GroupGroupCombined ShapePage 1Page 1Combined ShapePage 1Triangle Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1 Rectangle 9 Combined ShapeCombined ShapePage 1Page 1Page 1Page 1Page 1AAAAPage 1 Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1

Große Solidarität nach Amoklauf in Nenzing im vergangenen Jahr

Der Amoklauf eines 27-Jährigen bei einem Fest eines Motorradklubs in Nenzing hat vor einem Jahr Österreich erschüttert. Das ehemalige Mitglied des Skinhead-Neonazi-Netzwerks "Blood and Honour" schoss mit einer nachgebauten Kalaschnikow wahllos in die Menge und tötete dabei zwei Festbesucher. Die Tat hat Spuren in der Gemeinde hinterlassen, aber auch große Solidarität ausgelöst.
Amoklauf Nenzing: Gedenkausfahrt 2017
Drei Tote bei Schießerei in Nenzing: Am Tatort
Gedenkausfahrt nach Nenzing
Drei Tote bei Amoklauf auf Konzert in Nenzing, II
Drei Tote bei Amoklauf auf Konzert in Nenzing
Amoklauf in Nenzing: Was wir wissen und was nicht
Drei Tote bei Schiesserei in Nenzing
Benefizaktion: "Wir wollen der Familie helfen"
Ersthelfer gründet Unterstützungsgruppe für Famile Hummer
Die vier unbekannten Helden von Nenzing
Täter kam aus Neonaziszene und hatte Waffenverbot
"Hatte wirklich alle Schutzengel dabei"

Auch in diesem Jahr fand wieder eine Gedenkfahrt für die Opfer statt, erklärt “The Lords”-Präsident Dietmar Halbeisen. Sie führte ab 15 Uhr von der Brauerei Frastanz über Nenzing und wieder zurück. VOL.AT war live vor Ort.

Im Anschluss daran folgt die nächste Benefizaktion für das querschnittgelähmte Schussopfer. Ein von den “Lords” ausgerichtetes Fest wie in den vorangegangenen 30 Jahren wird hingegen nie mehr stattfinden. Die 30. Ausgabe sei immer auch als letzte geplant gewesen, sagte Halbeisen.

_______________________________________________

Tat erschütterte Nenzing

Der 27-jährige Täter geriet beim Fest in der Nacht auf den 22. Mai wegen einer Nichtigkeit in Streit mit seiner Partnerin – woraufhin er die Feier verließ, nach Hause fuhr und zwei bis drei Stunden später mit zwei Langwaffen im Fahrzeug gegen 3.00 Uhr wieder zum Festplatz außerhalb der Gemeinde zurückkehrte. Nach einer neuerlichen Auseinandersetzung mit seiner Freundin holte er eines der Gewehre aus dem Wagen und eröffnete das Feuer auf die etwa 80 Meter entfernte Menge. Der 27-Jährige schoss ein 30 Patronen-Magazin leer, im Kugelhagel kamen ein 48-jähriger Mann aus Nenzing und ein 33-Jähriger aus Lustenau ums Leben. Weitere zwölf Personen wurden durch Streif-, Steck- und Durchschüsse schwer verletzt.

Täter begann Selbstmord

VOL.AT
VOL.AT ©VOL.AT

Mehrere Mitglieder des lokalen Motorradklubs “The Lords” – der das Fest im vergangenen Jahr zum 30. Mal veranstaltete – gingen auf den achtfach vorbestraften Amokläufer zu und sprachen mit ihm, woraufhin sich der 27-Jährige mit einem Schuss in den Mund selbst tötete. Gegen den Mann hatte seit 2004 ein Waffenverbot bestanden. Woher die illegalen Waffen stammten, ist bis heute unbekannt.

Bessere Kontrolle zum Waffenverbot gibt es nicht

VOL.AT/Ronny Vlach
VOL.AT/Ronny Vlach ©VOL.AT/Ronny Vlach

Die Ermittlungen zum Fall sind längst abgeschlossen, eine Anklage gab es nicht, wie Heinz Rusch (Sprecher der Staatsanwaltschaft Feldkirch) auf APA-Anfrage erklärte. Die Dunkelziffer bei illegalem Waffenbesitz sei “extrem schwierig” abzuschätzen, “weil es keinerlei Anhaltspunkte gibt”, sagte Chefermittler Norbert Schwendinger. Präventiv habe die Polizei praktisch keine Handhabe. “Hat jemand eine illegale Waffe – gerade eine Pistole – kann er sie überall verstecken”, schilderte Schwendinger das Problem. Eine bessere Kontrolle von Waffenverboten – wie nach dem Amoklauf von vielen Seiten gefordert – gebe es noch nicht. Zwar würde Schwendinger Maßnahmen begrüßen, er erinnerte aber auch an die Schwierigkeit der Durchführung. “Nur weil einer ein Waffenverbot hat, kann man nicht alle drei bis vier Wochen bei ihm anklopfen und kontrollieren”, formulierte Schwendinger überspitzt. Das gehe an der Realität vorbei.

“Sind an einer viel größeren Katastrophe vorbeigeschrammt”

VOL-live/Sebastian Goop
VOL-live/Sebastian Goop ©VOL-live/Sebastian Goop

Nenzings Bürgermeister Florian Kasseroler schilderte gegenüber der APA, dass die Vorkommnisse jener Nacht auch nach einem Jahr nachwirkten und nicht vergessen seien. “Natürlich wird der Amoklauf immer wieder thematisiert, gerade jetzt auch wegen des Jahrestags”, sagte der Bürgermeister. Im Rückblick werde angesichts der vielen abgefeuerten Schüsse bewusst, “dass wir an einer noch viel größeren Katastrophe vorbeigeschrammt sind”.

Charity-Veranstaltung für Schussopfer

Das Gemeindeoberhaupt verwies aber auch auf die Solidarität, die nach dem Amoklauf entstanden ist. Eines der Schussopfer ist seither vom Hals abwärts gelähmt. In zahlreichen Charity-Veranstaltungen wurde im vergangenen Jahr Geld für den Familienvater gesammelt. So kamen bei einer Aktion zuletzt etwa knapp 20.000 Euro für die Anschaffung eines Spezialrollstuhls zusammen. Bei einem Lauf-Event erliefen 35 Teilnehmer eine Summe von weiteren 2.000 Euro. “Da sind eine Kraft und eine Solidarität erwachsen, die man so nicht für möglich gehalten hätte”, so Kasseroler.

Gedenkfahrt “Gegen die Gewalt”

VOL.AT
VOL.AT ©VOL.AT

Ihre Solidarität mit den Opfern zeigten im vergangenen Jahr die Vorarlberger Biker, indem sie wenige Tage nach dem Amoklauf zu einer “Fahrt gegen die Gewalt” aufriefen. 1.500 Zweiradfahrer folgten der Einladung, am Unglücksort wurden ein Kranz niedergelegt, Kerzen angezündet und ein “Vaterunser” gebetet.

(apa)

Fill 1Created with Sketch. zurück zur Startseite
  1. VOL.AT
  2. Vorarlberg
  3. Große Solidarität nach Amoklauf in Nenzing im vergangenen Jahr
Kommentare
Die Kommentarfunktion ist für diesen Artikel deaktiviert.