“I Am From Austria” zeigt sich als üppiger Hit-Slalom

Perman und Flury mimen ein Liebespaar
Perman und Flury mimen ein Liebespaar - © APA
“I Am From Austria” – so viel steht fest. Das neue Stück aus der Musical-Schmiede der Vereinigten Bühnen Wien strotzt nur so vor Lokalkolorit. Den rasanten Slalom rund um die Greatest Hits von Rainhard Fendrich hat es allerdings mit viel Tempo, genug Selbstironie und einer kräftigen Portion Schlagobers gemeistert: bei der Uraufführung am Samstagabend gab es Jubel und Ausgelassenheit.

Seichte Story? Geschenkt! Peinliche Plot-Devices? Unbedingt! Bitterböser Fendrich-Schmäh mit ironiefreiem Glitzer-Topping? Logisch. Wer hätte etwas anderes erwartet? Rainhard Fendrich möglicherweise, der der Premiere trotz Beteuerung guter Freundschaft ferngeblieben ist – und damit düstere Erwartungen geweckt hat. Die haben sich aber nicht über Gebühr bestätigt. Denn die Macher hinter dieser ebenso lauen wie lustvoll übertriebenen Revue – Titus Hoffmann und Intendant Christian Struppeck zeichneten für das Buch, Andreas Gergen für die Regie verantwortlich – haben Mut zur Durchschaubarkeit gezeigt und damit Kurs auf Publikumsherzen genommen.

Die titelgebende Nummer singt die in ihre Bergheimat heimgekehrte Hollywood-Schönheit Emma Carter (Irena Flury: stimmlich mitunter schrill, aber schauspielerisch eine Wohltat) neben dem Gipfelkreuz als Selbstfindungs-Hymne, die “Bergwerk”-Ballade bringt Herzschmerz mit ihrer neu entdeckten Liebe, dem Hotelierssohn Josi (sympathisch: Lukas Perman), die “Strada del Sole” ist eine Jugenderinnerung des Vaters Wolfgang (die gelungenste gesangliche Überraschung des Abends: Andreas Steppan) und flotte Ensemblenummern wie “Macho Macho”, “Schickeria” oder “Nix is Fix” versehen den üppig ausgestatteten Abend mit viel Tanz (Choreographie: Kim Duddy) und dringend notwendigem Overstatement. Michael Reed hat Fendrichs Nummern für die Verwendung auf der Musicalbühne fit gemacht – dass das keine Schlankheitskur sein wird, war klar. Es darf ein bisserl mehr sein, auch wenn es manchmal wehtut.

Allerdings: Wie in jedem guten Fendrich-Song werden manche Pointen von langer Hand vorbereitet (der “Autofriedhof” lässt grüßen) und wie in jedem guten Fendrich-Song ist Kitsch so lange erlaubt, wie man sich dabei nicht allzu ernst nimmt. Nur: wenn gerade kein guter Fendrich-Song zur Hand ist, weil ein halbwegs kohärentes Stück auch ein paar Plotholes füllen muss, dann tun sich ganz schnell Gräben in Konzept und Qualität auf. Und das lässt ahnen, was mit “I am From Austria” passieren könnte, wenn der Titel nicht für das gesamte Publikum gilt. Nur Austropop-geeichte Zuhörer hat man mit dem spaßigen Effekt der hinter abstrusen Wendungen lauernden ikonischen Songs in der Tasche. Wer Fendrich nicht kennt, wird ihn hier nicht schätzen lernen, sondern ratlos bleiben. Und wer des Wienerischen nicht sicher mächtig ist, wird sich über weite Strecken auf die englischen Übertitel verlassen müssen.

Mit Österreich-Klischees wird geklotzt und nicht gekleckert, was jeweils nur so lange schwer zu ertragen ist, bis es in den Klamauk kippt. Da besteht das “Hotel Edler” aus einer gigantischen Torte, die als Bühne wahrlich alle Stückeln spielt (Stephan Prattes), da wird die Flucht im Fiaker angetreten, dann im Helikopter auf den Berggipfel gejettet und letztlich gibt’s ein Stelldichein mit Sigmund Freud, Richard Lugner, Wolfgang Amadeus, Udo Jürgens und anderen Promis am Opernball. Eine Hommage an sich selbst liefert Dolores Schmidinger, die als launige Chefconcierge ein Abo auf die trockenen Sprüche hat. Wer den Wiener Schmäh lieber tieffliegend mag, ist hier jedenfalls falsch. Hier thront er auf dem Schlagobershauberl der Edlertorte.

(APA)

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