Geplante Wegwerfartikel: Warum viele Gegenstände absichtlich schnell kaputtgehen

7Kommentare
Wenn Waschmaschine, PC und Co. den Geist aufgeben, könnte Berechnung dahinterstecken Wenn Waschmaschine, PC und Co. den Geist aufgeben, könnte Berechnung dahinterstecken - © Bilderbox
Konsumentenschützer kritisieren ein ärgerliches Phänomen, das uns allen im Alltag begegnet: die "geplante Obsoleszenz". Darunter versteht man dem Umstand, dass Produkte absichtlich vom Hersteller so (fehl-)konstruiert werden, dass sie nach einem bestimmten Zeitraum kaputtgehen.

0
0

Fragen auch Sie sich manchmal, warum so vieles so schnell kaputt wird? Gerne passiert es, sobald die Garantie abgelaufen ist: Computer, Waschmaschine oder Outdoorjacke geben den Geist auf. Immer mehr Konsumenten glauben nicht an bösen Zufall.  Zunehmend wächst die Überzeugung, dass Produkte von vornherein für eine überschaubare Nutzungsdauer entworfen wurden. Der Fachbegriff dafür ist "geplante Obsoleszenz".

Doch gibt es hier Gegenstrategien? Es empfiehlt sich, beim Händler nach Langlebigkeit und Qualität zu fragen, rät das Magazin "Öko-Test". Im Internet vermehren sich unterdessen Seiten mit Tipps für Reparaturen.

Produkte mit vorhersehbarem Verfallsdatum

Das Wort Obsoleszenz kommt aus dem Lateinischen (von obsolescere‚ sich abnutzen, alt werden, aus der Mode kommen). Als einer, der die geplante Obsoleszenz praktisch erfunden hat, gilt Alfred P. Sloan. Der General Motors-Präsident ließ in den 1920er-Jahren an den Automobilen seiner Firma jährlich Stiländerungen vornehmen. Das Baujahr war am Design abzulesen, das Vorjahresmodell wirkte aus der Mode gekommen, "obsolet", die Kunden wurden zu einem vorzeitigen Neukauf angeregt und GM Marktführer.

Der Grund für "geplanten Murks" sei naheliegend, meint Öko-Test: Unternehmen wollen neue Waren absetzen. Ein Beispiel: Beim Handmixer greifen Plastikzahnräder und Bauteile aus Metall ineinander. "Es ist nur eine Frage der Zeit, bis Erstere die Zähne verlieren", kritisieren die Konsumentenschützer in der Oktober-Ausgabe.

Unternehmen setzen auf Geiz der Kunden

Der Einwand, die Verwendung minderwertiger Werkstoffe habe ihren Ursprung in der Geiz-Mentalität vieler Kunden, finden die Tester fadenscheinig: "Hochwertige Komponenten kosten nur wenige Cents mehr, damit würde sich fast jedes elektronische Produkt höchstens um einen Euro verteuern, aber fünf bis zehn Jahre länger halten."

Es sind aber nicht immer billige Kleinteile, die für geplante Obsoleszenz sorgen. Öko-Test nennt als weiteres Beispiel das Kultobjekt iPhone: An diesem Handy suche man vergebens die Klappe, hinter der sich der Akku verbirgt. "Er ist fest eingebaut. Damit bestimmt die Lebensdauer des Akkus die Lebensdauer des gesamten Geräts. In der Regel überstehe ein Akku 500 Ladezyklen; er hält bei einem Smartphone, das alle ein bis zwei Tage ans Netz muss, also rund zwei Jahre - so lange wie der Vertrag zum Handy."

iPhone und Co. absichtlich unlogisch konstruiert

Ist man technisch nicht versiert genug, ist dann der Gang zum Fachmann angesagt, der zwischen 30 und 40 Euro für den Umtausch verlangt. Besonders bei den älteren Modellen iPhone 3G und 3GS ist der Einbau relativ aufwendig - hier kosten die Akkus allein rund zehn Euro, erfuhr die APA auf Nachfrage bei Wiener Smartphone-Reparaturgeschäften.

Viele elektrische Geräte sind inzwischen so klein und kompakt geworden, dass der Tausch ganzer Komponenten nicht vorgesehen ist. Außerdem kämen immer häufiger für einzelne Hersteller typische Bauteile zum Einsatz, die im Handel nicht erhältlich sind. Selber reparieren wird fast unmöglich.

Wegwerfartikel auf dem Vormarsch

Digitalkameras, Staubsauger und Bücherregale, alles mutiere zu Wegwerfartikeln, in Fernost billig hergestellt, zu Niedrigstpreisen auf den Markt geworfen, nach dem absehbaren Defekt nicht mehr reparierbar. "Dabei werden bewusst Rohstoffe und Ressourcen verschwendet", so die Konsumentenschützer.

Die Politik könnte Abgaben auf den Verbrauch von Ressourcen einführen und Öko-Zölle, die nicht nachhaltig produzierte Waren verteuern würden. Anderer Ansätze wären eine Verlängerung der Gewährleistungsfrist oder eine "Pflicht zur Reparatur". Ob diese rechtlich durchzusetzen wäre, sei allerdings unklar.

Reparieren statt kapitulieren

Oft rentiere sich aber einfach der Versuch, Produkte zu reparieren, doch. Auf Internetseiten wie ifixit.com werden im Kollektiv Anleitungen dafür zusammengetragen. Ob man sich mit "absichtlichem Murks" durch geplant kaputt gehende Gegenstände abfindet, bleibt also in manchen Fällen doch noch dem Einzelnen selbst überlassen.

Werbung


0
0
Leserreporter
Feedback
7Kommentare

Herzlichen Dank für Ihren Kommentar - dieser wird nach einer Prüfung von uns freigeschaltet. Beachten Sie, dass dies gerade an Wochenenden etwas länger dauern kann. Kommentare von registrierten Usern werden sofort freigeschaltet - hier registrieren!

noch 1000 Zeichen

HTML-Version von diesem Artikel
Verkehr in Vorarlberg

Werbung
Jetzt meistgelesen auf VOL.AT
Werbung

Bitte Javascript aktivieren!