Gott als kiffender Rastaman - Schrilles Musical "Moses" in München

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"Super, ich war noch nie am Meer! Aber ich kann nicht schwimmen". Nicht nur wegen seiner eigenwilligen Dialoge sorgt das Musical für Aufsehen. "Super, ich war noch nie am Meer! Aber ich kann nicht schwimmen". Nicht nur wegen seiner eigenwilligen Dialoge sorgt das Musical für Aufsehen. - © Youtube
Die Bibel - ein aktuelles Buch? Wenn es nach Regisseur Simon Solberg geht, finden sich jede Menge Bezüge zwischen dem Alten Testament und der Gegenwart.

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Das zeigte er mit seiner kraftvollen, stürmischen und dichten Inszenierung des "Moses"-Stoffes als Mash-up-Musical im Volkstheater München. Mit der Premiere am Freitagabend startete das Haus erfolgreich in die neue Saison - die Aufführung verleitete das Publikum immer wieder zu begeistertem Szenenapplaus.

"Herr, wir haben hier ein Problem"

"Mash up" meint Vermischung, und das ist dem Regisseur in jeder Hinsicht gelungen: Er mischt das Theater mit Musical und Filmeinspielungen, die originale Textvorlage des Alten Testaments mit Interpretationen und flotten Sprüchen, wechselt zwischen Rap und Popmusik, tauscht die Wüste gegen eine Müllhalde und lässt Gott als kiffenden Rastaman erscheinen. Die verfolgten Hebräer freuen sich auf ihrer Flucht, endlich einmal ans Meer zukommen: "Super, ich war noch nie am Meer! Aber ich kann nicht schwimmen - Herr, wir haben hier ein echtes Problem!"

Die Geschichte des biblischen Moses - als Rapper dargestellt von Johannes Schäfer - verliert Solberg in seinem "Mash up" jedoch nicht aus den Augen: das Baby im Schilfkörbchen, das von der ägyptischen Pharaonen-Tochter aufgenommen wird, die Erscheinung Gottes im brennenden Dornbusch, die sieben Plagen, die Wanderung durch die Wüste, die Verkündung der zehn Gebote, Brudermord und Götzendienst am Goldenen Kalb.

Krieg und Mord im Namen Gottes

Um all diese Ereignisse strickt der Regisseur seine Inszenierung, versehen mit stark überzeichneten, satirischen, irritierenden Elementen und vielen Bezügen zur Gegenwart. Die Suche nach politischen Anführern, Zweifel am System, Kampf gegen Hunger, Durst und Elend, dazu Krieg und Verfolgung. Der Solbergsche "Moses" ist keine Verballhornung, keine Persiflage, sondern vielmehr eine kritische Auseinandersetzung, die zeigen soll, wie aktuell Themen des Alten Testaments sein können.

Auch die Rolle Moses' stellt Solberg in Frage. Er sieht ihn als "historisch fragwürdige Persönlichkeit: Er veranlasste Krieg und Völkermord - und das im Namen Gottes!", sagte der Regisseur vor einigen Tagen in einem Interview mit der Zeitung "Die Welt". Die Inszenierung soll ein "poppiger Versuch sein, sich ethisch-politischen Grundfragen zu stellen".

Weitere Produktionen des Münchner Volkstheaters in der Saison 2012/13 sind "Die Leiden des jungen Werther" und die von Intendant Christian Stückl selbst inszenierte Aufführung von Georg Büchners "Danton's Tod".

(APA)

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