Thomas Haunschmid ist Botschafter in humanitärer Sache. - © VOL.AT/Hartinger
Care: Nach Ende des Zweiten Weltkrieges stand dieser Begriff für eine Welle der Hilfsbereitschaft, begründet durch 22 private Organisationen in Amerika. Mit Lebensmittelpaketen linderten sie die größte Not der Menschen in Europa. Rund 100 Millionen sogenannter Care-Pakete wurden verteilt, davon rund eine Million allein in Österreich. Care-Pakete gibt es immer noch, vorrangig in der Notfallhilfe. Heute steht Care jedoch für mehr, nämlich für Entwicklungszusammenarbeit auf breiter Ebene. Die kommunikativen Fäden bei Care Österreich zieht seit Kurzem ein Vorarlberger. Mag. Thomas Haunschmid hat sein freies Journalistendasein gegen eine fixe Stelle eingetauscht. „Weil ich Entwicklungszusammenarbeit trotz aller Kritik für sinnvoll halte und humanitäre Hilfe sowieso“, wie er sagt.
Derzeit weilt Thomas Haunschmid nicht nur deshalb in Vorarlberg, weil sein siebenjähriger Sohn am Bödele das Skifahren lernt. Er ist auch in buchstäblich fürsorglicher Mission unterwegs. Care soll im Westen bekannter werden. „Es gibt ein klares Ost-West-Gefälle“, bestätigt Haunschmid. Mit dem Pilotprojekt „Care West“ will er das ändern. Geplant sind verschiedenste Aktivitäten wie Lesungen, Theater oder Sponsoring, deren Konzeption der Bregenzer Werbeagentur „Silberball“ obliegt. Der studierte Ethnologe macht kein Hehl daraus, dass es auch um die Steigerung des Spendenaufkommens geht. Unterstützung, wie sie Care den Menschen in Afrika, Asien und im Südkaukasus auf Basis von Hilfe zur Selbsthilfe zukommen lässt, kostet Geld. Aber: „Entwicklungszusammenarbeit ist eine Notwendigkeit und eine Verantwortung, die Österreich übernehmen sollte“, meint Thomas Haunschmid.
Care selbst stellt sich dieser umfänglich. Obwohl längst nicht so bekannt wie Caritas oder Rotes Kreuz, rangiert Care Österreich bei der Umsetzung von Projekten an erster Stelle. Rund 17 Millionen Euro flossen 2010 in die Katastrophen- bzw. Entwicklungshilfe. Der Großteil sind EU-Gelder, 24 Prozent stammen aus Privatspenden. Weltweit agiert Care in 87 Projektländern. Gefragt ist auch die Fachmeinung von Care-Mitarbeitern. Bei den Vereinten Nationen etwa haben sie Beraterstatus. Ein Grund dafür ist nach Ansicht von Thomas Haunschmid die kirchliche und politische Unabhängigkeit, für die Care steht. Dass der Popmusik-Fan und Hobby-DJ bei Care berufliche Bodenhaftung fand, kommt nicht von ungefähr. „Mein Spezialgebiet als Journalist waren Geschichten aus schwierigen sozialen Milieus“, erzählt Thomas Haunschmid. Sogar auf seinen vielen Reisen hat er sich immer wieder mit Randgruppen beschäftigt. Auch beim Spenden zeigte er sich nie kleinlich, und ehrenamtliche Arbeit ist für ihn ebenfalls nichts Fremdes. Im Kosovo beispielsweise spielte er mit Gleichgesinnten Fußball für den Frieden. Ein Film entstand, aus dem wiederum Hilfe für die dortigen Menschen lukriert werden konnte.
Schwerpunkt der momentanen Arbeit ist die Förderung der Gleichberechtigung von Frauen und Mädchen in den Projektländern. Ein kühnes Vorhaben, das weiß auch Thomas Haunschmid. Denn die Männer müssen mitspielen. Ausgeprägte patriarchalische Strukturen aufzubrechen ist nicht eben einfach, doch jeder kleine Erfolg eine Motivation. Wie nachhaltig das Care-Konzept funktioniert, zeigte sich übrigens erst unlängst wieder. In Deutschland tauchte in einem Uralt-Care-Paket eine Schmalzdose auf. Die lebensmitteltechnische Überprüfung ergab, dass der Inhalt noch genießbar war. „Care nützt“, merkt Haunschmid schmunzelnd an.
Mag. Thomas Haunschmid
Geboren: 3. April 1967 in Höchst
Wohnort: Wien
Familienstand: Lebensgefährtin, 3 Kinder
Beruf: Kommunikationsmanager
Hobbys: Reisen, Fußball, Popmusik
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