von Bildhauer Avramidis

Vor dem Museum die Humanitassäule, drinnen die Ausstellung
Vor dem Museum die Humanitassäule, drinnen die Ausstellung - © APA
Angetrieben von der Suche nach einer “absoluten Figur”, vertrauend auf seine selbst geschaffene mathematische Konstruktionsformel, unbeirrbar und prinzipientreu arbeitete der österreichisch-griechische Bildhauer Joannis Avramidis sich am Menschen ab. Das Wiener Leopold Museum zeigt ab Freitag die erste große Retrospektive des Künstlers – ein Jahr nach seinem Tod.

Geplant wurde die Ausstellung noch zu Lebzeiten, wie Museumsdirektor Hans-Peter Wipplinger bei einer Pressekonferenz erzählte. Er habe ihn im Atelier besucht, als frisch designierter, noch nicht angetretener Direktor, seither sei ihm eine umfassende Darstellung des Werks “ein Herzensanliegen” gewesen. “Wir wollen wirklich den ganzen Avramidis zeigen, von den 50er-Jahren bis in die Gegenwart, und sein Schaffensprinzip deutlich machen.”

Denn museale Gesamtschauen gab es anderswo, in Österreich, wohin er unter Nazi-Besatzung 1943 als Zwangsarbeiter kam und wo er eine künstlerische Heimat fand, sich aber stets als entwurzelter “Hellene” begriff, bisher nicht. Zwar war er von der Republik hoch dekoriert, stellte bei der Biennale und der documenta aus und wurde immer wieder in Einzelaspekten gewürdigt – etwa im Kontext antiker griechischer Bildhauerei oder als Zeichner – doch nun kann man die hochgradig geometrischen Puzzleteile erstmals zusammensetzen.

Rund 100 Skulpturen, Zeichnungen und Gemälde umfasst die Ausstellung und sie alle basieren vor allem auf zwei Dingen: auf einem unentwegten Hinstreben zum Menschlichen – und auf der Mathematik. Seiner Methode, seinen Formeln für Kreisschnitte, Proportionsberechnungen und tektonische Aufbauten, “überantwortete er die Genese seiner Figuren”, erklärte Co-Kuratorin Stephanie Damianitsch, stets in der Überzeugung, einer natürlichen, mathematischen Ordnung des Körpers auf der Spur zu sein.

Die Verwandtschaft in der “Säulenhaftigkeit” zwischen Mensch und Baum war ihm dabei nur eine mögliche Fährte, der er detektivisch folgte, eine andere die “Bandfiguren”, mit denen er sich nach “dem radikalen Schaffen der statischen Figur, bis zum Negieren des Künstlerischen an sich” (so Avramidis über sich selbst) schließlich auch dem Prinzip der Bewegung zuwandte. “Der Schreitende”, Zielpunkt dieser Beschäftigung, gehört zu seinen bekanntesten Skulpturen überhaupt.

Nicht mehr erlebt hat Joannis Avramidis den Aufbau seiner “Humanitassäule”. Das 13 Meter hohe Werk, das als übermächtiges Ausstellungszitat im Haupthof des Museumsquartiers aufgestellt ist und durch die Fenster auch in den Schauraum hineinwirkt, besteht aus einachsig konstruierten Einzelteilen, die der Künstler selbst nie aufeinandergetürmt gesehen hat. Die Säule erstmals aufzubauen sei ihm besonders wichtig gewesen, betonte Wipplinger. Und so hat das MQ in diesem Sommer ein neues Wahrzeichen.

(APA)

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