Konsum-Metropole Mailand: Wo der Kapitalismus dem Volk den Mittelfinger zeigt

Von David Mayr
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Die Mittelfinger-Skulptur von Maurizio Cattelan vor der Börse in Mailand.
Die Mittelfinger-Skulptur von Maurizio Cattelan vor der Börse in Mailand. - © VIENNA.at/David Mayr
Vor Jahren sorgte die L.O.V.E.-Skulptur des streitbaren Künstlers Maurizio Cattelan für eine Kontroverse in der Mode-Metropole Mailand. Mittlerweile gehört der überdimensionale Mittelfinger zum Stadtbild und ist als antikapitalistisches Statement an einem symbolträchtigen Ort zur Touristenattraktion geworden.

Groß war die Aufregung in Mailand, als Maurizio Cattelan im Jahr 2010 sein neuestes Kunstwerk für die Stadt enthüllte. Bürgermeisterin Letizia Moratti traute ihren Augen kaum, als sie sah, welche Art Skulptur sich hinter der Bezeichnung “L.O.V.E.” tatsächlich verbarg.

Eine elf Meter hohe Hand aus Marmor, die ihren ausgestreckten Mittelfinger dem Mailänder Himmel entgegenstreckte. Das Kürzel steht für die Begriffe “libertà”, “odio”, “vendetta” und “eternità” – also Freiheit, Hass, Rache und Ewigkeit.

“Il dito”: Statement vor der Börse in Mailand

Während “Il dito”, “der Finger”, wie das Kunstwerk umgangssprachlich von den Milanesi genannt wird, zunächst nur für ein paar Monate in der lombardischen Hauptstadt ausgestellt werden sollte, entscheid sich Morattis Nachfolger, der aktuelle Bürgermeister Giuliano Pisapia, die Skulptur dauerhaft von Cattelan zu übernehmen. Sehr zum Ärger der Banker. Denn als Standort für seinen Stinkefinger wählte der Künstler ausgerechnet die Piazza degli Affari, jenen Platz, der die Mailänder Börse beherbergt.

Bemerkenswert ist die Positionierung der Skulptur. “Il dito” zeigt den Mittelfinger nämlich nicht dem Aktienmarkt, sondern ist genau in die entgegengesetzte Richtung aufgestellt – als würde die Börse dem Volk den Mittelfinger zeigen. Ein klares Statement Cattelans gegen den Kapitalismus, und das in einer Stadt, in der Geschäfte der teuersten Modelabels aneinandergereiht ganze Straßenzüge füllen.

Der Künstler aus Padua, in der Nähe Venedigs, bezeichnet sein Werk jedoch als “Geste der Liebe”. Immer wieder hatte der 56-Jährige mit seinen Arbeiten provoziert. Etwa mit “La Nona Ora”, einer lebensgroßen Statue von Papst Johannes Paul II, der von einem Meteoriten getroffen wurde, oder mit “Him”, einem knienden Abbild Adolf Hitlers mit gefalteten Händen.

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