Als Bregenz auf Fußach neidisch war

Von Gemeindereporter Alfons J. Kopf
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Mit solchen Lädinen erfolgte der Warentransport über den See von Lindau nach Fußach. Darstellung aus der „Emser Chronik“ von 1616.
Mit solchen Lädinen erfolgte der Warentransport über den See von Lindau nach Fußach. Darstellung aus der „Emser Chronik“ von 1616.
Der „Fußacher Bote“ war vor 300 Jahren die raschere Verbindung – Vortrag am Freitag, 2. Juni um 20 Uhr im Feuerwehrgerätehaus Fußach. Eintritt frei. 

Der „Fußacher Bote“ war zwischen 1322 und etwa 1850 ein bedeutender Handelsweg zwischen Deutschland und Italien. Per Lastschiff und mit Kutschen wurden Waren und Personen befördert. Am Freitag, den 2. Juni, informiert der Frankfurter Historiker Dr. Magnus Ressel in Fußach über wertvolle neue Erkenntnisse zu dieser interessanten Handelsroute.

Fußach profitierte

So ganz ohne Eisenbahn und durchgehende Straßen war es zur Zeit des Fußacher Boten (auch Lindauer bzw. Mailänder Bote) umständlich, Waren, Briefe oder auch Personen aus Süddeutschland Richtung Mailand zu befördern. Allerdings gab es damals bereits regen Handelsaustausch. Davon profitierte die kleine Gemeinde Fußach. Sie war wichtige Station auf diesem Handelsweg. Denn hier legten die Lastsegelschiffe, die Lädinen, an, die in Lindau mit Waren und Post beladen wurden und die auch Passagiere mitführten.

Enge Klause

Die enge Klause vor Bregenz verhinderte zu jener Zeit, dass die Fuhrwerke den Weg entlang des Seeufers nahmen. Friedrich Schneider, Obmann des Dorfgeschichtevereins Fußach, knüpfte den Kontakt zu einem Fachmann, der sich mit diesem Thema ausführlich auseinandersetzte.

“Fußacher Bote”

Dr. Magnus Ressel, Historiker an der Goethe Universität in Frankfurt am Main, forscht seit einiger Zeit unter anderem in Venedig über die damaligen Handelsbeziehungen zwischen der Serenissima und Deutschland. Dabei stieß er auch auf den „Fußacher Boten“. Nachschau in Archiven in Mailand sowie in Deutschland brachten interessante Aspekte zutage. Immerhin ist es erstaunlich, wie gut sich der „Fußacher Bote“ gegen die Konkurrenzverbindung von Augsburg über den Brenner Richtung Venedig durchzusetzen verstand.

Fußacher Fuhrleute

Fußach profitiert: Es waren über die Jahrhunderte meist Fußacher Fuhrleute, die den Botendienst Richtung Mailand betrieben, deshalb auch „Fußacher Bote“. Sie waren keine einfachen Briefträger, sondern Spediteure und Logistiker mit etlichen Mitarbeitern im Ort. Insgesamt waren jeweils vier Boten unterwegs. Stets am Montag startete einer der Boten in Lindau und er war dann nach knapp einer Woche in Mailand. Dort machte er vier Tage Pause und dann ging es wieder eine Woche zurück. Danach folgte eine Pause von ca. 1,5 Wochen, bevor er am Montag wieder nach Mailand aufbrechen musste. Durch die vier Boten konnte jeden Montag einer aufbrechen. Das ging so ununterbrochen über mehr als 300 Jahre. Das Botenrecht wurde in den Familien weitergegeben – vom Vater auf den Sohn. Dazu gehörten die Familien Spehler und Viss (später Weiss). Sie beschäftigten etliche Mitarbeiter und sorgten in der kleinen Ortschaft für einen gewissen Wohlstand.

Handel über den See florierte

Bregenz protestiert: Während also der Handel über den See und Fußach florierte, sah sich die Stadt Bregenz von den Handelsrouten abgeschnitten. So entgingen Bregenz Mauteinnahmen sowie Einkünfte durch die Beherbergung von Fuhrleuten und Passagieren. Historiker Dr. Ressel verweist auf einen Bericht des Oberamtes Bregenz aus dem Jahr 1766. Darin wird beklagt, dass das Vogteiamt Feldkirch und dem Rheintalgemeinden keine Unterstützung für Straßenbauten bei Bregenz erfährt.

Allianz mit Lindau

Die Bregenzer wollten damals dringend die Straße entlang des Rheins von Fußach Richtung Feldkirch schlechter stellen und den Verkehr über Bregenz und Weiler leiten. Dr. Magnus Ressel schreibt: „Bregenz kann sich daher in Vorarlberg nur schwer gegen Lindau durchsetzen. Lindau steht in einer impliziten Allianz mit Fußach, Hard, Rankweil, Sulz, Feldkirch etc. Diese Verbundenheit drückt sich darin aus, dass die Boten aus Fußach von der Bevölkerung geschützt werden. Ihre heftigsten Gegner fanden die Bregenzer Beamten in der westlich gelegenen vorarlbergischen Bevölkerung. Unter anderem daran sollten auch die Pläne von Bregenz zu einer Abschaffung der Lindauer Boten scheitern.“

Im Bericht des Oberamtes heißt es in der damals üblichen Sprache: „. . . weil es in diesen Gegenden Leute giebet, denen gelegen ist, daß ihre Würthshäuser den dermaligen Zugang beybehalten, und die unter ihren Schutz stehende Mailänder Couriers an ihren dermaligen Ansehen und Utili nicht geschmällert werden.“

Freitag, 2. Juni, 20 Uhr, Feuerwehrhaus: Über diese und weitere Aspekte informiert Dr. Magnus Ressel bei seinem Vortrag am Freitag, den 2. Juni 2017, ab 20 Uhr im Feuerwehrgerätehaus Fußach. Der Eintritt ist frei, der Dorfgeschichteverein Fußach sorgt im Anschluss für einen kleinen Umtrunk.

 

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