Insolvenzen in Vorarlberg auf gleichbleibend tiefem Niveau

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Die Vorarlberger Wirtschaft zeigt sich stabil. Die Firmeninsolvenzen verharren zum Halbjahr auf dem tiefen Wert des Vorjahres. Bei Privatinsolvenz verzeichnet Vorarlberg einen Rückgang von rund 45 Prozent zum Halbjahr 2017. Viele private Schuldner spekulieren auf die versprochenen Erleichterungen der Insolvenznovelle, wie der KSV 1870 in einer Aussendung berichtet.

Im ersten Halbjahr 2017 sind 70 Vorarlberger Unternehmen von einer Insolvenz betroffen, genau gleich viele wie im Vorjahr. Von diesen 70 Insolvenzen konnten 31 Verfahren mangels Vermögen nicht eröffnet werden. Bei den Verbindlichkeiten verzeichnet Vorarlberg hochgerechnet auf das Halbjahr einen Rückgang von 39,3 Prozent auf rund 17 Millionen Euro. Der Trend, dass von einer Pleite hauptsächlich kleine Dienstleistungsunternehmen und kleine Gewerbebetriebe betroffen sind, setzt sich auch im ersten Halbjahr 2017 fort, wie der KSV 1870 berichtet.

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Am deutlichsten wird diese Entwicklung beim Rückgang der Passiva. Bei den Branchen führen wiederum das Gastgewebe und die unternehmensbezogenen Dienstleistungen die Liste der Pleiten an. Der Grund dafür sind laut KSV die vielen Unternehmen in diesen Branchen und die geringen Hürden für die Gründung. Verantwortlich für den starken Anstieg bei den von einer Insolvenz betroffenen Dienstnehmern sei die Insolvenz von Schuh & Schuh PKTS GmbH mit 244 Dienstnehmern. In diesem gescheiterten Sanierungsverfahren bestehe jedoch für rund 100 Dienstnehmer eine realistische Möglichkeit am selben Standort von den neuen Einzelhändler übernommen zu werden.

Im Allgemeinen rechnet man beim KSV für das Gesamtjahr 2017 mit nahezu unveränderten Zahlen bei Unternehmens-Pleiten wie im Jahre 2016. Laut KSV stehe man an der Schwelle einer Konjunkturbelebung. Sollte sich das gegenwärtige Wachstum der Wirtschaft noch drei bis vier Quartale halten lassen, würden die Zinsen wieder auf ein normales Niveau ansteigen, so die Prognose der KSV-Experten. Frühestens 2018 werde die Entwicklung aber zu spüren sein.

Privatinsolvenzen: Rückgang von 49 Prozent

In den ersten sechs Monaten wurden 106 Schuldenregulierungsverfahren an den Vorarlbergern Bezirksgerichten eröffnet. Im Vergleich zum Vorjahr sind dies rund 49 Prozent weniger. Der Grund für diesen Rückgang ist nicht in der verbesserten Situation der Schuldner zu suchen, sondern darin, dass die Schuldner laut KSV “rechtswidrig zuwarten und auf die Einführung der neuen Bestimmungen in der Privatinsolvenz spekulieren”. Der wichtigste Punkt der neuen Regelung sehe vor, dass sich Schuldner im Abschöpfungsverfahren innerhalb von drei Jahren ohne jegliche Quotenerfordernis entschulden können.

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Es sei fraglich, ob dieses neue Verfahren tatsächlich die Zielgruppe der Leistungsschwachen in das Verfahren bringen werde, oder ob es jenen, die heute unter einem Leistungs- und Anspannungsprinzip ihre Schulden regulieren müssten, einen leichten Ausweg bieten wird. In Deutschland, das gerne als Beispiel herangezogen werde, habe es niemals eine Richt-Mindestquote gegeben und es würden auch nicht mehr Schuldner entschuldet als (durchgerechnet) bei uns, so der KSV via Aussendung.

Und der KSV mit deutlicher Kritik: “Diese Novelle wird Gläubigern und Gerichten viel Mehrarbeit bringen und die Quotenrückflüsse der Gläubiger massiv reduzieren. Das scheint das dahinter stehende antikapitalistische Kalkül der Sozialpolitik zu sein: statt Schulden zu tilgen, sollen Schuldner das Geld lieber in Konsum stecken. Am Schluss wird und muss der Markt die Verluste einpreisen und alle redlich bemühte Kreditnehmer werden mit höheren Zinsen dafür bezahlen.”

Doch noch mehr: Der KSV vergleicht die Situation mit einem “Tsunami”, der das Meer zuerst zurückweichen lasse. Man geht davon aus, dass die rückläufigen Zahlen zu einem “Backlash” im zweiten Halbjahr führen würden. Die Gesamtinvsolvenzen würden sich letztlich auf dem Niveau von 2016 bewegen, also etwa 373 Verfahren in Vorarlberg.

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