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Haus mit Aussicht statt Einsicht

Das Haus ist zugleich Bollwerk Das Haus ist zugleich Bollwerk - © VN/Christian Grass
von Martina Pfeifer Steiner - Am steilen Abhang. Über das Grundkonzept war man sich schnell einig. Ganz unten schlafen, mit Panoramablick wohnen, die Straße ausblenden und als Baumaterial Beton.

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Als Vorspann eine kleine Globetrottergeschichte: Tamara, zu Hause im idyllischen Batschuns, genießt die Zeit als „Au pair“ in Neuseeland und lernt dort den schottischen Ingenieur Alan kennen. Gemeinsam gehen sie nach Australien. Sohn Finlay gesellt sich zu ihnen und das ist dann ein triftiger Grund, nach Vorarlberg zu ziehen. Es steht ein sehr steiles Grundstück direkt an der kurvigen Laternser Straße zur Verfügung, über dem Elternhaus von Tamara. Die Architekten für das Bauvorhaben finden sie gleich mittels Kollegenempfehlung, denn die Eltern sanieren ihr Haus auch gerade. Die Baumeistersuche war schwieriger, so nahe an einer Landesstraße zu bauen, und so wenig, eigentlich keine, Standfläche für Baustelleneinrichtung zu haben, stellte sich als kompliziert dar. Wie sollte man hier einen Kran aufstellen?

Heute steckt ein kompaktes, scharf geschnittenes Betonhaus im Hang, von der Straße nur als Betonwand mit gedecktem Zugangsplatz erfahrbar. Über den schmalen Eingangsraum zu erreichen, bohrt sich eine gewendelte Treppe nach unten, dem Wohnlevel, und im minus-zweiten Stockwerk den Schlafzimmern zu. Nur Aussicht, keine Einsicht war gewünscht. Die rasant befahrene Straße wird optisch wie akustisch ausgeblendet, die Orientierung talseitig, zu den Schweizer Bergen, ist auch von der Himmelsrichtung her optimal: Westsüdwest.
„Der Hang ist so steil wie ein Treppenaufgang, wir wollten die Landschaftsveränderungen minimieren, so wurde das Haus zur Absturzsicherung“, erklärt der Architekt Dieter Klammer. Es gibt also keine Nordostfassade; die steckt im Hang und ist zugleich Stützmauer. Auch im Außenraum wurde wenig verändert. Die großzügige Terrasse befindet sich über den Schlafgemächern. Ein dem Hang folgender Weg verbindet die Niveaus von ganz oben nach unten und über die gesamte Länge des Grundstücks, bis zum Plätzchen, wo sogar ein Trampolin funktioniert. Die Gemeinde Zwischenwasser registriert besonders engagiertes Bauen Ihrer Bürger(innen). Bei der jährlichen Veranstaltung „Dorfleben“ wurde Familie Irving in der Kategorie Außenraum, für den schonenden Umgang mit der Landschaft ausgezeichnet.

Herausforderung war nicht nur der Abgrund, sondern auch das straffe Budget. Massivbauweise in Beton, isoliert, innen Rigips, ist dafür bestens geeignet. Für Alan war das Material Beton immer Favorit. So bleiben auch die Decken und Zwischenwände innen pur. Sparsamkeit war die Maxime, deshalb wird die Sichtbetonfassade mit Großflächen-Standard-Schalungen ausgeführt. „Die Form folgt der Schalung! Eigentlich planten wir nach den Standardformaten, und der Baumeister hat schön gearbeitet.“, sagt der Architekt. Als pure Betonauskragung, ohne Dachfolie, bleibt die partielle Überdachung der Terrasse stehen. Dieses Freiluftwohnzimmer macht das Haus noch viel größer, als es eigentlich ist. Zur Terrasse wird mit Verglasung vollständig geöffnet, zum Tal hin unterstreichen langgezogene Fensterbänder mit schützender Brüstung die Klarheit der Kubatur.

Innen gilt in der Materialisierung ebenfalls die Reduktion. Es gibt Beton, Holzböden, Weiß (Wandspachtelung, Türen und Möbel) und die Lieblingsfarbe Tamaras: frisches Grün. Energiebewusst lebt man hier. Eine Wärmepumpe mit Erdsonde reicht für die Fußbodenheizung. Gute Dämmung, die hohe Speicherfähigkeit des Betons und Komfortlüftung sorgen für behagliches, konstantes Wohnklima.

Und was macht die Lebensqualität aus, an diesem Flecken? Tamara kommt ins Schwärmen: „In Batschuns bin ich einfach daheim. Es gibt Spielgruppe, Kindergarten, Volksschule in angenehmer Größe, alles da, was wichtig ist, und natürlich ist der Panoramablick über das Rheintal überwältigend.“ Das wäre Tamara allerdings gewohnt, denn sie ist ja hier aufgewachsen.

 

Daten & Fakten

Objekt Einfamilienhaus Irving, Batschuns
Architektur architektur.terminal hackl und klammer, Dieter Klammer Martin Hackl Röthis, www.architekturterminal.at
Statik Mader & Flatz, Bregenz
Energieberatung Andreas Seewald, Götzis
Planung Winter 2009 bis Sommer 2011
Bauzeit Winter 2010 bis September 2011
Grundstücksfläche 2118 m²
Bebaute Fläche 121 m²
Bruttogeschoßfläche 210 m²
Nutzfläche 136 m²
Umbauter Raum 607 m²
Bauweise Massivbauweise; Beton
Anerkennung der Gemeinde Zwischenwasser für den schonenden Umgang mit der Landschaft in der Kategorie: Außenraum
Ausführung: Baumeister: Wälderbau, Schwarzenberg; Installationen: Küng, Thüringen; Elektrik: Ludescher, Rankweil; Spengler: Ganath, Feldkirch-Gisingen; Fenster: ACTUAL, Nenzing; Trockenbau: Josef Sumper, Götzis

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