"Glaube daran, ihn wiederzusehen"

Von Wann&Wo/Lisa Schmidinger
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Am Jahrestag und Geburtstag geht Nati meist auf den Friedhof und denkt zurück. Am Jahrestag und Geburtstag geht Nati meist auf den Friedhof und denkt zurück.
Alberschwende - Am Donnerstag ist der Jahrestag des schrecklichen Unfalls in Alberschwende, bei dem drei junge Männer ums Leben kamen. Dieser Tag hat das Leben von Nati (19) völlig verändert, denn eines der Todesopfer war ihr Freund.

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WANN & WO: Was hast du in jener Nacht gemacht?

Nati: Zu dieser Zeit war ich in der Berufsschule (Steiermark). Sonst wäre ich immer übers Wochenende nach Hause gefahren, nur dieses Mal lohnte es sich wegen der langen Fahrzeit kaum. Ich entschied mich dort zu bleiben.

WANN & WO: Wann hast du die Todesnachricht erhalten?

Nati: Ich hatte mich die ganze Nacht gewundert, warum kein Rückruf von ihm kam. Am nächsten Tag – um sieben in der Früh – kontaktierte mich dann meine Schwester und erzählte mir, dass mein Freund bei einem Autounfall gestorben ist.

WANN & WO: Wie hast du reagiert?

Nati: Ich bin durchgedreht, aus dem Bett gesprungen und habe einfach nur geschrien. Ich konnte es nicht glauben, es war ein Albtraum! Dann habe ich sofort meinen Koffer gepackt und wollte nur nach Hause. Meine Schwester holte mich ab.

WANN & WO: Kannst du dich noch daran erinnern, wann du zuletzt mit deinem Freund Kontakt hattest?

Nati: An jenem Abend. Das Letzte, was er noch am Telefon zu mir sagte: "Ich gehe in zwei Minuten nach Hause und ruf dich dann an!" Dieser Anruf kam dann aber nie. Ich habe ihn die ganze Nacht versucht anzurufen, konnte ihn aber nicht erreichen und habe darum auch schlecht geschlafen.

WANN & WO: Wie hast du die Tage danach verbracht?

Nati: Ich bin eine Woche nicht mehr zur Schule gegangen und habe die meiste Zeit eigentlich bei seinen Eltern und seinen Kollegen verbracht. Das hat mir wahnsinnig gut getan – ich wollte einfach nicht alleine sein. Da hätte ich zu viel Zeit gehabt, um nach zu denken.

WANN & WO: Was war für dich besonders schwer damals?

Nati: Die Entscheidung, ob ich ihn, vor der Beerdigung noch einmal sehen wollte. Ich habe mich dann dagegen entschieden – ich wollte ihn so in meiner Erinnerung haben, wie ich ihn zuletzt lebend gesehen hatte. Diese Entscheidung war im Nachhinein sehr gut, ich hätte dieses Bild wohl nie mehr vergessen können.

WANN & WO: Wer hat dir in dieser schweren Zeit geholfen bzw. beigestanden?

Nati: Der Kontakt mit seinen Freunde und seiner Familie gab mir die Kraft, es durchzustehen. Ich war in dieser Zeit eigentlich jedes Wochenende bei seinen Eltern und habe sehr viel mit ihnen gesprochen. Auch meine Eltern, meine Geschwister und Freunde erwiesen sich als sehr wichtige Stütze in jener Zeit. Das viele Reden hat mir am meisten geholfen, den Schmerz zu bewältigen.

WANN & WO: Was war für dich neben der Bewältigung des Schmerzes das Schlimmste in dieser Zeit?

Nati: Plötzlich kamen "Freunde" von ihm wie aus dem Nichts. Jeder wollte ein Stück Mitleid haben und auch sagen können, wie traurig er ist. Vor allem in Facebook gab es Menschen, die ihn nur flüchtig kannten, jedoch schrieben, wie beschissen es ihnen nun ginge. Auch die anonymen Kommentare bei den Online-Berichten haben mir sehr weh getan.

WANN & WO: Wie hast du das erste Jahr nach dem Unfall erlebt?

Nati: Ich war geschockt, wie schnell der Schmerz dieses Unfalls bei anderen verblasst ist. Ich hatte erwartet, dass niemand, der dies miterlebt hat, je wieder betrunken fahren wird. Aber leider sieht die Realität anders aus und alle machen sich nur Gedanken, dass man ihnen den Führerschein nehmen könnte, wenn man sie erwischt. Niemand denkt mehr daran, was alles noch passieren kann.

WANN & WO: Morgen ist der dritte Jahrestag, wie geht es dir dabei?

Nati: Es ist unglaublich, wie schnell die Zeit vergeht. Manchmal fühlt es sich an, als wäre es gestern gewesen und doch sind es jetzt schon drei Jahre, seitdem er tot ist.

WANN & WO: Glaubst du an ein Wiedersehen?

Nati: Ich hoffe sehr, dass ich ihn nach meinem Tod wiedersehen werde.


Vor drei Jahren forderte ein Unfall in Alberschwende drei Todesopfer

Im Oktober 2009 ereignete sich in Alberschwende ein folgenschwerer Unfall: Ein Pkw mit vier Insassen im Alter von 17 bis 28 Jahren kam auf der Fahrbahn L49 Richtung Dornbirn aufgrund überhöhter Geschwindigkeit von der Fahrbahn ab. Der Unfallwagen touchierte dabei in einer Linkskurve eine Begrenzungssäule, prallte anschließend gegen einen Baum und kam im Straßengraben zum Liegen. Zwei der Insassen waren sofort tot, ein weiterer verstarb verstarb nach Eintreffen der Einsatzkräfte an der Unfallstelle. Der Vierte überlebte schwer verletzt.

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