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Hubert Nagel: "Hauptsponsor macht den Unterschied"

Für Austria-Präsident Hubert Nagel macht vor allem der Hauptsponsor den Unterschied zu den Bundesligisten aus Altach.
Für Austria-Präsident Hubert Nagel macht vor allem der Hauptsponsor den Unterschied zu den Bundesligisten aus Altach. ©GEPA/Oliver Lerch
Im Interview mit der "NEUE am Sonntag" nennt Austria Lustenau-Präsident Hubert Nagel die Unterschiede zwischen Lustenau und Altach. Im aktuellen Austria-Kader sieht er viel Potential.

Vor einer Woche betonte Altachs Geschäftsführer Wirtschaft Christoph Längle in der “NEUE am Sonntag”, dass die Altacher wesentlich professioneller agieren würden als die Lustenauer Austria. Hat er Recht?

Hubert Nagel: Wenn er das so sagt, wird es schon stimmen. Ich möchte keinen Streit mit den Altachern vom Zaun brechen, sondern nur einzelne Punkte richtigstellen, die uns direkt betreffen. Christoph hat Recht, wenn er Altach als derzeit stärker bezeichnet, sie sind seit zwölf Jahren sportlich erfolgreicher als wir. Im Umfeld haben sie mehr als doppelt so viele fix angestellte Mitarbeiter und damit natürlich professionellere Strukturen.

Warum konnte sich Altach in den vergangenen zwölf Jahren von der Austria absetzen?

Nagel: Altach hat uns exakt zu jenem Zeitpunkt überholt, als Cashpoint als Hauptsponsor eingestiegen ist (Winterpause 2005/06; Anm.). Für mich bedeutet das, dass sie durch den Hauptsponsor finanziell potenter sind. Wenn ich ein paar 100.000 Euro mehr zur Verfügung habe, kann ich leicht drei Mitarbeiter mehr einstellen. Hätten nicht sie diesen Sponsor, sondern wir, würde es ganz anders aussehen. In Altach spielen derzeit einige Ex-Austrianer, vom Masseur bis zum Busfahrer haben viele im Verein eine Austria-Vergangenheit, das müssen wir akzeptieren. Ich möchte aber betonen, dass Altach vieles richtig gemacht hat, sonst würden sie als kleiner Verein nicht so lange oben mitspielen. Viel haben sie Josef Lässer zu verdanken, der seine guten Kontakte pflegt. Zusätzlich ist Altach sowohl in der Politik durch Präsident Karl-Heinz Kopf als auch im Sport durch dessen Bruder Andreas Kopf als Leiter der AKA Vorarlberg sehr gut verknüpft. Das sind natürlich die besten Voraussetzungen. Sportlich ist der Unterschied aber nicht so groß, wie sie vielleicht glauben. Vor allem kann sich das schnell ändern, wie ein Blick in die Geschichte beweist.

Ein weiterer Standpunkt Längles ist, dass Altach aufgrund der größeren Anzahl an einheimischen Spielern eine engere Bindung an Vorarlberg habe. Im Austria-Kader stehen sechs Brasilianern lediglich fünf Vorarlberger gegenüber. Hat Ihr Verein, bei dem früher „Wir Vorarlberger“ auf der Brust stand, den Bezug zur Region verloren?

Nagel: Das ist völliger Blödsinn. Wo ist bitte der große Unterschied zwischen fünf oder sieben Vorarlbergern? Die Definition, wer ein Vorarlberger ist, kann man auch hinterfragen. Rudi Gussnig oder Oliver Schnellrieder sind im Altacher Umfeld wohl absolute Vorarlberger, obwohl sie woanders geboren sind. Oder sollen wir Christoph Kobleder, der mit einer Hohenemserin liiert ist, und Daniel Sobkova, der sogar mit einer Lustenauerin verheiratet ist und in Lustenau lebt, wirklich als Auswärtige bezeichnen? Dazu haben wir mit Nicolai Bösch einen echten Lustenauer im Kader. Ich wüsste nicht, dass bei Altach ein echter Altacher spielt. Dass sie derzeit den leichteren Zugang zur Akademie haben, ist offensichtlich. Aber dies ist nicht ihr Verdienst, sondern eine Auflage der Bundesliga. Die Altacher sind sogar einer der wenigen Bundesligisten, die keine eigene Akademie haben. Sollten wir aufsteigen, ist es selbstverständlich, dass auch wir uns auch an der Akademie beteiligen.

War eine finanzielle Beteiligung an der Akademie in den vergangenen Jahren für Sie kein Thema?

Nagel: Als Zweitligist ist das aus finanziellen Gründen nicht möglich. Bei einem Abstieg wäre eine Akademiebeteiligung auch für Altach kein Thema mehr.

Sehen Sie in Lustenau ein größeres Fanpotenzial als in Altach?

Nagel: Ich glaube, dass wir der typische Vorarlberger Verein sind. Ebenso wie Blum zum Beispiel eine Höchster Firma ist, auch wenn dort viele Migranten arbeiten. Interessanterweise haben die Altacher schon zwei Brasilianer aus Lustenau verpflichtet, zuletzt Lucas Galvao, Bruno hätten sie auch gerne gehabt. Es ist also nicht so, dass Altach solche Spieler ablehnt. Sie waren auch glücklich mit Leonardo oder zuletzt mit Oberlin und Ngamaleu.

In Altach hat sich der Ausbau des Stadions verzögert. Wie lautet der Status quo in Sachen Reichshofstadion neu?

Nagel: Ich habe demnächst einen Termin beim Land und hoffe, dass es weitergeht. Besonders betonen möchte ich aber: Ich kämpfe nicht dafür, dass Altach kein Stadion bekommt, sondern dafür, dass wir ein neues bekommen. Das ist vielleicht ein kleiner Unterschied. Und in einem hat Längle Recht, Altach ist nicht Lustenau.

