“Lady Eats Apple” in Wien: Tod, Leben und das Dazwischen

“Elch”, “Eichhörnchen”, ruft Gott und erschafft die Tiere. Genauso wie die Kartoffel und schließlich Man und Lady, Adam und Eva. “Gut”, lobt ihn sein Mentor. In dem Theaterstück “Lady Eats Apple”, das am Mittwoch im Rahmen der Wiener Festwochen Premiere feierte, trägt Gott Jogginghose und Hipsterbart. Er ist nicht souverän und weise, sondern unbeholfen, jähzornig und gleichzeitig warmherzig.

Das Gastspiel im Theater an der Wien bietet ein ungewöhnliches und beeindruckendes Theatererlebnis: Bühne und Zuschauerraum sind in ein aufblasbares Zelt gehüllt, das im Lauf der Vorstellung spektakulär Schicht für Schicht fällt. Die Produktion des australischen Back to Back Theatres arbeitet mit Performern mit und ohne geistige Behinderung.

Das Publikum nimmt nicht den üblichen Saaleingang, sondern wird vermeintlich in den Keller des Gebäudes geführt, wo es sich durch eine schmale Öffnung des Zelts in den Zuschauerraum zwängt. Der Ton wird über Kopfhörer übertragen, was das Atmen der Darsteller, das Schmatzen beim Essen der verbotenen Frucht und den fast geflüsterten Dialog des Liebespaars (Simon Laherty und Sarah Mainwaring) – auch wenn es sich am anderen Ende des Saals befindet – deutlich hörbar macht.

In dem nur 75 Minuten langen Stück, das in Zusammenarbeit zwischen Regisseur Bruce Gladwin und den Ensemblemitgliedern erarbeitet wurde, werden das Sterben, die Zwischenwelt zwischen Leben und Tod, aber auch der hürdenvolle Alltag von Menschen mit Behinderung thematisiert. “Du behandelst mich wie einen Trottel”, wirft Gott (Scott Price) seinem Mentor (Brian Lipson) vor. Trotz der ernsten Themen kommt der Humor nicht zu kurz: “Du hast ihn nach deinem Abbild erschaffen”, kommentiert der Mentor die Schaffung von Adam (Mark Deans). “Nein, er ist kleiner”, antwortet Gott.

Effektvoll ist der zweite Akt, der ganz ohne Schauspieler auskommt. Im abgedunkelten Saal ertönen Stimmen aus dem Off, die von Nahtoderfahrungen berichten. Mit Projektionen auf die Zeltdecke und Musik wird nachempfunden, was sie erzählen. “Ich fing tatsächlich an, mich zu entspannen, und in der Ferne sehe ich ein kleines Licht, keinen Lichtpunkt, sondern ein Glühen, ein winziges kleines Glühen”, sagt die Stimme.

Als die letzte Stoffhülle fällt, blickt das Publikum, das erkennt, dass es sich auf der Bühne befindet, plötzlich auf den prachtvollen, hell erleuchteten Zuschauerraum des Theaters. Im dritten Akt werden die Ensemblemitglieder auf den harten Boden der Realität geholt. Sie saugen die oberen Ränge des Theaters, ein strenger Aufseher (Romany Latham) macht den Putztrupp herunter. “Du bist ein 46-jähriger Mann mit Downsyndrom, der noch nie Auto gefahren ist”, verweigert er die gewünschte Beförderung. Auch eine Liebesbeziehung sei “unpassend”, wird erklärt. Auf dem Boden liegt der Mentor aus dem ersten Akt, er ist bewusstlos. “Entspannen Sie sich, wir kümmern uns um Sie”, sagt Sarah sanft zu ihm und spannt damit den Bogen zum Beginn des Stücks, als sie den Satz an die Zuschauer richtete.

(APA)

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