25. Februar 2009 09:58; Akt.: 25.02.2009 09:58

Homosexualität in Vorarlberg

Jogy Wolfmeyer Jogy Wolfmeyer - © VOL Live
Schwarzach – Die Bevölkerung wird offener dafür. Betroffene erleben dennoch immer wieder Krisenzeiten. Und die Beratungsstellen sind in ihrer Ausrichtung so unterschiedlich wie in ihrer Förderung durch das Land Vorarlberg.

Jogy Wolfmeyer im VOL Live-Interview

 (19 Kommentare)

Als Obmann des Vereins „Homosexuelle Aktion Vorarlberg” empfängt uns Jogy Wolfmeyer in einem Café in Dornbirn. Denn über Räumlichkeiten verfügt sein Verein nicht.

Beratungsstellen in Vorarlberg

Generell stellt Wolfmeyer zwar fest, dass sich Homosexualität in Vorarlberg zunehmender Akzeptanz und Offenheit erfreue, sich aber dennoch Probleme für Betroffene ergeben. Vor allem die Menschen in der „Coming-out-Phase” haben Beratungs- und Unterstützungsbedarf. Hier bietet das „rosa Telefon” jeden Donnerstag von 18 bis 20 Uhr ein offenes Ohr an, während Wolfmeyer auf seinem Handy rund um die Uhr zur Verfügung steht. Allerdings „bekommt unser Verein keine offizielle Förderung für eine eigene Beratungseinrichtung”, stellt er mit Bedauern fest. Denn den Bedarf für einen eigenen Raum für die Arbeit seines Vereines erachtet er seit Jahren als notwendig.

Auf der Suche nach einer offiziellen Einrichtung für die Probleme rund um Homosexualität trifft man im Ländle auf das IFS. Franz Abbrederis, der Leiter der Presseabteilung, erläutert gegenüber VOL Live, dass in seiner Institution zwar keine spezielle Beratungsstelle zum Thema Homosexualität existiere, aber für Probleme rund um das Thema Sexualität ausgebildetes Fachpersonal bereit stehe. Außerdem ist für ihn die Online-Beratung auf www.vol.at/specials/ifs eine sinnvolle Errungenschaft.

Selbsterfahrung und/oder Fachausbildung

Für Jogy Wolfmeyer kann ausgebildetes Fachpersonal den Problemen von homosexuellen Menschen nur in begrenztem Maße eine Hilfe sein. „Grundsätzlich braucht man hier jemanden, der die Erfahrung selbst gemacht hat und die Situation verstehen kann. Vom Hörensagen kann ein Homosexueller, der Probleme hat, nicht leben”, so seine Kritik. Dem begegnet Abbrederis vom IFS mit dem Argument, dass auch nicht jeder Scheidungsberater eine Scheidung hinter sich haben müsse.

„Gayneration X”

Wirft man einen Blick auf die Homepage des Landes Vorarlberg, so findet sich unter den Beratungsmöglichkeiten für Jugendliche zudem die „Gayneration X.” Auf unseren Anruf hin hat uns Gabi Greiner-Robin allerdings mitgeteilt, dass ihre Einrichtung bereits seit 2001 nicht mehr existiere. Sie habe bereits mehrmals darauf hingewiesen, diese Tatsache mit einer Löschung des Eintrags richtig zu stellen – ohne Erfolg. Zudem findet sie es aus heutiger Sicht schade, dass sich ihre Selbsthilfegruppe aufgelöst habe, da der Bedarf im Land durchaus gegeben sei.

Öffentliche Gelder

So verbleibt Jogy Wolfmeyer mit der „Homosexuellen Aktion Vorarlberg” als einziger eingetragener Verein und findet es „makaber, dass wir im Gegensatz zu einer Vielzahl von Vereinen im Land keine offiziellen Förderungen erhalten. Denn schließlich geht es hier um Menschen mit Problemen.” Sein zentrales Anliegen ist, dass von Gemeinden, Land und Bund offen dazu gestanden wird, wenn man die Problematik der Homosexuellen mit finanziellen Mitteln unterstützt. Das Konzept für eine Beratungsstelle befindet sich seit vielen Jahren in seinem Schreibtisch.

Jogy Wolfmeyer im VOL Live-Interview


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