Kommen wir zur Austria. Sie haben 17 neue Spieler im Kader. Wie sind Sie mit der bisherigen Entwicklung zufrieden?

Nagel: Ich bin sehr zufrieden. Die 17 Neuen möchte ich aber ein bisschen relativieren. Wir haben in die Zukunft investiert, denn von einigen – auch jungen Brasilianern – denken wir, dass sie uns heute noch nicht weiterhelfen können. Es freut mich auch sehr, dass es mit Bösch und Daniel Tiefenbach zwei aus unserem Nachwuchs zu den Profis geschafft haben. Natürlich hätten wir lieber 20 Eigengewächse, aber die Fußballwelt hat sich verändert. Das mussten auch die Altacher zuletzt beim Wechsel von Lukas Jäger nach Nürnberg akzeptieren.

Während des Kurztrainingslagers in Lech waren Sie sich noch nicht sicher, ob noch ein neuer Spieler verpflichtet wird. Mit Christopher Drazan und Kürsat Güclü sind nun gleich zwei Neue gekommen. Wie war das möglich?

Nagel: Das hat einerseits mit dem gescheiterten Wechselwunsch eines Spielers zu tun. Andererseits haben wir zwei Verletzte und deshalb reagiert.

Die Austria hat durch die Verkäufe von Raphael Dwamena und Bruno in den vergangenen Monaten Geld eingenommen. Wie stellt sich die derzeitige finanzielle Situation dar?

Nagel: Wir stehen finanziell gut da, aber müssen natürlich immer die laufenden Kosten decken. Nächstes Jahr gäbe es wieder ein Loch, wenn es uns nicht gelingt, weitere Spieler zu verkaufen oder mehr Sponsoren aufzutreiben. Heuer haben wir mehr investiert, weil wir nicht an die neue zweite Liga glauben. Unsere jungen Spieler sind jedenfalls eine Investition in die Zukunft, die uns wieder Geld bringen wird. Wenn ich einen 30-Jährigen verpflichte, weiß ich, dass ich ihn nie wieder verkaufen kann. Bei zehn 20-Jährigen werde ich auch nicht jeden gewinnbringend transferieren können, aber die Wahrscheinlichkeit ist größer.

Ist es in der kommenden Saison eine Option, quartalsmäßig auf das Geld aus dem Österreicher-Topf zu verzichten, wenn es sportliche Vorteile brächte?

Nagel: Geplant ist es nicht. Der LASK hat es einmal nach einer Verletzung gemacht, Liefering macht es immer – ausschließen kann ich es bei uns nicht. Mir gefällt der Weg des Talenteentwickelns, den Salzburg geht. Wir möchten im Kleinen einen ähnlichen Weg einschlagen, wie bereits mit Galvao oder Danilo Soares.

Sind Sie neben den wirtschaftlichen Vorteilen auch persönlich stolz, wenn Sie einen jungen Brasilianer weiterentwickeln?

Nagel: Ich werde immer wieder gefragt, wo wir diese guten ­Spieler herbekommen. Ich ­glaube, dass wir ihnen genügend Zeit lassen und sie sich in Lustenau wohl fühlen. Mit Thiago gibt es eine Ansprechperson, die sich um sie kümmert. Es ist schön, wenn einer dann zeigt, was er kann, das honorieren auch die Zuschauer. Wenn Jodel Dossou einen Gegenspieler ausdribbelt, freuen sich die Fans und fragen nicht, wo er herkommt. Das ist auf der gesamten Welt dasselbe.

Aufgrund der großen Veränderungen innerhab des Teams fällt es schwer, die Stärke der Mannschaft einzuschätzen. Wie stark sehen Sie ihr Team im Vergleich zur Konkurrenz?

Nagel: Schwer zu sagen, weil sich auch bei den anderen viel verändert hat. Viele sehen Ried ganz vorne. Aber in Wahrheit können wir Ried überhaupt nicht einschätzen. Wir wissen, wie gut sie waren, aber davon sind nur fünf Spieler übrigge­blieben. Und es ist nicht sicher, dass zum Beispiel Peter Haring in Ried so gut spielt, wie er bei uns gespielt hat. Ich hoffe und glaube, dass wir uns vorne etablieren können. Wie weit vorne, wird sich zeigen.

Sie haben mit der Green Card eine neue Aktion ins Leben gerufen, die eine Partnerschaft mit vielen anderen Vereinen beinhaltet. Was war die Intention dabei?

Nagel: Die Green Card repräsentiert unsere Grundidee. Wir wollen mit der Austria keine Sonderstellung einnehmen, sondern ein Verein von vielen sein, mit den anderen trotz etwaiger Konkurrenzsituationen zusammenarbeiten und gemeinsam das Niveau steigern. Zum Beispiel der FC. Einerseits bin ich froh, dass wir die klare Nummer eins in Lustenau sind, andererseits fehlen mit den Partien gegen den FC natürlich die zuschauerträchtigsten Spiele. Auch das Interesse am Gegner ist größer, wenn die andere Hälfte Lustenaus genauso involviert ist. Davon profitieren dann alle.

Machen Aktionen wie die Green Card die Austria als Verein aus?

Nagel: Ja, schon seit vielen Jahren. Die Altacher haben eine Woche der Herzen, wir sind der Verein zum Anfassen. Die Green Card gibt es nur im Doppelpack, und sie soll die Leute im Stadion zusammenbringen. Dort können sie sich austauschen und auch einmal unterschiedlicher Meinung sind. Denn das macht den Fußball aus.

Das Interview führte Johannes Emerich für die “NEUE am Sonntag”.

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