Hypo-Prozess: “Jakljan”-Projektwerber Strok vor Gericht

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Der Angeklagte und zahlreiche Akten zum Auftakt des Hypo-Prozesses
Der Angeklagte und zahlreiche Akten zum Auftakt des Hypo-Prozesses - © APA
Im Hypo-Prozess um das Projekt “Jakljan” hat der Angeklagte Goran Strok am Donnerstag am Landesgericht Klagenfurt ausführlich seine Motive erklärt, warum er dieses Projekt unbedingt umsetzen habe wollen. Ex-Hypo-Vorstand Günter Striedinger sei “von Anfang an informiert” gewesen, er habe auch die Probleme rund um Gebietsansprüche von Serbien und Kroatien offen dargelegt.

Strok wollte den Kauf eines Grundstücks auf der Insel Jakljan vor Dubrovnik fremdfinanzieren und wandte sich deshalb an seinen Geschäftspartner Günter Striedinger, so Staatsanwalt Norbert Ladinig. Offenbar habe es im Vorfeld intensive Gespräche gegeben, in welche die Gremien der Bank nicht involviert gewesen seien. Der Aufsichtsrat sei vor vollendete Tatsachen gestellt worden, weil die Garantien schon draußen waren. In diesem Verfahren werde es im Wesentlichen darum gehen, wie das im Vorfeld abgelaufen sei. Strok habe gewusst, dass Striedinger die Kredite und Garantien nicht habe durchführen dürfen, ihn aber trotzdem dazu bestimmt.

Striedinger hatte eine Bietergarantie in Höhe von 300.000 Euro zum Grundstückserwerb auf Jakljan abgegeben – eine zweite Garantie in der Höhe von 5,7 Mio. Euro für den Kaufpreis von sechs Mio. Euro folgte. Der Sachverständige im Prozess gegen Striedinger hatte festgestellt, dass man dabei auf Sicherheiten und auf die Überprüfung der Bonität des Käufers verzichtet habe. Die Garantien wurden schließlich in einen Kredit umgewandelt und auf 6,7 Mio. Euro erhöht, um Nebenkosten und Beraterhonorare zu bezahlen. Die Insel Jakljan wurde zwar von Serbien angeboten, im Grundbuch stand allerdings Kroatien. Das Projekt kam nie zustande.

Die Hypo war zu dem damaligen Zeitpunkt nicht nur Stroks finanzierende Bank, sondern auch 33-Prozent-Geschäftspartner. Sein Obligo bei der Hypo sei 2005 bei 77 Mio. Euro gelegen. Es sei deshalb so hoch gewesen, weil man damals fünf Hotels betrieben hätte, vier davon habe man komplett neu ausgestattet, erklärte Strok auf eine Frage von Richter Christian Liebhauser-Karl. Er habe auch eigenes Geld in die kroatischen Projekte investiert, rund 15 Mio. Euro.

Ob es Stroks Standardmodell gewesen sei, alles mit Fremdkapital zu finanzieren, wollte der Richter wissen. Strok verneinte, dies sei nur in der Causa Jakljan so gewesen. Er habe deshalb kein Eigenkapital beigebracht, weil “die Hypo nicht gefragt hat”. Man sei überzeugt gewesen, dass Jakljan ein Projekt sei, das 300 Prozent Rendite abwerfen würde. Es habe sich immerhin um eine der schönsten Inseln in der gesamten Adria gehandelt, da könnte man sehr rasch etwas realisieren und gutes Geld verdienen.

Er habe Striedinger gleich zu Beginn darauf aufmerksam gemacht, dass es die Eigentumsstreitigkeiten zwischen Serbien und Kroatien gebe. Striedinger meinte, er habe beste Beziehungen zur serbischen Regierung, daher werde sich das Problem sicher lösen lassen. Auf kroatischer Seite sei das ebenfalls lösbar, habe Striedinger gemeint, schließlich hätte Hypo-Chef Wolfgang Kulterer beste Beziehungen zum damaligen kroatischen Premierminister Ivo Sanader. Auf die Frage des Richters, ob ihm Striedinger gesagt habe, dass es in der Bank Widerstände gegen die Finanzierung des Projekts gegeben habe, meinte Strok, er habe von “Problemen” gesprochen, die er aber gelöst hätte. Details habe er nicht genannt. Die Frage, ob er Druck auf Striedinger ausgeübt habe, um die Finanzierung sicherzustellen, verneinte der Angeklagte. Hätte die Bank die Finanzierung abgelehnt, wäre das Projekt eben nicht zustande gekommen. Auf die Frage, warum sich Striedinger so für das Projekt eingesetzt habe, meinte Strok: “Weil er überzeugt davon war, dass es ein gutes Geschäft ist.”

Staatsanwalt Norbert Ladinig wollte vom Angeklagten wissen, welche Gegenleistung er sich für die Übertragung von einem Drittel seiner Geschäftsanteile an die Hypo von dieser erwartet habe. Er habe das Unternehmen vergrößern wollen, an Bedingungen sei die Übertragung nicht geknüpft gewesen. Außerdem habe er Geld gebraucht, konzedierte Strok.

Stroks Verteidiger Roland Grilc betonte, sein Mandant sei 70 Jahre alt, habe sein Leben lang als Unternehmer im Tourismus gearbeitet. In den Jahren 2000 bis 2005 habe es einen riesigen Boom an der Adria gegeben. Strok habe die Insel gefunden, auf der die Republik Serbien ein Grundstück zum Verkauf feilbot. Laut Grundbuch gehörte es aber Kroatien, weil es, so Grilc, von der Republik Kroatien einseitig verstaatlicht worden war. Der Verteidiger erklärte ausführlich, warum es zu diesen Kalamitäten gekommen war. Die Bank sei von Anfang an über die rechtlichen Unwägbarkeiten informiert gewesen, sie hätte jederzeit die Möglichkeit gehabt, das Projekt abzulehnen. “Man kann nicht ihm, der von Anfang an mit offenen Karten gespielt hat, vorwerfen, dass er etwas verschleiert hat, er hat keinen Beitrag zu dieser Untreue geleistet.”

Die Befragung Stroks wurde zu Mittag beendet, die Verhandlung wurde auf 19. Oktober vertagt.

(APA)

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