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“Kraftwerke sind die Kür”

2005 wurde das über 100 Jahre alte Kraftwerk Rieden – auf Berechnungen von Dietmar Gmeiner basierend – völlig neu errichtet. 2005 wurde das über 100 Jahre alte Kraftwerk Rieden – auf Berechnungen von Dietmar Gmeiner basierend – völlig neu errichtet. - © VN/Matt
von VN/Thomas Matt - Bregenz – Projektleiter des geplanten Kraftwerks Bregenz ist der Statiker Dietmar Gmeiner.

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Wenn Dietmar Gmeiner auf dem vergitterten Steg über den Wasserkanal läuft und wenig später vor der surrenden Kaplanturbine des Kraftwerks Rieden steht, das dem fließenden Wasser jährlich 5,9 Millionen Kilowattstunden Strom abtrotzt, darf er sich denken: mein Werk. Er hat die Statik berechnet. Das hat der Hohenemser studiert. Andere Bauten empfindet er alltäglich, „Kraftwerke hingegen sind die Kür“. Wenn er in seiner zweiten Funktion bei der illwerke-vkw-Gruppe regelmäßig den Zusammenhalt gewaltiger Staumauern im Auge behält, ist das nur konsequent. Elf Semester hat er gebraucht bis zur Diplomarbeit. Dabei war anfangs gar nicht klar, dass es den BORG-Schoren-Absolventen ins Bauingenieurswesen zieht. Mathematik war angedacht und auch Physik. Aber während seiner Militärzeit in Kufstein haben ihm Kollegen, die schon in den Hörsälen der Technischen Uni Innsbruck saßen, den Mund wässrig gemacht.

Projektleiter für Bregenz

Heute beugt sich der 48-jährige zweifache Familienvater im Großraumbüro im Bregenzer Weidach nach vorn und fügt dem 3D-Modell am Computer noch diese und jene Finesse hinzu und rechnet. Wenn er nicht gerade Sitzungen der verschiedenen Unternehmen koordiniert, die im Dienst der illwerke vkw dieser Tage den Boden für die neuen Bregenzer Kraftwerkspläne bereiten. Die Einflüsse aufs Grundwassers beschäftigen den Projektleiter des Kraftwerks Bregenz derzeit am meisten. Wird doch tief im Erdreich unter Bregenz, Lauterach, Wolfurt und Hard ein womöglich noch viel ertragreicherer Grundwasserstrom erhofft als ursprünglich angenommen. Oberirdisch plagt ihn die Frage, ob die Leitungen mit bis zu 6,5 m Durchmesser, die das benötigte Wasser verwinkelt am Natura-2000-Gebiet vorbei zum Krafthaus führen müssten, dem Druck auch standhielten. All das will erst in Zahlen gegossen werden. Wo andere nur Ziffern und Vorzeichen erkennen, sieht Gmeiner die späteren Bauwerke in Funktion. Der Pager liegt dabei immer griffbereit neben der Tastatur.

Sensible Daten

„Wir sind zu viert. Eine Woche pro Monat hat jeder von uns Bereitschaftsdienst in der Talsperrenüberwachung.“ Ob Kops, Silvretta, Lünersee oder Vermunt – es gilt, von Montag bis Montag zehn große und noch einmal so viele kleinere Talsperren zu kontrollieren. Meist muss er dafür nicht vor Ort. Das war zuletzt 2005 beim großen Hochwasser nötig, als Sensoren am Speicher Bolgenach Erosionserscheinungen meldeten. Wenn freilich die Messgeräte aller Vorarlberger Staumauern gleichermaßen ausschlagen, steckt meist ein weiter entferntes Ereignis dahinter. So hat Gemeiner u. a. als einer der ersten Vorarlberger vom Erdbeben im japanischen Fukushima erfahren, weil nicht nur das 100 Meter lange Gewichtslot innerhalb der Staumauer des Lünersees in Bewegung kam. Geophysikalische Weltereignisse hinterlassen auch in Vorarlberg ihre Spuren. Das wird alles exakt von Menschen wie Dietmar Gmeiner registriert.

Zur Person

Dipl.-Ing. Dietmar Gmeiner ist Projektleiter für das geplante Kraftwerk Bregenz
Geboren: 1963 in Hohenems
Ausbildung: BORG Schoren, Studium „Konstruktiver Wasserbau und Baustatik“ an der Technischen Universität Innsbruck
Laufbahn: Zwei Jahre in Dornbirner Zivilingenieursbüro, als Statiker seit 1989 bei den VKW, jetzt illwerke-vkw-Gruppe
Familie: verheiratet, zwei Söhne

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