Kunsthalle Wien fragt nach Möglichkeiten des Zusammenlebens

Die Kunsthalle setzt 2017 auf Themen, die beschäftigen
Die Kunsthalle setzt 2017 auf Themen, die beschäftigen - © APA
Die Kunsthalle Wien fragt mit ihrem Programm 2017 nach Möglichkeiten des Zusammenlebens in einer Gesellschaft unterschiedlicher Herkünfte und Wertehaltungen. Neben der Themenschau “How to live together”, die Leiter Nicolaus Schafhausen kuratiert, gibt es Ausstellungen zum Thema des Poetischen und der Arbeitswelt sowie Personalen zu Marcel Odenbach, Camille Henrot, Florian Hecker und Ineke Hans.

2017 wolle man fortfahren, “Themen, die uns schon länger beschäftigen, zu untermauern”, so Schafhausen bei der Jahrespressekonferenz am heutigen Mittwoch. Und: “Wir laden unser Publikum noch direkter ein, die Verschiebungen in der Kunstlandschaft zu begleiten.” Das Vermittlungsprogramm, vor allem für die wichtigste Kunsthallen-Zielgruppe der Jugendlichen und jungen Erwachsenen, wird noch weiter ausgebaut, dazu gibt es eine neue Serie von Vortrags- und Seminarreihen.

Den Ausstellungsreigen des Jahres eröffnet der deutsche Videokünstler Marcel Odenbach. “Beweis zu nichts”, ein Zitat aus einem Ingeborg-Bachmann-Gedicht, heißt nicht nur die Ausstellung, sondern auch ein neuer Film, den Odenbach über das Buchenwald-Mahnmal gedreht hat. Kuratorin Vanessa Joan Müller versprach “visuell verführerische Arbeiten” statt einer “Geschichtsstunde im Filmformat”.

Anstatt sich dem Trend zu Poesie-Ausstellungen anzuschließen, hat man in der Kunsthalle beschlossen, es “komplizierter” zu machen, erläuterte Müller zur zweiten Ausstellung, die unter dem Titel “Mehr als nur Worte (Über das Poetische)” dem Diktum von der Poetischen Funktion der Sprache des Linguisten Roman Jakobson gewidmet ist. Die erste österreichische Einzelausstellung von Camille Henrot wird am 22. März in der Kunsthalle Karlsplatz eröffnet – die Künstlerin, die 2013 den Silbernen Löwen der Biennale Venedig als beste Nachwuchskünstlerin erhielt, wird in “If Wishes Were Horses” mit einer Intervention auf den Ort reagieren und dabei “einen Proberaum einrichten, an dem jeder seinen eigenen Platz finden muss”, so Kurator Luca Lo Pinto.

Mit “How to live togehter” widmet man sich “dem alles überschattenden Thema, wenn man mit jungen Künstlern arbeitet”, erklärte Schafhausen. Das schwierige Zusammenleben mit unterschiedlicher Herkunft, Religion oder sexueller Orientierung und die daraus resultierenden Ängste würden von “sehr sehr vielen” Künstlern bearbeitet, er habe sich aber bei der Auswahl gefragt: “Was davon kann man lesen?” Entstanden sei so eine Sammlung von “Zeugnissen kollektiver und individueller Erfahrungen, von Flucht, Migration, Ausgrenzung aber auch von Solidarität und Vielfalt”, mit Künstlern, die aus aller Welt stammen und sich als “präzise Beobachter ihrer Zeit” erwiesen.

Der Beitrag der Kunsthalle zur Vienna Biennale – “Work it, feel it” – beschäftigt sich mit den Auswirkungen von Automatisierung und Digitalisierung auf die Arbeitswelt und fokussiert dabei nicht zuletzt auf den menschlichen Körper, der in einem kompetitiven Arbeitsmarkt immer stärker “als eigenes Produkt vermarktet” werden muss. Ebenfalls in der Kunsthalle am Karlsplatz richtet ab 27. September die niederländische Designerin Ineke Hans ihre neuen Arbeiten ein, die mit dem Titel “Was ist Loos?” nicht nur nach der Gegenwartsrelevanz von Design fragen, sondern dabei durchaus auch an Wiener Designgeschichte anknüpfen. Einen Stuhl wird Hans dabei auch gemeinsam mit dem Möbelhersteller Thonet entwerfen.

Bereits für das Vorjahr angekündigt war die Einzelausstellung von Audiokünstler und documenta-Teilnehmer Florian Hecker, sein ursprüngliches Projekt konnte wegen feuerpolizeilichen Komplikationen aber nicht realisiert werden. Nun hat er für den Spätherbst eine neue Komposition geplant, die die Halle nicht nur akustisch sondern auch szenisch durch sich verändernde Kulissen bespielen wird.

(APA)

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