“Hairspray” in Linz: Großer Applaus für “Hottentottenmusik”

Mit vollem Tempo ist das Linzer Musiktheater am Freitag in die neue Saison gestartet. Das Musical “Hairspray” von John Waters und Marc Shaiman versprühte Sixties-Flair und Wellness-Feeling: Musik, die in die Beine geht, eine bunte, fröhliche Show, gewürzt mit Witz und Gesellschaftskritik – und am Ende wird alles gut. Das Publikum honorierte die erste Premiere der Saison mit Standing Ovations.

Baltimore, 1962: Tanzfieber, Rockabilly-Kleider, Haarspray-verklebte Turmfrisuren, Rassentrennung. In der “Corny Collins Show” tanzen Teenager vor TV-Publikum “Madison” oder “Mashed Potato” – aber nur weiße Jugendliche und weiße Klänge bitte, “Hottentottenmusik” will die Produzentin Velma von Tussle (Anais Lueken) höchstens beim “Negertag” einmal im Monat hören.

Tracy Turnblad, ein pummeliges Mädchen aus einfachem Haus, will unbedingt in der Show auftreten. Das erwartbare Dicken-Bashing überwindet sie mit ihrer ansteckenden Lebensfreude, tänzerisch brilliert sie dank der Tipps ihrer schwarzen Freunde – aus deren Reihen können Dinipiri Etebu (Seaweed) und Amanda Whitford (Motormouth Maybelle) als stimmliche Highlights genannt werden.

Dass Farbige bei der Show nicht mitmachen dürfen, will Tracy nicht akzeptieren und zettelt bei der Wahl der “Miss Teenage Hairspray” eine kleine Revolution an. Ariana Schirasi-Fard in der Hauptrolle – auftoupiert und uneitel als Dickerchen ausgestopft – tollt wie ein fröhlicher Hüpfball über die Bühne und gibt eine kindlich-unvoreingenommene, zum ersten Mal verliebte Tracy, die aber auch über eine ordentliche Portion Zivilcourage verfügt.

Traditionell wird Tracys Mutter Edna, die einen Waschsalon betreibt und wegen ihrer ständig wachsenden Leibesfülle gar nicht mehr aus dem Haus geht, von einem Mann gespielt. In der Linzer Inszenierung, die in den bewährten Händen von Matthias Davids liegt, ist das Ricardo Grecco als pinke Walküre mit Stützstrümpfen und mit einem mütterlich-gurrenden Timbre in der Stimme, immer noch glücklich verliebt in Tracys Vater Wilbur alias Rob Pelzer, der wieder einmal den komischen Part ausgefasst hat und diesen auch mit Witz ausfüllt, ohne zu sehr in den Klamauk abzurutschen.

Nachdem im Vorjahr mit “Into the Woods” und “In 80 Tagen um die Welt oder Wie viele Opern passen in ein Musical?” einige zwar durchaus gelungene, aber musikalisch sehr sperrige Musicals am Plan gestanden waren, hat man sich nun offenbar wieder etwas leichtfüßigeren Produktionen verschrieben – wie zuletzt “Ghost – Nachricht von Sam” und nun eben “Hairspray”. Letzteres hat das Zeug zum Publikums-Erfolg.

(APA)

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