Lehrlinge: Auch Vorarlberger Industrie beklagt Qualitätsmangel

Von Markus Sturn (VOL.AT)
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Lehrling bei der Firma Grass Lehrling bei der Firma Grass - © VN/ Roland Paulitsch
Schwarzach – In Vorarlberg sind mehr Lehrstellen offen, als es Jobsuchende gibt. VOL.AT sprach mit vier großen Unternehmen über ihre Probleme, die richtigen Jugendlichen für ihre Ausbildungsplätze zu finden.

Vor allem bei den Grundkompetenzen Lesen, Schreiben und Rechnen stellen viele Firmen derzeit Defizite fest. Den Jugendlichen fehlt es aber oft auch am notwendigen „Hausverstand“, wie etwa Lars Heine zu berichten weiß. Heine ist Leiter der Personalentwicklung der Firma Grass. Einen wesentlichen Grund für die bestehenden Schwächen sieht er im schlechten Ruf der Lehre. Den Kindern werde bereits früh eingetrichtert, dass nur ein AHS-Abschluss auf eine erfolgreiche berufliche Laufbahn vorbereiten kann. Während die allgemeinbildenden Schulen gefördert werden, kommen Hauptschulen und polytechnische Lehrgänge zu kurz. Ein Fehler, wie Heine meint. Denn die zunehmende Spezialisierung der Lehre wird den Bedarf an engagierten jungen Menschen in Zukunft noch steigern.

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Großes „G‘riss“ um die klügsten Köpfe   

Uwe Breuder, Personalchef der Firma Alpla am Standort Hard, sieht das ähnlich. Ein besonderes Problem besteht für ihn im „G‘riss“ um die besten Lehrlinge im Land. Die Klügsten und Talentiertesten unter den Jugendlichen können sich ihre Stelle quasi aussuchen. Um diese relativ kleine Personengruppe kämpfen derzeit gleich mehrere Großunternehmen im Land. Hinter dieser Spitzengruppe lässt die Qualität aber leider zu wünschen übrig. Tatsächlich würden die Ergebnisse bei den jährlich stattfindenden Eignungstests immer schlechter, so Breuder.

Zu den ganz Großen im Land zählt zweifellos die Firma Doppelmayr. Zwar habe man heuer alle Wunschkandidaten erhalten, wie Ausbildungsleiter Georg Dür berichtet. Jedoch stellt auch er einen schleichenden Qualitätsverlust bei den Bewerbern fest. Verantwortlich dafür macht er unter anderem die demographische Entwicklung. Zukünftig wird es noch weniger 15-Jährige im Land geben. Und deren Leistungskurve zeige eindeutig nach unten.

Alles nur eine selbsterfüllende Prophezeiung?

Otto Bechter ist Ausbildungsleiter bei der Firma Zumtobel am Standort Dornbirn. Die Argumente der Kollegen kann er nicht ganz nachvollziehen. Das Gerede von den „schlechten“ Lehrlingen ist für ihn nichts weiter als selbsterfüllende Prophezeiung. Die jungen Leute würden so lange schlecht gemacht, bis man überall nur mehr faule und dumme Jugendliche sehe. In Wirklichkeit weise die Jugend heutzutage bemerkenswerte Fähigkeiten – etwa im Bereich der Elektronik – auf. Was die Auswahl der Lehrlinge angeht, bestreitet man bei Zumtobel ohnehin einen Sonderweg. Anstatt der branchenüblichen Eignungstests setzt man auf Gespräche mit den Kandidaten und ihren Eltern. Entscheidend seien zwei Fragen: „Was kannst du gut? Was tust du gern?“ Dann versucht man, die Stärken der Jugendlichen zu fördern, statt ständig nur auf die Schwächen zu schielen.

Ort: Grass Platz 1, 6973, Höchst
Mitarbeiter:
Umsatz:
Webseite: http://www.grass.eu

Die GRASS Gruppe zählt zu den international führenden Herstellern von Möbelbeschlägen und Verarbeitungsmaschinen seit mehr als sechzig Jahren. Führungs- und Scharnier-Systeme von GRASS bewegen die Möbel wohlbekannter, industriell gefertigter Premium-Marken und jene des hochstehenden Handwerks. Die Marke GRASS steht für richtungsweisende Produktentwicklungen, höchste Qualität, technische Präzision, progressives Design und vorbildlichen Umweltschutz.
Ort: Mockenstraße 34, 6971, Hard
Mitarbeiter:
Umsatz:
Webseite: http://www.alpla.com

