Leopold Museum zeigt 2017 Frauenbilder, Hodler und Wurm

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Museumsdirektor Wipplinger kuratiert Ausstellungen auch selbst
Museumsdirektor Wipplinger kuratiert Ausstellungen auch selbst - © APA (AFP)
Mit den Klischees des (Neo-)Biedermeier, den Frauenbildern in der Malerei und einem umfassenden Blick auf das Oeuvre von Ferdinand Hodler geht das Wiener Leopold Museum ins kommende Jahr. Hinzu kommen weitere Einzelschauen, etwa zu Joannis Avramidis, Alfred Kubin oder Anton Kolig, wie Direktor Hans-Peter Wipplinger bei der Präsentation am Donnerstag bekannt gab.

Die erste neue Ausstellung des Jahres ist zwei Künstlern gewidmet, die auf den ersten Blick denkbar gegensätzlich erscheinen: Carl Spitzweg und Erwin Wurm. Von 25. März bis 19. Juni ist den beiden “Köstlich! Köstlich?” gewidmet, eine Auseinandersetzung mit dem Bild des (Neo-)Biedermeier und den damit verbundenen Klischees. Die Schau sei die erste umfassende zu Spitzweg in Österreich überhaupt – und das 200 Jahre nach dem Tod des deutschen Künstlers, unterstrich Wipplinger. Von Wurm wird im Dialog pro Saal ein Werk die Schau erweitern. “Ähnlich wie bei Spitzweg finden die Betrachter die Kunstwerke Wurms zunächst lustig”, so der Leopold-Chef. Dahinter stecke jedoch mehr.

Von 19. Mai bis 4. September ist dem heuer verstorbenen Bildhauer Joannis Avramidis dann die bisher größte Einzelschau in Österreich gewidmet, der sich von 22. September bis 29. Jänner 2018 eine Ausstellung mit rund 100 Arbeiten des 1950 verstorbenen Anton Kolig anschließt. “Die Bilder sind eine Augenpracht”, verspricht Kurator Franz Smola ein visuelles Erlebnis. Ab 13. Oktober folgt dann eine Retrospektive zum Jugendstilkünstler und Symbolisten Ferdinand Hodler, die abermals von Wipplinger kuratiert wird und einen Querschnitt durch das Gesamtwerk des Schweizer Malers bietet. Und ab 20. Oktober vereint “Spuren der Zeit” zeitgenössische, in Wien lebende Künstler wie Sofie Thorsen und Andreas Fogarasi.

Ganz aus Beständen des Hauses werden die “Frauenbilder” von 7. Juli bis 18. September bestückt, die Werke aus dem Zeitraum 1830 bis 1930 versammelt, die von Frauen geschaffen wurden oder die Frauen zeigen. Die Eigenaufbringung gilt auch für “Alfred Kubin” (7. Juli bis 4. September), dessen Grafiken aus der Leopold-Sammlung präsentiert werden und den Künstler als Visionär des verlorenen Individuums an der vorvergangenen Jahrhundertwende zeigen. Mit Texten von Radek Knapp wird zudem ein Blick des 21. Jahrhunderts auf Kubin geworfen.

Die Kooperationen mit den Wiener Festwochen und dem ImpulsTanz werden auch im kommenden Jahr fortgeführt. So wird das Tanzfestival eine ganze Etage im Haus von 13. Juli bis 13. August bespielen. Bereits von 18. Mai bis 18. Juni werden die Festwochen mit “The Conundrum of Imagination” unter der Kuratorenschaft von Bonaventure Soh Bejeng Ndikung im Leopold aktiv, wobei man noch nicht zu viel verraten wolle, unterstrich der neue Festwochen-Chef Tomas Zierhofer-Kin: “Das wird eines der wichtigsten und wohl auch ambitioniertesten Projekte der Wiener Festwochen 2017.”

Neu wird die Art Vienna von 23. bis 26. Februar sein, die erstmals im Haus stattfindet und einen Fokus auf Kunst des 19. bis 21. Jahrhunderts legen und 40 Aussteller im Haus versammeln soll. Veranstaltet wird die Messe vom Art&Antique-Organisator M.A.C. Hoffmann. Sie findet anstelle der bisherigen Messe “Art Austria” im Museum statt.

Aber nicht nur mit dem Blick nach vorne, sondern auch mit der Rückschau zeigt man sich im Leopold Museum zufrieden. So habe das ablaufende Jahr 2016 220 in- und externe Veranstaltungen ins Museum gebracht. “Das spricht für ein sehr aktives Haus”, zeigte sich Wipplinger überzeugt. Die Besucherzahlen blieben mit knapp 370.000 (2015: 368.128) stabil, wobei 86 Prozent der Gäste aus dem Ausland kamen und im Schnitt 42 Jahre alt waren, zitierte die kaufmännische Direktorin Gabriele Langer aus einer Erhebung. Die Sponsoringeinnahmen seien um 42 Prozent auf über 350.000 Euro gesteigert worden.

Zu den Erfolgen des Jahres zähle etwa auch die Einigung mit den Erben im Restitutionsfall Mayländer im April. “Wir haben mittlerweile eine hervorragende Gesprächsebene mit der Kultusgemeinde”, unterstrich Wipplinger in diesem Zusammenhang. Einen kleinen Blick auf 2018 gab dabei Haus-Doyenne Elisabeth Leopold. So plane man unter dem derzeitigen Arbeitstitel “Erinnerung” eine Ausstellung zu den emigrierten und ermordeten Künstlern nach dem Einmarsch Hitlers in Österreich, in deren Rahmen auch eine Veranstaltung zum Werk Jura Soyfers geplant sei: “Das ist für mich persönlich eine ganz wichtige Angelegenheit.”

(APA)

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