Im Jahr 1955 gründeten Alwin und Helmuth Lehner in der Waschküche des Vaters in Hard/Vorarlberg eine Firma. Damit war der Grundstein für ein Familienunternehmen mit ungewöhnlichem Erfolg gelegt. Heute steht der Name ALPLA weltweit für Kunststoffverpackungen höchster Qualität. Rund 16.000 Mitarbeiter produzieren an 154 Standorten in 40 Ländern Qualitätsverpackungen für Marken der Nahrungs- und Getränkeindustrie, Kosmetik- und Reinigungsindustrie und Öl- und Schmiermittelindustrie. Das Produktsortiment von ALPLA beinhaltet Flaschen, Preforms (Vorformlinge für PET-Flaschen), Verschlüsse vom Design bis zur fertigen Verpackung. ALPLA bietet als Systemlieferant von Kunststoffflaschen mit Verschluss die Möglichkeit, komplette Verpackungslösungen aus einer Hand zu erhalten. 1955 Gründung der Alpenplastik Lehner Alwin GmbH (Hard, Österreich) . 1956 Übergang von der reinen Spritzguss- zur modernen Blasformtechnologie . 1964 Erste ALPLA Niederlassung außerhalb Österreichs (Markdorf, Deutschland) . 1968 Erstes ALPLA Werk in Lateinamerika (San Joaquín, Venezuela) . 1975 Insgesamt 6 ALPLA Niederlassungen in 3 Ländern mit rund 1.200 Beschäftigten . 1985 Erstes ALPLA Werk mit In-house-Produktion (Lomazzo, Italien) . 1988 Eröffnung ALPLA Global Technical Center (Hard, Österreich) . 1990 Expansion nach Osteuropa (Ungarn, Polen, Tschechische Republik, Russland) . 1995 29 Niederlassungen in 15 Ländern mit rund 3.000 Beschäftigten . 1995 ISO-Zertifizierung . 2001 Erstes ALPLA Werk in den USA (Atlanta, Georgia) . 2001 Erstes ALPLA Werk in Asien (Bangkok, Thailand) . 2007 Eröffnung 100. ALPLA Werk (Tianjin, China) . 2010 Übernahme des Mehrheitsanteils der österreichischen PET Recycling Team GmbH (PRT) . 2012 148 Niederlassungen in 39 Ländern mit rund 13.000 Beschäftigten
Ort: Rickenbacher Straße 8-10, 6960, Wolfurt
Mitarbeiter:
Umsatz:
Webseite: http://www.doppelmayr.com

Als Qualitäts-, Technologie- und Marktführer im Seilbahnbau betreibt Doppelmayr/Garaventa Produktionsstandorte sowie Vertriebs- und Serviceniederlassungen in mehr als 35 Ländern der Welt. Bis heute realisierte das Unternehmen über 14.600 Seilbahnsysteme für Kunden in 89 Staaten. Mit Flexibilität, Know-how und Pioniergeist ist die Gruppe allen Herausforderungen in traditionellen und neuen Märkten gewachsen. Mit innovativen Transportsystemen setzt Doppelmayr/Garaventa immer wieder Maßstäbe: höchster Komfort und Sicherheit definieren unsere Anlagen – sowohl in Sommer- und Wintertourismusgebieten als auch im urbanen Personennahverkehr. Ebenso überzeugen unsere Materialtransportsysteme und Seilbahnen für präventive Lawinenauslösung mit Effizienz und Leistungsstärke. Saisonübergreifende Gesamtnutzungskonzepte runden das umfassende Angebot ab.
Ort: Höchster Straße 8, 6850, Dornbirn
Mitarbeiter:
Umsatz:
Webseite: http://www.zumtobelgroup.com

Die Zumtobel Group AG mit Konzernsitz in Dornbirn, Vorarlberg (Österreich), zählt zu den wenigen Global Playern der Lichtindustrie. Die Unternehmensgruppe, die aus der 1950 gegründeten Elektrogeräte und Kunstharzpresswerk W. Zumtobel KG hervorging, beschäftigte zum Bilanzstichtag 30.04.2015 7.234 Mitarbeiter (VJ: 7.291) und erzielte im Geschäftsjahr 2014/15 einen Umsatz von 1.312,6 Mio EUR (VJ: 1.246,8 Mio EUR). Der Lichtkonzern verfolgt eine Mehrmarkenstrategie: Im Geschäft mit professionellen Leuchten und Lichtlösungen tritt das Unternehmen mit den Marken Zumtobel und Thorn auf. Das Geschäft mit Lichtkomponenten (Betriebsgeräte, Lichtmanagement, LED-Komponenten/Module) geschieht durch die Marke Tridonic. Das Geschäftsjahr der Zumtobel Group AG läuft vom 1. Mai bis 30. April. Weitere Informationen unter www.zumtobelgroup.com


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